„This is why the media won’t show the protest on the pipline #StayAware“ – so lautet die Beschreibung zu einem Bild, was momentan die Runde auf Facebook macht. Mittlerweile wurde er innerhalb von 2 Tagen ganze 286.976 Mal geteilt.




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(Quelle: Facebook, öffentlicher Status)

Worum geht es?

Im Rahmen eines Streites um eine Öl-Pipline, die sogenannte „Dakota Access Pipeline“ in der Nähe eines Reservats der Sioux in Standing Rock, North Dakota, haben einige hundert bis tausende Mitglieder verschiedener Stämme im April ein Protestcamp errichtet, das sich bis heute weiter vergrößert hat. Der Vorwurf lautet, dass die Pipeline das Gebiet der Indianer verletzt und beim Bau auch heilige Stätten und Friedhöfe zerstört würden. Zudem sehen die Einwohner die Qualität ihres Wassers gefährdet, wenn in Zukunft täglich bis zu 570.000 Barrel Öl durch die Pipeline fließen sollen. Den Medien wurde von Sprechern der Stämme vorgeworfen, kein angemessenes Interesse an der Berichterstattung zu haben, da vor allem „Native Americans“ betroffen seien. Erst kürzlich, durch die Unterstützung von Hollywood-Stars wäre die Öffentlichkeit der Situation gewahr geworden. [1]

Aber was zeigt dieses Bild eigentlich?

Sehen wir uns das Bild doch einmal genauer an:

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Man erkennt am hinteren Rand der Menschenmenge einen sehr berühmten Bühnenaufbau, und das auf Facebook vorgenommene Geotagging des Bildes sollte auch auffallen.




Richtig, es handelt sich um eine Aufnahme des legendären Woodstock-Festivals 1969. Genauer gesagt um das Bild „Aerial View Of Woodstock Festival“ von Barry Z. Levine [2], lizensiert bei Getty Images: http://www.gettyimages.de/license/88031580

Die dort gezeigte Menge ist um Einiges größer, als das wirkliche Protestcamp. Dieses sieht so aus:

Warum wurde dieses Bild in falschem Zusammenhang veröffentlicht?

Eine Prüfung der sogenannten EXIF-Daten des Bildes, wo Kameradaten, Erstellungsdatum und weitere Metadaten hinterlegt sein können, hat ergeben, dass das auf Facebook gepostete Bild keine eingebetteten Geokoordinaten hat, die Facebook dazu veranlassen könnten, die im Post erkennbare Ortsmarkierung „Woodstock, NY, United States“ automatisch hinzuzufügen. Diese Markierung muss also manuell hinzugefügt worden sein.

Dies legt nahe, dass hier absichtlich mit dem Bild „getrollt“ werden soll. Das Profil, das dieses Bild verbreitet, ein „Tyler Eldridge“, ist laut Snopes ein satirisches Profil [3]. In der Tat finden sich dort einige weitere witzige bis satirische Beiträge.

Mittlerweile hat „Mr. Eldridge“ auch noch einmal nachgelegt:

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(Quelle: Facebook, öffentlicher Status)

„Hört nicht auf, dies zu teilen. Die Medien haben mich schon kontaktiert um diesen Post zu entfernen, TEILT ES WEITER. KEINE DAPL [Dakota Access PipeLine, Anm. d. Autors]

Es ist zu vermuten, dass sich der Ersteller hier einen gepflegten Scherz erlauben will und es darauf anlegt, bzw. damit rechnet, dass kaum ein Facebook-Nutzer sich das Bild oder den Post genauer ansieht. Denn dann würde schnell so Einiges an Unstimmigkeiten auffallen, sei es die untypische Landschaft, die ikonische Bühne, die nicht mehr ganz zeitgemäßen Automodelle im Vordergrund – und zuletzt auch die Ortsmarkierung. Und wenn man es genau nimmt, behauptet der Ersteller auch nicht, dass dieses Bild den Protest zeigt, er suggeriert es nur.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal, egal ob dies jetzt die Intention hinter dem Post war oder nicht, wie wichtig es sein kann, einen Beitrag genauer zu untersuchen, zu hinterfragen, bevor man ihn blindlings teilt. Der ironischerweise im Post platzierte  „#StayAware“ sollte also beherzigt werden.

Denn abgesehen davon, dass man in diesem Fall der ernsthaften Protestbewegung unter Umständen einen Bärendienst erweist, indem man falsches Bildmaterial postet, macht man sich selbst gegebenenfalls auch zum Vollpfosten, weil man ein rund 50 Jahre altes Bild von Woodstock nicht erkennt und postet. Unter einigen geteilten Beiträge kann man entsprechend schadenfrohe Kommentare lesen.

Fazit

Das Bild zeigt das legendäre Woodstock-Konzert vom 15.-18. August 1969. Außer der Tatsache, dass die Besucher damals sicherlich auch gegen den Bau der Pipline gewesen wären, hat es mit den Protesten in North Dakota nichts zu tun.

Autor: Rüdiger, mimikama.at

Quellen:

[1] http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/north-dakota-sioux-unterliegen-vor-gericht-wegen-pipeline-bau-14427999.html
[2] http://www.gettyimages.de/detail/nachrichtenfoto/aerial-view-of-the-massive-crowd-in-attendance-at-the-nachrichtenfoto/88031580
[3] http://www.snopes.com/north-dakota-pipeline-protest/

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