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Leidest Du auch an "WhatsAppitis"?

Leidest Du auch an „WhatsAppitis“?

Von | 15. Januar 2020, 14:32

WhatsAppitis: Fluch oder Segen – Wie verändert uns das Smartphone?

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WhatsAppitis! Bitte was? Ja, WhatsAppitis. Hierbei handelt es sich quasi um eine Volkskrankheit. Viele möchten ihr Handy gar nicht mehr weglegen. Doch dies hat möglicherweise ernsthafte Folgen für Gesundheit, Schlaf und Konzentration.
Im Schnitt verbringt ein deutscher Smartphone-Nutzer täglich mehr als zwei Stunden am Handy. Sogar 41 Prozent sehen bereits in den ersten 15 Minuten nach dem Aufstehen auf ihr Handy. 38 Prozent versuchten bereits, ihren Handy-Konsum einzuschränken, was allerdings nur zwei Prozent schafften.

Diese Zahlen aus der Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens Deloitte von 2017 zeigen, dass das Smartphone ständiger Begleiter vieler Menschen ist. Man ist permanent dabei, Nachrichten zu schicken, zu telefonieren, zu spielen, Musik zu hören, sich informieren, sich orientieren, Fotos machen, … – diese Liste kann unbegrenzt fortgesetzt werden. Dass dies enorm viel Zeit in Anspruch nimmt, ist wohl jedem von uns bereits bewusst geworden. Man möchte nur kurz eine Nachricht beantworten und hat das Smartphone zehn Minuten später immer noch in der Hand.

Hohe Aufmerksamkeit für Apps

Doch warum hat man ständig das Verlangen, auf sein Handy zu schauen? Viele Apps, vor allem im Social Media Bereich, sind so programmiert, dass wir möglicht viel Zeit für sie aufbringen. Zu großen Teilen ist diese Zeit nämlich Geld wert. Viele Geschäftsmodelle sind so gestaltet, dass Werbung verkauft wird. Und je mehr Werbung wir sehen, umso besser ist es für die App-Betreiber.

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Die Social Media Riesen wie Facebook, Instagram und Co locken uns natürlich auch noch mit anderen Goodies. Wir alle kennen das gute Gefühl, Likes für einen Beitrag oder ein Foto zu erhalten. Unser Gehirn schüttet dann das Glückshormon Dopamin aus, der Ablauf ist vergleichbar damit, was passiert, wenn wir Lob erhalten. Somit lernt unser Gehirn nach und nach, dass ein bestimmtes Verhalten Glückshormone produziert. Es entsteht ein Verlangen nach mehr davon.

„Um die Zeit, die wir mit unseren Geräten verbringen, zu maximieren, manipulieren ihre Designer unsere Gehirnchemie mit Methoden, die dafür bekannt sind, Suchtverhalten zu verursachen“, schreibt die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Catherine Price in ihrem Buch „How to break up with your Smartphone“.

Doch nicht nur das klingt schaurig. Man möchte doch nicht manipuliert werden.
Die ständige Nutzung von Smartphones, das permanente Checken von Benachrichtigungen, kann auch auf andere Weise zu gefährlichen Situationen führen. In Werner Herzogs Dokumentation „From one second to the next“ (im Netz frei zugänglich) geht es um Verkehrsunfälle, die nur passierten, weil Autofahrer während der Fahrt Nachrichten lesen oder schreiben.

Handy als Unfallursache

Wieviele Unfälle durch die Handynutzung am Steuer tatsächlich verursacht werden, kann man nicht sagen, da es schwer nachzuweisen ist, dass dies der Grund für den Unfall war, gibt ein Sprecher der Berliner Polizei, Stefan Petersen, an. 2018 konnte man in nur 38 Fällen tatsächlich nachweisen, dass durch die Nutzung des Handys ein Unfall verursacht wurde. Allerdings wurden 2018 beinahe 21.000 Vekehrsordnungswidrigkeitsverfahren im Zusammenhang mit verbotener Nutzung elektronischer Geräte eingeleitet.

Psychologen der TU Braunschweig wiederum stellten bei der Beobachtung einer Autobahnabfahrt fest, dass fast jeder zehnte Fahrer das Smartphone am Steuer benutzten.

Die andere Seite der Medaille ist natürlich: Passiert ein Unfall, ist es weitaus einfacher, Hilfe zu holen, seitdem es Handys gibt.

Die Sache mit der elektromagnetischen Strahlung

So alt wie die Geschichte der Handys ist auch die Frage nach der elektromagnetischen Strahlung und ob diese denn gesundheitsschädlich sei. Eine klare Antwort erhält man dazu bis heute nicht. Eine unklare Antwort lautet: „Eher nicht.“

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In einer von der US-Regierung finanzierten Studie konnte nachgewiesen werden, dass bei männlichen Ratten hohe Dosen von UMTS- und 2G-Frequenzen Herztumore auslösen können. Derartige Tumore sind bei Menschen selten und wurden, seit es Handys gibt, scheinbar auch nicht häufiger. Trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Handys doch Tumore begünstigen könnten. Zu LTE und 5G gibt es kaum noch abgeschlossene Forschungsprojekte. Zu neu sind diese Standards. Dass 5G sehr bedenklich sein könnte, bestätigen Hinweise aus Experimenten.

„Whatsappitis“ – Sehnenscheidenentzündung 2.0

An der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat man Studien ausgewertet, die Zusammenhänge zwischen Handynutzung und Haltungsschäden sowie Schmerzen behandeln. Das Ergebnis zeigt, dass intensive Handynutzung sehr wohl das Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankung erhöht. Darunter fällt auch die „Whatsappitis“, eine Sehnenscheidenentzündung des Daumens.

„Die fortgesetzte Daumenbewegung in Richtung kleiner Finger strengt an und führt zu Schmerzen im daumenseitigen Handgelenk“, so die Diagnose des Facharztes.

Das einhändige Bedienen des Smartphones verlangt von unseren Daumen zu viel. Für die ständige Dehn- und Abspreizbewegungen ist dieser einfach nicht ausgelegt.

Neben der Whatsappitis scheint das Smartphone ein wahrer Schöpfer von neuen Krankheitsmustern zu sein: Handynacken, Handyellenbogen, die No-Mobile-Phone-Phobia (Nomophobie), die Smartphone-Akne oder auch die iPhone-Schulter zählen hier dazu. Als mittlerweile nachgewiesen gilt, dass die spätabendliche Handynutzung das Einschlafen und auch die Schlafqualität negativ beeinträchtigt. Dafür sorgt der hohe Blauanteil der Displays, durch den die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin gehemmt wird.

Suchtfaktor Smartphone

Allein der Fakt, dass viele selbst im ohnehin nicht gefahrfreien Straßenverkehr offenbar nicht anders können, zeigt, dass auch Sucht im Spiel ist. Spätestens, seitdem das Handy so vielseitig wie ein Mini-Computer genutzt wird, sehen Experten eine Zunahme von Online-Sucht. In der Pinta-Studie („Prävalenz der Internetabhängigkeit“) kam man zu dem Ergebnis, dass vor allem junge Menschen gefährdet sind. Auch viele Eltern fürchten bereits, ihre Kinder könnten süchtig nach dem Smartphone und seinen Features sein.

Handynutzung in Schulen

Eine schwierige Frage, wie man mit Smartphones in der Schule am besten umgeht. In Deutschland gibt es nur in Bayern ein Handyverbot im Unterricht und in den Pausen. Smartphones dürfen hier nur im Einsatz sein, wenn sie für die Lehreinheit benötigt werden. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Direktor an einem bayrischen Gymnasium gibt allerdings zu bedenken, dass sich das Handyverbot praktisch kaum durchsetzen kann. Die Geräte werden von den Schulen nicht eingesammelt, so schalten viele Schüler ihre Handys nur auf lautlos. Zu oft ist die Verleitung dann zu groß, und zumindest ein kurzer Blick auf das Smartphone ist ja schnell mal gemacht. Meidinger zitiert eine US-Studie, nach der auch stumm geschaltete Handys 30 Prozent der Aufmerksamkeit von Jugendlichen beansprucht.

Schlechtere Noten durch mehr Handynutzung?

Deutschland belegt mit der durchschnittlichen täglichen Online-Zeit auf Smartphones und Tablets weltweit den neunten Platz. Führend ist Brasilien mit durchschnittlich fünf Smartphone-Stunden pro Tag. Aus Brasilien stammt auch eine Studie, die herausfand, dass pro 100 Minuten Smartphone-Nutzung täglich die schulischen Leistungen um 6,3 Prozent schlechter würden.

Massive Ablenkung durch Handys

Menschen, die sehr viel Zeit an ihrem Smartphone verbringen, haben folglich weniger Zeit für echte Interaktionen mit anderen Menschen. Das „echte“ soziale Leben wird hintenangestellt, so scheint es oft normal zu sein, dass ein Anruf oder eine Nachricht am Handy priorisiert behandelt wird und man ein „echtes“ Gespräch einfach unterbricht.

Psychologen haben festgestellt, dass Menschen durch ihr Smartphone sehr oft abgelenkt sind und nur dahin ihr Fokus gezogen wird. Der „Handy-Lifestyle“ macht generell ablenkbarer. So scheint es für viele Menschen immer schwieriger zu werden, sich länger als ein paar Sekunden auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren.

Quelle: tagesspiegel.de
Artikelbild: Shutterstock / Rvector / DimaBerlin
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