Whatsapp-Sprachnachricht mit falschen Informationen zum Coronavirus

WhatsApp-Sprachnachricht mit falschen Informationen zum Coronavirus

Von | 1. April 2020, 14:10

In einer elf Minuten lange Sprachnachricht stellt eine Frau zahlreiche falsche Behauptungen über das Coronavirus auf

WhatsApp-Sprachnachricht mit falschen Informationen zum Coronavirus – Das Wichtigste zu Beginn:

Vitamin D, Triage, 5G, künstlich gezüchtetes Virus etc. – Aktuell kursiert eine Sprachnachricht auf WhatsApp, die Falschinformationen zum Coronavirus verbreitet. Die Behauptungen wurden geprüft und größtenteils als falsch nachgewiesen.

Sprachnachricht strotzt vor Falschinformationen

Das Coronavirus sei nicht natürlichen Ursprungs, Vitamin D-Mangel und 5G-Mobilfunkstrahlen seien schuld, sehr alte Patienten würden nicht mehr behandelt. – Eine unbekannte Frau berichtet einer Bekannten namens „Claudi“ von ihren Erkenntnissen zum Thema Coronavirus. Sie hätte diese Informationen bei ihrer Arbeit in einer alternativmedizinischen Zahnklinik in der Schweiz bekommen und bittet auch darum, den Blog der Klinik „swiss-biohealth.com“ zu lesen.

Die Klinik selbst weist auf deren Website auf die Fake-Nachricht hin und distanziert sich von dieser Meldung:

„Fake News im Zusammenhang mit SBH
Derzeit kursieren Fake-News in Form einer Sprachnachricht, welche angeblich in unserem Namen verbreitet werden oder unsere Meinung widerspiegeln sollen. Wir distanzieren uns von allen News, welche subjektive Meinungen im Zusammenhang mit der Swiss Biohealth AG oder SDS Swiss Dental Solutions AG zum Inhalt haben.“

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Die Behauptungen der Frau wurden von Correctiv überprüft.

Vitamin D-Mangel

1. Behauptung: Alle schwerkranken COVID-19-Patienten wiesen einen Vitamin D-Mangel auf. Darum sollte man hohe Dosen von Vitamin D und Vitamin C einnehmen.

Die Frau gibt an, dass eine Behandlung mit Vitamin D, Vitamin C und Kortison das „Immunsystem hochziehen“ würde. Somit hätte man eine Chance, eine Infektion mit dem Coronavirus zu überleben. Jeder sollte Vitamin D einnehmen – „mindestens die dreifache empfohlene Tagesdosis“.
Diese Hinweise sind irreführend und vermitteln falsche Hoffnungen!

Recherchen ergaben, dass es keine Erkenntnisse darüber gibt und somit nicht nachweisbar ist, dass schwer kranke COVID-19-Patienten einen Vitamin D-Mangel gehabt hätten.
Correctiv hat beim Bundesinstitut für Risikobewertung nachgefragt:

„Da SARS-CoV-2 erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es keine Studien, die untersucht haben, ob eine Vitamin-D-Supplementierung vor einer Infektion mit diesem Virus schützt. Fallberichte weisen darauf hin, dass die chronisch sehr hohe Einnahme von Vitamin-D über Präparate ohne ärztliche Kontrolle gesundheitliche Risiken bergen kann.“

Am 25. März wurde von zwei Wissenschaftlern der Universität Turin ein Papier veröffentlicht, in dem sie darauf hinweisen, dass Vitamin D möglicherweise zur Vorbeugung von COVID-19 helfen könnte. Jedoch bezieht sich das nicht auf die Behandlung der Krankheit.
Die WHO kam bei älteren Forschungsarbeiten zu dem Schluss, dass Vitamin D bei Kindern und Jugendlichen das Risiko von Atemwegserkrankungen verringern kann. Jedoch erhält man auch hier den Hinweis, dass kleine Dosen wirksamer und sicherer sind als einzelne hohe Dosen.
Das Robert-Koch-Institut bestätigt, dass Vitamin D-Mangel in Deutschland recht verbreitet ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass Menschen aufgrund eines solchen Mangels an COVID-19 erkranken würden.

Laut WHO gibt es bisher kein Heilmittel und auch keine Impfung gegen das Coronavirus. Vitamine unterstützen grundsätzlich dabei, das Immunsystem zu stärken, jedoch sollte man auf die Dosierung achten.
Die Verbraucherzentrale gibt aktuell sogar eine Warnung aus, zu hohe Dosen an Vitamin D einzunehmen, da es kein Nahrungsergänzungsmittel gibt, das Erkrankungen an SARS-CoV-2 verhindern könnte.
Das BfR rät, die Dosis unter 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag zu halten. Die Obergrenze von 100 Mikrogramm pro Tag sollte keinesfalls überschritten werden, da sonst Nebenwirkungen wie Nierensteine oder Nierenverkalkung auftreten könnten.

Kinder vor COVID-19 sicher

2. Behauptung: Kinder sind „außen vor“, da sie die Rezeptoren, an denen sich die Viren ansetzen, noch nicht entwickelt hätten.

Offensichtlich erkranken Kinder seltener an COVID-19. Jedoch gibt es keinerlei Belege dafür, dass der Grund nicht entwickelte Rezeptoren seien.

Das RKI informierte: „Bisherigen Daten zufolge ist die Symptomatik von COVID-19 bei Kindern deutlich geringer ausgeprägt ist als bei Erwachsenen. Zum tatsächlichen Beitrag von Kindern und Jugendlichen an der Transmission in der Bevölkerung liegen keine Daten vor. Aufgrund der hohen Kontagiosität des Virus und dem engen Kontakt zwischen Kindern und Jugendlichen untereinander erscheint es jedoch plausibel, dass Transmissionen stattfinden.“
Lothar Wieler, Präsident des RKI, sagte in einer Pressekonferenz: „An COVID-19 können alle Menschen in Deutschland erkranken, unabhängig vom Alter und unabhängig vom Gesundheitszustand […].“ Auch jüngere und gesunde Menschen könnten sehr schwer erkranken oder sterben, fuhr er fort.

Einer kürzlich veröffentlichten, aber noch nicht abschließend bewerteten Untersuchung von 391 SARS-CoV-2-Erkrankungen in Shenzhen, China, nach sei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Kindern genauso hoch wie bei Erwachsenen. Dasselbe Ergebnis brachte eine Auswertung von Fällen in China im Journal „Pediatrics“. Klinische Manifestationen der COVID-19-Fälle bei Kindern war generell weniger schwer als bei Erwachsenen, trotzdem seien junge Kinder, vor allem Kleinkinder, anfällig für eine Infektion.

James Diaz, Professor an der New Orleans School of Public Health vermutet laut einem Artikel der „Science Daily“, dass Kinder weniger ACE2-Rezeptoren in den unteren Atemwegen haben, und sie darum seltener schwer erkranken.
Medienberichten zufolge wäre auch möglich, dass Kinder häufiger verschiedenen Coronaviren ausgesetzt sind oder ihr Immunsystem bei einer Infektion nicht so leicht Überreaktionen zeigt.

„Gezüchtetes“ Coronavirus

3. Behauptung: Das aktuelle Coronavirus ist eine Mutation, die nicht natürlich entstanden ist.

Laut Aussagen der Frau in der Sprachnachricht bestätigte das RKI eine „unnatürliche Mutation“. Eine waghalsige Spekulation, für die es keinen Beleg gibt. Auch im RKI-Steckbrief zu SARS-CoV-2 ist nichts davon zu finden.

Das RKI gab bei einer Konfrontation mit dieser Aussage an, dass „keinerlei Evidenz“ vorliege. „Aufgrund der bisherigen Datenlage vermutet man, dass SARS-CoV-2 aus einem Fledermaus-Coronavirus hervorgegangen ist.“

Verschwörungstheorien würden nur Angst, Gerüchte und Vorurteile schüren.
Zahlreiche Wissenschaftler, unter ihnen auch der deutsche Virologe Christian Drosten, haben im Februar ein Statement im Journal „The Lancet“ veröffentlicht, dass derartige Theorien haltlos seien.

„Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben das Genom des Virus SARS-CoV-2 analysiert und veröffentlicht, und sie kommen mit überwältigender Mehrheit zu dem Schluss, dass dieses Coronavirus seinen Ursprung in der Natur hat, wie so viele andere Erreger“, lautet es in besagtem Artikel.

Von den Wissenschaftlern wurden mehrere Studien als Quellen gelistet. Außerdem fordern sie dazu auf, ihr Statement mit einer Online-Unterschrift zu unterstützen. Die Petition wurde bereits mehr als 18.600 Mal unterzeichnet.

Virus unabhängig von Temperatur

4. Behauptung: Das Virus ist nicht wärmeempfindlich, eine Abnahme der Infektionen im Frühjahr und Sommer wird es nicht geben.

Wärmeres Wetter, bezieht man eine mögliche „Temperaturempfindlichkeit“ nur auf das Wetter, wird das Virus nicht stoppen, so die Prognose von Experten. Auch die WHO hat darauf hingewiesen, dass sich das Coronavirus auch in heißem, feuchten Klima ausbreiten kann.

Professor Marc Lipsitch, Center for Communicable Disease Dynamics (Harvard T.H. Chan School of Public Health), weist in einem Artikel darauf hin, dass man nicht davon ausgehen könne, dass wärmeres, feuchteres Wetter allein eine Ausbreitung stoppt.

„Die kurze Antwort ist, dass wir eine moderate Verringerung der Ansteckungsrate von SARS-CoV-2 bei wärmerem, feuchterem Wetter erwarten können […]“, so Lipsitch.

Schließlich handelt es sich um ein neues Virus, innerhalb der Bevölkerung gebe es noch keine Immunität.

Christian Drosten gab in einem NDR-Podcast an, dass wärmeres Wetter vermutlich helfen wird, die Krankheit zu bekämpfen: „Die Fälle werden sich vermehren, aber die zunehmende Trockenheit und die UV-Strahlung werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Übertragungsereignisse verringern.“

Von einer Sprecherin des Robert Koch-Instituts erhielt Correctiv folgende Information:

„Man kann noch nichts zur möglichen Saisonalität von COVID-19 sagen. Allgemein hat Saisonalität von Viren aber nicht ausschließlich etwas mit der Stabilität der Viren zu tun.“

„Ein weiterer Faktor könnte auch sein, dass man sich im Winter längere Zeit zusammen mit anderen Menschen in weniger belüfteten Räumen aufhält und dadurch eine Ansteckung wahrscheinlicher ist.“

Nicht nur allein die Temperatur ist also ausschlaggebend.

Triage

5. Behauptung: Patienten werden anhand ihrer Überlebenschancen in drei Gruppen aufgeteilt. Nur jüngere Erkrankte werden beatmet. Diese Regelung gilt weltweit.

Der Begriff „Triage“ stammt aus der Katastrophenmedizin. Wenn viele Menschen gleichzeitig behandelt werden müssen, dafür allerdings nur begrenzte Ressourcen verfügbar sind, werden Patienten in Gruppen eingeteilt. Laut dem Ärzteblatt gibt es weltweit unterschiedliche Systeme mit Einteilungen in drei, vier oder fünf Gruppen.

In der Sprachnachricht behauptet die Frau, die ältesten Patienten würden „auf die Seite gelegt zum Sterben“. Eine Behandlung fände nicht statt.
Die zweite Gruppe sind ältere Menschen mit guter Verfassung. Sie würden behandelt, aber nicht beatmet werden.
Die dritte Gruppe mit jüngeren Menschen würden einen Beatmungsplatz bekommen. Weiters gibt die Frau hier an, dass es sich bei dieser Gruppe um „Leistungsträger der Gesellschaft“ handle und man sie deshalb rette.wolle.

Diese Darstellung ist falsch.

In einer Pressekonferenz vom 26. März gab Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, an, dass es in Deutschland noch nicht so weit sei, solche Entscheidungen treffen zu müssen. Auch betonte er, dass niemand in Deutschland Angst haben müsse, dass die Entscheidungen mit „Daumen rauf oder Daumen runter“ gefällt würden. Das Alter sei ganz bewusst nicht das alleinige Entscheidungskriterium, auch seien die Überlegungen als Vorbereitung zu verstehen.

Trotzdem bereite sich Deutschland auf diesen Fall vor. In der Frankfurter Allgemeinen war ein Bericht zu lesen, nach dem sieben medizinische Fachgesellschaften ein Papier veröffentlicht hätten, das Handlungsempfehlungen für einen solchen Notfall enthält. Darin ist zu lesen:

„Wenn die Ressourcen nicht ausreichen, muss unausweichlich entschieden werden, welche intensivpflichtigen Patienten akut-/intensivmedizinisch behandelt und welche nicht (oder nicht mehr) akut-/intensivmedizinisch behandelt werden sollen.“ Dann müsse „analog der Triage in der Katastrophenmedizin“ entschieden werden, bei wem die Behandlung die beste Erfolgsaussichten habe.

Ausgeschlossen wird von den Autoren eine Einteilung nach „kalendarischem Alter oder sozialen Kriterien“. Außerdem handelte es sich um Empfehlung, die juristisch nicht geprüft wurden.
Zu den Verfassern des Papiers zählt auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

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5G Strahlung

6. Behauptung: Mobilfunkstrahlen (5G) schwächen unser Immunsystem.

„Man weiß, dass WLAN und Elektrosmog vom Handy, Funkwellen, alles was über 3G hinausgeht, immens das Immunsystem nach unten fährt“, behauptet die Frau in der Sprachnachricht.

Damit untermauert die Frau ihre Aussage, dass angeblich überall, wo SARS-CoV-2 verstärkt ausgebrochen sei, der neue Mobilfunkstandard 5G im Einsatz sei.

Diese Aussage ist falsch.

Correctiv hatte dazu bereits für einen früheren Faktencheck das Bundesamt für Strahlenschutz um eine Information bemüht. Diese lautete, dass alle Mobilfunksendeanlagen (von 2G bis 5G) „höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt. Eine messbare Erhöhung der Körperkerntemperatur infolge der Felder von Mobilfunksendeanlagen ist nicht zu erwarten.“ Grenzwerte für Strahlung seien somit bereits von dieser Wärmewirkung abgeleitet.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass elektromagnetische Felder negativ auf das Immunsystem wirken. Dies trifft genausowenig bei WLAN zu. Zahlreiche Studien aus Frankreich und Italien kommen zu demselben Schluss: Ein negativer Einfluss wurde nicht gefunden.

Fazit

Größtenteils sind die Inhalte in der Sprachnachricht falsch. Viele der Angaben lassen sich nicht nachweisen.

Quelle: correctiv.org
Artikelbild: Shutterstock / Halfpoint
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