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Wir befinden uns in der Zeit um die Jahrtausendwende…

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Es ist lange vor der Zeit von Facebook, YouTube, Twitter & Co. Eine Zeit, in der man noch mit AltaVista gesucht hat, wo ein Pentium III mit 750 MHz und 512 MB Arbeitsspeicher schon eine richtige Höllenmaschine war, und wo ISDN für Highspeed-Internet stand, weil DSL noch nicht bezahlbar war, wenn es denn überhaupt schon verfügbar war.

In einem kleinen Dorf in der Eifel in der Nähe von Trier flimmert auf dem Bildschirm in Photoshop ein bekanntes Motiv eines Filmplakats: Krieg der Sterne, Episode V – Das Imperium schlägt zurück. Ein Kultfilm, der ein ganzes Genre geprägt hat.

Textelemente werden fein säuberlich entfernt, der Hintergrund ergänzt, neue Ebenen erstellt; präzise wird ein neuer Text eingesetzt, die Schriftgröße geändert, Effekte darübergelegt, alles nahtlos eingepasst – Fertig.

Die Worte, die nun das Plakat zieren, sind ein in diesem Kontext lustig klingendes Gemisch aus Eifeler Platt, Trierer Platt und ein wenig Lëtzebuergesch. Die beiden Künstler, die das Werk nun zufrieden betrachten, sind Jens und Thomas, beide in der Ausbildung zum Mediengestalter.

„Krich der Sterne
Episud Finef
Dat Imperium knippelt retour“

ist nun dort zu lesen.

Die beiden Photoshop-Artisten sind nicht nur angehende Mediengestalter, sondern auch ziemliche Filmnerds.

Ein Hobby der beiden ist es, Filmtrailer in Mundart neu zu vertonen und aus Filmplakaten entsprechende „Mundart-Versionen“ zu basteln.

In Jens‘ damaligem Blog auf www.koreatabs.de würde auch dieses Kunstwerk einen Platz finden. Facebook gab’s ja noch nicht. Damals war alles noch etwas entschleunigter: Ein hochgeladenes Bild in einem Blog konnte nicht sofort hundert- und tausendfach geteilt werden; worin denn, und mit wem auch?

Und kreativ waren die beiden durchaus…

image

(Auf das Bild klicken für eine größere Version)

Die Zeit ging ins Land…

Und auch wenn das Blog mehrfach umgezogen ist oder neu aufgesetzt wurde, so wurden doch jedes Mal die alten Blogeinträge mit kopiert, das Bild blieb im Netz. Bis jetzt noch relativ unbemerkt. Niemand hatte bisher das Bild auf Pinterest gepinnt oder auf Tumblr geteilt – das gab’s ja damals beides auch noch nicht.

Aber etwas anderes passierte in dieser Zeit. Etwas, was den Lauf der Geschichte dieses Bildes (und vieler Milliarden und Abermilliarden anderer Bilder auch) entscheidend beeinflussen sollte: Eine kleine Suchmaschine namens „Google“ wuchs immer rasanter und dominierte bald das Internet in Suchbelangen. Und sie tat noch etwas: Sie brachte eine Bildersuche mit, und hat daher die im Netz gefunden Bilder indexiert. Und damit wurde der Grundstein für alles gelegt, was dann folgte…

Years in the making…

Irgendjemand stieß anscheinend irgendwann auf dieses Bild und hat sich entsprechend amüsiert. So sehr, dass er es verbreitet hat. Wann genau das war, kann jetzt niemand mehr sagen, aber bereits 2006 kam Jens und Thomas zu Ohren, dass Leute aus der Kölner Gegend dieses Bild, oder auch andere Mundart-Filmplakate gesehen hatten, und fest davon überzeugt waren, diese würden in Luxemburg wirklich so hängen. Leider wurde irgendwann im Laufe des Weiterverbreitens auch die Signatur, bzw. der Domainhinweis auf koreatabs.de entfernt. Wäre dieser noch intakt gewesen, wäre es naheliegend gewesen, dass dies kein offizielles Werk, sondern eine digitale Eigenkreation ist.

Im Laufe der Jahre zog es immer weitere Kreise: Immer mal wieder stießen die beiden auf irgendwelche Erwähnungen dieses Bildes oder stolperten sogar in dem Buch „Millionärswissen“, einem Kompendium über unnützes Wissen, auf die Aussage:

Der Star Wars-Film Das Imperium schlägt zurück heißt auf Luxemburgisch »Dat Imperium knippelt Retour«

Von Luxemburg nach Holland…

Wann diese „Reise“ genau statt fand, lässt sich ebenfalls nicht mehr nachvollziehen. Somewhere along the line. Hier geteilt, retweetet; da gepint, hier gespeichert und dort wieder hochgeladen. Der Weg dieses Bildes war weit. Mindestens einmal im Jahr tauchte es, oder auch nur der Satz selbst, irgendwo auf… bis eines Tages in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ vom 26.11.2015 der Komiker Kaya Yanar diesen Satz den Niederländern zuschrieb.

Wahrscheinlich war das Imperium aber schon einige Zeit früher im Land der Tulpen und Windmühlen angekommen. Auf jeden Fall war nach dem „Stille-Post-Prinzip“ aus dem knippeln mittlerweile ein knibbeln geworden

Es muss für die beiden spannend gewesen sein, zu sehen, wie aus einem Bild, das aus Jux und Dollerei vor damals schon 15 Jahren (!) entstand, jetzt auf einmal ein Gag eines bekannten Komikers geworden war. Jens sagte uns im Interview: „Das war auf jeden Fall eins der größeren Beben. […] Wir hatten all die Jahre auch immer drüber geschmunzelt und haben nichts gesagt. Mythos ist ja auch fein.“

Und dann kamen die Twitterperlen…

Nachdem die Facebook-Seite „Twitterperlen“ den Tweet des Nutzers HerrVanBohm in Form eines Textbilds geteilt hatte, nahm die Geschichte wieder Fahrt auf.

Das Bild tauchte im Newsfeed eines Mimikama-Mitarbeiters auf, der die Aussage, es handle sich um Niederländisch, nicht glauben konnte – es müsste auf jeden Fall „Het Imperium“ heißen.

Aus einer kurzen Google-Suche, die ursprünglich nur aus rein privatem Interesse begann, wurde eine längere Recherche. Immer mehr Informationen fanden sich, neue Fragen tauchten auf. Eine fotoforensische Analyse ergab eindeutig, dass der Text nachträglich geändert wurde. Es wurde immer spannender…

Und da jetzt schon mal gefühlte 378 Browser-Tabs offen waren, konnte man doch das Ergebnis einfach mal zusammenfassen. Unser Artikel über den Krieg der Filmtitel entstand.

Sowohl der Post von Twitterperlen, als auch unser Artikel erreichten einen der Ersteller von damals.

Ein Freund von ihm hatte dann angeregt, ob es nicht endlich mal aufgelöst werden sollte. „Euer Artikel kam direkt danach… und da hab ich Bauklötze gestaunt“, so erzählte uns Jens, „was man sich da alles zusammenreimt.“

Und so bekam ich heute, gut 17 Jahre nachdem das Plakat in einem kleinen Dorf in der Eifel das Licht der digitalen Welt erblickte, eine Nachricht auf Facebook mit dem Text:

Sorry, dass ihr wegen dem StarWars-Poster so einen Huddel hattet. Hätten wir damals gewusst, welche Kreise das zieht, hätten wir ein Patent drauf angemeldet. 😉 Grüße vom damaligen Pixelknecht.

Ich stutzte zunächst. Konnte das denn sein? Naja, die Wege des Internets sind halt unergründlich…  Ich schrieb zurück.

Es folgte eine unterhaltsame Konversation mit allen Beteiligten, und dieser Artikel entstand, der eine Geschichte erzählt, die sich über mehr als eineinhalb Jahrzehnte erstreckt und nicht nur das Netz erheitert, sondern auch ihren Weg auf die Comedy-Bühne und ins Fernsehen geschafft hat.

Und in eigener Sache möchte ich an dieser Stelle noch festhalten, dass dies auch einer der Gründe ist, warum ich mir gerne und immer wieder meine Freizeit mit Recherche und Artikeln für Mimikama um die Ohren schlage: Weil man nie weiß, ob man nicht doch etwas erreichen kann, womit man vielleicht gar nicht gerechnet hat. Weil man nie weiß, welchen Leuten man begegnet, welche Geschichten man erfährt – und ob man vielleicht in manchen Fällen sogar wirklich konkret helfen kann. Und weil es einfach Spaß macht.

Fazit

Nun, in den Niederlanden sagt man het imperium slaat terug, soviel ist klar.

In Luxemburg heißt es D’Imperium schléit zréck.

Und in einem lustigen Kauderwelsch von Eifeler und Trierer Dialekt knippelt es auch retour.

Und die beiden damals angehenden Mediengestalter, die dieses Plakat seinerzeit erstellt haben, sind auch nach dieser ganzen Zeit immer noch befreundet – und immer noch Filmnerds. Das bleibt man nämlich immer… 😉

In diesem Sinne…

Autor: Rüdiger