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Wieder einmal treibt es mich und ich sitze hier am Kopfende meines Tisches, draußen müht sich soeben die Sonne durch den sonst so, aber nirgendwo so schönen, facettenreich grauen, grauen Herbsthimmel Norddeutschlands.

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Meine Gedanken kreiseln munter um mich herum, stolpern über die Horrorclowns der letzten Wochen, wobei es ja einem derer ohne Maske gelungen ist, allen anderen die Show zu stehlen und jetzt in aller Munde zu sein. Ehe ich dem Gedanken innerlich nacheilen kann, drängelt sich ein anderer in meinen Weg, diverse Neulanddiskussionen erscheinen vor meinem inneren Auge.

Diskussionen, die ich früher geführt habe, mit Freunden über die unterschiedlichsten Kanäle. Seinerzeit zu meiner Zeit, als man noch wusste wo der Freund ist, wenn er am Telefon war, da die Schnur nur eine bestimmte Länge hatte, mei, was war ich stolz als wir das neue Kabel hatten und wir bzw. ich mich zum Telefonieren hinsetzen konnte. Das mag jetzt seltsam anmuten, aber das war zu einer Zeit, als mein Rollstuhl mich noch nicht brauchte uns ich die Welt als Fußgänger mehr schlecht als recht durchschritt. Eine Zeit als rege Diskussionen, am Tisch, am Strand, auf dem Sofa ach die Möglichkeiten waren mannigfaltig man traf sich und redete miteinander über dies und das, Politik, Sport, Jungs über Mädchen und Jungs und Mädchen über Jungs und Mädchen, süß, doof, schnuckelig, rattenscharf oder einfach nur existent.

Das waren noch Zeiten

Eines jedoch zeichnete die Gespräche damals aus – gegenseitige Wertschätzung, egal wie konträr unsere Meinungen waren, wir haben uns nie gegenseitig deswegen beschimpft, die Meinung des anderen verunglimpft oder ihn dafür verbal niedergemacht. Denn in erster Linie waren wir Freunde, oder zumindest gute Bekannte, da war schon eine Menge Respekt für den Anderen mit im Spiel.

Dann taten sich für uns ganz neue Welten auf, wir entdeckten Neuland, Chats und Foren für uns, ja, immer noch damals, wenn aber Neuland heute wieder, oder immer noch Neuland ist, dann muss das worüber ich hier rede sowas wie Alt – Neuland sein. Die ersten dieser neuen Entdeckungen wurden uns von Freunden empfohlen, oder gezeigt, mit denen wir beinahe täglich zu tun hatten und so gab es auch dort keine größeren Ausfallerscheinungen im verbalen Bereich, für alles andere galt die Netiquette, das hat jetzt nichts mit Nett zu tun, mehr mit Net. Schon damals gab es Bereiche in denen mit freier Rede geübt wurde, die Ops wenig bis gar nicht eingriffen und ganz ehrlich, der Unterschied dieser „Kabinengespräche“ zu denen des Herren mit dem wilden Scheitel aus Washington ist dann doch eher marginal. Wir haben uns dann sehr oft gefragt, ob die Herren der Schöpfung zu Hause mit ihren Freundinnen und oder Ehefrauen denselben Ton anschlagen.

Alt – Neuland

Dabei war das Alt – Neuland etwas für Geeks, die breite Maße wusste davon nichts und wollte es auch nicht wissen. In den Channels der Chats wurden Partys organisiert, um sich mal persönlich zu treffen, so fand man wieder direkten Bezug zum Gesprächspartner.

Dann kam Neu – Neuland und die Realitätsflüchtlingswelle schwabbte nach Alt – Neuland, plötzlich wollte alle da hin, wollten dabei sein, Neuland wurde salonfähig und tragbar, nicht zwingend im gesellschaftlichen Sinne, es gibt ja immer noch einige Verweigerer, ich meinte es auch eher im technischen Sinn, die Smartphones, tragbare Telefone mit Bildschirm, deren „Smartigkeit“ oftmals die ihrer Benutzer bei weitem übersteigt, gaben den Weg ins Zeitalter des mobilen Internets frei. Wurden für eine Zeit die tragbaren Telefone immer kleiner, kompakter, wussten mit Gimmicks wie „klappbar“ zu begeistern, wuchsen sie wieder sobald die ersten Touchscreens verbaut wurden, was aber keinen verwundert, der mal versucht hat auf einem 2,5“ Bildschirm mit Wurstfingern in einem 12er Menu Punkt 3 zu treffen.

Da geht noch was

Es kam wie es kommen musste, durch die sozialen Medien entstand Noch – Neuer – Neuland, die totale Überforderung der mentalen Aufnahmefähigkeitskapazitäten der Bundesregierung scheint erreicht, sie sind ja erst bei Neuland, was genau Herr Oettinger da soll, weiß er vermutlich selber nicht genau. Mit den sozialen Medien wuchsen die Listen der sogenannten Freunde auf gewaltige Zahlen, jeder, der mal einen, für den Verwalter der jeweiligen Freundesliste, so empfundenen klugen Satz gesagt, oder eine passende Statusmeldung verfasst hat, wird umgehend mit einer Freundesanfrage beworfen. So sammelt man Menschen um sich, die ähnlich ticken wie der Verwalter der Freundesliste. Anders als in einer Gemeinschaft aus realen Personen ohne virtuelle Schnittstelle, in der die Gruppe aus Freunden und Bekannten durchaus schillernde Personen zulässt und nicht jeder Aspekt des Lebens im Gleichklang schwingt, sind die Gruppen in den meisten Freundeslisten auf Meinungsübereinstimmung ausgelegt.

Chemie geht virtuell nicht

In der realen Gruppe kommt es eher auf die Chemie untereinander an, man kann hervorragend miteinander auskommen, die sprichwörtlichen Pferde miteinander stehlen und muss dennoch nicht immer einer Meinung sein, in einer solchen Gruppe lebt die viel gelobt deutsche Streitkultur ohne, dass die Freundschaft darunter leidet. Diese Freundschaften überdauern jeden Streitsturm egal wie heftig man diskutiert.

In der virtuellen Welt von Neuland geht davon für viele scheinbar etwas verloren, sie fühlen sich unbesiegbar, warum? Nun, durch die Erschaffung einer Liste von Gleichgesinnten bastelt man sich eine eigene Welt, die auch als Filterblase bezeichnet wird. Man „entsorgt“ einfach alle, deren Meinung nicht ins eigene Schema passen und bekommt nur noch Meldungen, die in das eigene mentale Auffassungsvermögen reintropfen dürfen, dadurch verkleinert man aber nicht nur die Menge an Informationen sondern senkt den eigenen Horizont auf knapp über den Gefrierpunkt, die Folge ist eine Art kommunikativer Hirnfrost. Durch die vorsortierte Freundesliste und die damit geschaffene Filterblase, kommen beim Nutzer die Meldungen passend zur Blase an. Egal wie klein die Gruppe in Wirklichkeit ist, man fühlt sich in seiner, eventuell völlig abstrusen, Meinung (z. B. Hohlerde, Flatearth) derart bestätigt, dass man es immer schwerer hat, abweichende Meinungen zuzulassen und nicht gleich von vornherein als Schwachsinn vom Tisch zu wischen.

Blasenverlust

Irgendwie ging durch die Schaffung dieser eigenen Blase eine Eigenschaft verloren, die jeder Mensch ursprünglich mal besaß, die Fähigkeit zu differenzieren, den Gegenüber und seine Meinung nicht als Angriff zu werten, sondern zu akzeptieren und sich mit dem Thema unabhängig von der Person respektvoll auseinanderzusetzen. Etliche haben verlernt, oder nicht verstanden, dass Worte wie „Schwachsinn“, „Unsinn“ etc. kein stichhaltiges Argument für die eigene und gegen die andere These sind. Sie dienen allerhöchstens zur verbalen Herabstufung der Meinung des Gesprächspartners und somit seiner Herabwürdigung und sind ein eindeutiges Zeichen für mangelnden Respekt eben diesem GesprächsPARTNER gegenüber, obwohl das Wortteil Partner eher auf ein Gespräch auf Augenhöhe schließen lassen würde.

Ein gutes Beispiel, neben der Hohl- und/oder (ja das schließt sich nicht vollständig aus, man muss nur die richtigen Quellen miteinander in Verbindung bringen) Flacherde, und nicht komplett vom Boden der Realität entschwebt, dadurch aber auch für jeden verständlich, ist die seit Jahren politisch und polemisch ausgeschlachtete Flüchtlingskrise.

Fast alle haben eine Meinung

Nahezu Jeder hat dazu eine Meinung, man könnte sie grob in drei Teilmengen aufteilen, die, die generell und ohne große Umschweife alle Ankömmlinge mit offenen Armen aufnehmen wollen, die, die die Grenzen am liebsten komplett dicht machen und alle Ankommenden ohne viel Federlesen wieder nach Hause schicken wollen und die, die der Bedrohung im Herkunftsland, sowie anderen Begebenheiten Rechnung tragen wollen und weder pauschal die eine oder andere Lösung anwenden wollen, sie wollen vielmehr die Einzelfälle betrachten und bewerten. Fast alle Teilnehmer an dieser Diskussion entstammen aber aus einer jeweils individuell gestalteten Informationsblase, sie haben also schon für eine ganze Weile keine echte Chance gehabt andere Meinungen zu erfahren, sondern sehen sich und ihre Mitbewohner dieser eigenen Blase (egal wieviele tatsächlich darin wohnen) als die breite Masse der Bevölkerung an, da sie ja keine echte Möglichkeit haben so erkennen, dass um sie herum das Land voll ist mit anderen Filterblasen, sie drehen sich in der ihrigen mit ihren „Freunden“ immer wieder im Kreis und man befeuert sich gegenseitig wie gut und richtig die Meinung innerhalb und wie relevant sie außerhalb der Blase ist. Dabei spielt es wie gesagt keine Rolle wie groß die Gruppe an sich ist. Sie nimmt sich selber als den Nabel der Welt und nur das zählt für die Bewohner der Blase.

Blasensuppe

Gibt man in diese aus vielen Blasen bestehende Blasensuppe jetzt noch ein Thema wie Flüchtlinge und würzt das Ganze mit einer ordentlichen Portion Angst, Vorurteilen, Sozialneid und gibt noch Falschmeldungen sowie Hetze hinzu, lässt es auf kleiner staatlich verordneter Sparflamme köcheln, dann wird es keinen mehr verwundern, warum bei einer Diskussion dazu sofort die Gemüter hochkochen und die Grundlagen einer gemeinsamen, respektvollen Auseinandersetzung in Vergessenheit geraten und man sich, wegen der vorherrschenden Aggression und des Hasses am liebsten mit Schaudern abwenden möchte. Da wird versucht durch übermäßigen Gebrauch des Wortes Gutmensch im Zusammenhang mit teilweise erfundenen Schreckensmeldungen eben diesem Wort „Gutmensch“ einen negativen Beiklang zu geben, während die Diskussionsgegenseite den „besorgten Bürger“ kreiert und diese dann belächelt.

Mit etwas mehr Abstand und Abgeklärtheit würden diese Diskussionen nicht immer in einer verbalen Keilerei enden. So aber hauen alle aufeinander ein, die „Gutmenschen“ die vielleicht gar nicht immer so gut sind, oder auch gerne mal böse wären, werden in ihre Rolle gedrängt, ebenso, wie die „besorgten Bürger“. Eventuell hätte man sich nur mal genauer gegenseitig zuhören sollen, aber das ging nicht alle hatten Blasenprobleme.

EAV bitte jetzt einspielen

So steht der Gutmensch da schaut bedauernd auf den besorgten Bürger, dieser starrt giftig zurück und tief in sich denkt der Gutmensch „einmal möchte ich ein Böser sein“.

Lange hat es gedauert doch schließlich zeigte sich das Schicksal gnädig und gab dem kollektiven Hilferuf nach. Die Rettung kam aus Übersee, so direkt über den Atlantik, dort zeigte das Schicksal, dass es wie kein anderer zum einen den American Way of Life verstanden hat zum anderen aber mit dem allgemeinen Genderwahn nichts am Hut hatte, denn es veranstaltete mit zwei recht betagten Personen ein heterosexuelles Schlammcatchen der dritten Art. Es hatte was vom Dschungelcamp, abgetackelte C-Promis, längst vergesse Sportler und Namen, die einem irgendwie bekannt sein sollen, tummeln sich in einer Hollywood Kulisse im australischen Busch, bekommen Würgreflex fördernden, aber verdaulichen Fraß vorgesetzt und sehen anschließend Sterne, oder müssen von Reis und Bohnen leben. Wäre es nicht spaßig den dort internierten am dritten Tag mit Reis und Bohnen das unbewiesene Gerücht über den chinesischen Plastikreis unterzujubeln?

Catch as Catch can

Zurück zum Schlammcatchen des Schicksals, da standen also zwei Figuren im Ring, beide hätten eine Klage sowohl gegen ihren Friseur als auch gegen den Schönheitschirurgen gewonnen, und bewarfen sich nach allen Regeln der Kunst mit Dreck. Gruben sich gegenseitig in den Vergangenheiten, schlimmer kann ein Rosenkrieg nach 30 Jahren Ehe auch nicht aussehen. Doch damit nicht genug, erst ganz am Ende bewies das Schicksal, dass es die Gutmenschen sehr wohl gehört hatte, nicht etwa, dass das Schicksal die Person zum Sieger kürte, den die Gutmenschen lautstark favorisierten, nein, es gewann die Person, die die Gutmenschen sich insgeheim wünschten.

Das wollten wir so nicht

Ich höre jetzt schon den Aufschrei „Den haben wir uns nicht gewünscht“, doch irgendwie schon, denn jetzt können sie endlich einmal die Argumentationsweise der „besorgten Bürger“ ausprobieren. Mussten sie doch vorher noch die eine oder andere interaktive Onlineausgleichsportart für sich selber entdecken, so hat das Schicksal ihnen jetzt einen beschert, über den können sie mehr herziehen als über ihre bisherigen Themen, sie können wettern und schimpfen und vor allen Dingen können sie jetzt endlich einmal selber die in sich absolut schlüssige Argumentationskette „Schwachsinn“, „Unfug“, „Blödsinn“ gegen ihre Diskussionspartner verwenden, völlig ungeachtet der Tatsache, dass sie sich selber oft genug diesen Argumenten gegenüber sahen, wussten am anderen Ende sitzt ein total verbohrter Mensch und sich die Frage stellten „Lohnt sich diese Diskussion noch?“. Endlich können sie sich auch einmal despektierlich zeigen und fühlen sich verdammt wohl dabei.

Reiberei allerorten

So sind wir Mensch nun einmal, jeder von uns braucht etwas woran er sich reiben kann, sei es, dass er, oder sie, die vegane Ernährung für sich entdeckt hat und jetzt auf eine mehr oder weniger subtile Art und Weise versucht, die Welt entsprechend zu missionieren, oder die Flüchtlinge, die musste man noch nicht einmal selber entdecken, die sind freiwillig erschienen, oder eben den neuen Präsidenten, den man ebenfalls nicht entdecken musste, der war ja nicht zu überhören. Er wurde über Nacht so etwas wie der Flüchtling für Gutmenschen und sie können sich jetzt an ihm reiben.

Wie lange geht das Bashing wohl noch weiter? Vermutlich noch eine ganze Weile, denn schließlich wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem, aber hiermit dann auch von mir *g*.

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