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Ein Statusbeitrag aus dem Jahre 2014 macht soeben vermehrt die Runde auf Facebook! Angeblich können man einen Brief für nur 4 Cent versenden. Dazu müsse man nur die Postleitzahl des Empfängers in eine eckige Klammer [PLZ] – sowie unter diese folgende Worte: “non domestic F.R.G.” schreiben.

Also Porto klebt man dann 2x 0,02 EUR Briefmarken und setzt darunter Datum und seine Unterschrift. Der erwähnte Statusbeitrag sieht auf Facebook so aus:

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Quelle: Öffentlicher Statusbeitrag

im Detail:

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Funktioniert das wirklich?

Bereits im Jahre 2014 hatten wir einen ähnliche Fall.  Die „Neue OZ – Osnabrücker Zeitung“ veröffentlichte am 23. Mai 2014 einen verwirrenden und inhaltlich leider widersprüchlichen Artikel mit der sensationellen Überschrift „Briefe für vier Cent in Meppen zugestellt“. Wir haben uns damals bereits zu diesem Fall mit der Deutschen Post in Verbindung gesetzt und haben folgende, sehr eindeutige, Antwort bekommen:

„Das ist ausgesprochener Unsinn und funktioniert so auch nicht“!

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Das im Internet kursierende Gerücht, wonach laut Weltpostvertrag Briefe auch dann befördert würden, wenn sie nur mit 3 oder 4 Cent frankiert sind, entspricht nicht den Tatsachen. Der WPV besagt gar nichts über nationale Preise und Tarife, sondern regelt ausschließlich die Endvergütungen für grenzüberschreitende Sendungen. Dabei regelt der WPV die Vergütungen zwischen Postunternehmen, nicht die Preise für die Kunden/Absender.

Selbstverständlich gelten beim Versand von Briefen über die Deutsche Post unsere regulären – von der Bundesnetzagentur regulierten – Briefpreise, d.h. beispielsweise 60 Cent für den Standardbrief innerhalb Deutschlands bzw. 75 Cent für den internationalen Standardbrief. Ist ein Brief unterfrankiert, kann die Deutsche Post die Annahme verweigern oder die Sendung zurückgeben bzw. zur Abholung bereithalten oder ohne Benachrichtigung des Absenders befördern. Dafür wird ein Nachentgelt berechnet (=fehlendes Porto + Einziehungsentgelt, das derzeit 51 Cent pro Sendung beträgt).“

Warum aber funktioniert es dann bei einigen, die den Test gemacht haben?

„Auch die Post rät, sich nicht darauf zu verlassen, dass ein Brief ohne Folgen zum Empfänger kommt. „Die Mitarbeiter achten darauf, dass jede Sendung ausreichend frankiert ist“, sagt Pressesprecher Martin Grundler. Ist dies nicht der Fall, müsse der Empfänger für die Nachzahlung von 56 Cent aufkommen. Verweigert dieser die Annahme, geht der Brief an den Sender zurück.“

„So weit die Theorie – trotzdem kam unser Vier-Cent-Brief an. Dass bei 64 Millionen Briefen, die täglich deutschlandweit zugestellt werden, auch mal ein paar schwarze Schafe dabei sind, bei denen das Porto nicht kontrolliert wurde, schließt Post-Pressesprecher Grundler nicht aus. Das sei jedoch nicht die Regel, weshalb die Menschen davon Abstand nehmen sollen. Auf den Weltpostvertrag von 1891 kann man sich übrigens ohnehin nicht berufen, denn das ist laut Grundler eine Vereinbarung zwischen weltweiten Postgesellschaften, deren unterschiedliche Leistungen in einem System entgeltlich ausgeglichen werden. Zudem ist die Version von 1891 nicht mehr aktuell, denn sie wurde mehrmals angepasst.“ (Artikel SHZ: Freude im Netz: Vier-Cent-Briefe kommen an)

Damit wäre das Thema an dieser Stelle auch schon beendet!

Wer Lust hat, darf dennoch weiterlesen…

Denn der Protagonist aus Meppen (Artikel 2014-Neue OZ – Osnabrücker Zeitung hat eine ganz eigene Erklärung dafür gefunden, warum seine Briefe trotz des eigentlich zu geringen Portos angekommen sind. Nach seinen Recherchen im Internet begründet sich dies daraus…

„… dass sich der Brieftarif durch ein Abkommen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Weltpostverein UPU aus dem Jahr 1875 sowie dem Reichspostgesetz von 1871 ergibt, in dem die Portokosten in dem damaligen Deutschland festgeschrieben waren.

Es wird behauptet, die Bundesrepublik Deutschland wäre immer noch kein souveräner Staat, und es gelten völkerrechtlich immer noch die Gesetze des Deutschen Reiches, da es immer noch existiere, aber durch eine fehlende Regierung und deren durchführende Organe handlungsunfähig sei. (…) Die Bundesrepublik Deutschland ist seit 1954 Mitglied im Weltpostverein, das Deutsche Reich war bzw. ist es aber eben seit 1875. (…) Das bedeutet für die Deutsche Bundespost, entsprechend gekennzeichnete Briefe für ermäßigtes Porto zu befördern.“

Die Bundesrepublik Deutschland existiert gar nicht als Staat?

Es gilt noch das Recht des Deutschen Reichs?

Die Osnabrücker Zeitung bezeichnet dies zaghaft als „eine Art Verschwörungstheorie“. Beschäftigt man sich hiermit etwas, stellt man schnell fest, dass das Internet voll von Seiten ist, auf denen die oben genannten Behauptungen aufgestellt werden. Auf solche Seiten wird wohl auch der Mann aus Meppen gestoßen sein.

Soweit man die von ihren Verfechtern, die sich oft „Reichsbürger“ nennen, über komplizierte rechtliche Interpretationen und „Beweise“ aufgebauten Theorien überhaupt in Kürze zusammenfassen kann, geht es darum, dass angeblich

  • nach dem II. Weltkrieg nie ein gültiger Friedensvertrag zwischen Deutschland und den Alliierten zustande gekommen ist,
  • es keinen Nachweis gibt, dass die BRD Rechtsnachfolgerin des vorhergehenden Staates geworden ist,
  • das Grundgesetz keine Verfassung ist

und wir damit letztlich eben nicht in einer Bundesrepublik Deutschland leben, sondern es sich bei der BRD nur um ein Konstrukt der Siegermächte (oder anderer, geheimer Weltenlenker) handelt, um die Deutschen in einer „BRD GmbH“ zu verwalten.

Einige der Verfechter haben als Reaktion darauf sogar eigene „kommissarische Reichsregierungen“ gegründet .

Unserer Meinung nach erscheint es kaum plausibel, den Status der BRD als Staat und die deutsche Rechtsordnung nach dem inzwischen 65-jährigen Bestehen des Grundgesetzes noch anzuzweifeln. Zudem gibt es gibt es viele Stellen und Menschen, die sich an den Gegenbeweis gemacht haben:

  • Auf dieser Seite werden diese Theorien ausgiebig mit vielen Verlinkungen dargestellt und hinterfragt.
  • Eine intensive Auseinandersetzung der Behauptungen von „Das Grundgesetz ist keine Verfassung“ bis zu „Merkel ist Geschäftsführerin der BRD GmbH“ findet ihr auch auf dieser Seite.

Wir selbst können und wollen hier nicht auf alle Argumente und Gegenargumente zur Reichsbürgerbewegung eingehen.

Im Ergebnis erscheint es uns wie so häufig so, dass sich die Anhänger von Verschwörungstheorien durch nichts auf der Welt von ihrem Glauben abbringen lassen. Gegenteilige Argumente oder Beweise werden umgedeutet. Immer weitere Verschwörungen werden erdacht, um die eigene Idee aufrechtzuerhalten – lediglich Umstände, die für die Theorie sprechen, werden akzeptiert.

Und so wird eben die Tatsache, dass manche Briefe offenbar trotz zu geringen Portos ankommen, gerne als Beweis für die Reichsbürger-Theorie genommen, statt zur einfacheren Lösung zu greifen: nämlich dass der Aufwand, jeden unterfrankierten Brief an den Absender zurück zu senden, für die Post offenbar zu hoch ist.

Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

„Das Weltbild der Menschen, die an eine Verschwörungstheorie glauben, ist oft simpel und gehorcht der Einteilung in Gut und Böse. Hinter einem schrecklichen Ereignis wird eine böse Macht vermutet, die für alles verantwortlich ist.“ (planet wissen)

Unsere Welt ist kompliziert. Dennoch suchen viele Menschen nach einfachen Erklärungen und einem Sinn, warum etwas geschehen ist. Solche – zunächst simplen – Erklärungen („SIE waren es!“) bieten Verschwörungstheorien, weswegen sie manchmal wie ein moderner Ersatz für Religionen wirken oder funktionieren.

Verschwörungstheorien werden dann umso gefährlicher, wenn deren „Anbieter“ sich ihrer bewusst bedienen, um damit Unterstützer für ihre eigenen Ziele um sich zu sammeln. So schreibt der Verfassungsschutz Brandenburg :

„Sicherlich ist nicht jeder ‚Reichsbürger‘ automatisch als Rechtsextremist zu betrachten. Doch die ideologische Nähe und die ideologischen Gemeinsamkeiten zwischen ‚Reichsregierungen‘ und Rechtsextremisten liegen offen.“

Im obigen Text sind eine Vielzahl von Links eingebettet, unter denen ihr euch weiter über das Thema informieren könnt. Bildet euch aus möglichst vielen und unterschiedlichen Quellen eine Meinung!