Artikelbild WhatsApp: Shutterstock / KinkarkinPhoto / Henryk Ditze

Coronavirus: Warum wir auf WhatsApp vorsichtig sein müssen!

Von | 25. März 2020, 14:38

Wer derzeit Falschmeldungen zum Coronavirus auf Twitter oder Facebook sucht, wird nur bedingt fündig werden. Auf WhatsApp sieht das jedoch anders aus.

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Warum ist WhatsApp derzeit so gefährlich, was Falschmeldungen angeht? Schauen wir auf den Charakter des Messengers selbst und den „Vertrauensvorschuss“, den Absender dort genießen.

Bei WhatsApp handelt es sich um den derzeit meistgenutzten Messenger in Deutschland und Österreich [1][2]. Das zieht sich nicht allein quer durch alle Altersklassen, sondern gerade in der Altersklasse 50+ ist WhatsApp die beliebteste Social Media Plattform.

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Einer ARD-ZDF Onlinestudie nach nutzen 54% der 50-69 jährigen Menschen WhatsApp täglich, ja sogar 22% der über 70-Jährigen schauen täglich in den Messenger [3].

Daraus kann man ganz deutlich erkennen, dass man über den Messenger besonders viele Menschen erreichen kann, man muss jedoch die richtigen Hebel ziehen, damit Inhalte auf WhatsApp auch viral gehen und möglichst häufig weitergeleitet werden.

WhatsApp-Trick: Vertraulichkeit!

Einer dieser Tricks ist die Vertraulichkeit, die ideal auf den Messenger zugeschnitten ist. Grundsätzlich kann man feststellen, dass Informationen, die über WhatsApp empfangen werden, einen Vertrauensvorschuss besitzen, da man den Absender der Mitteilung kennt.

Es handelt sich im Normalfall um eine Person, die man im Telefonbuch abgespeichert hat, der man schon mal begegnet ist. Wenn man also eine Information kennt, hat man nicht nur ein Gesicht vor Augen, sondern sogar eine Stimme im Ohr, welche die Nachricht vorliest.

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Damit ist auch das Vertrauen verbunden, was diese Person genießt. Dieses Vertrauen geht entsprechend auch auf den Inhalt über, da man in erster Linie nicht davon ausgeht, dass die vertraute Person einen belügen will.

Doch genau an dieser Stelle ist Vorsicht geboten, denn gerade bei Kettenbriefen oder Sprachnachrichten handelt es sich um Inhalte, die durch den Absender selbst bereits weitergeleitet wurden und womöglich gar nicht geprüft wurden, sondern ebenfalls auf Vertrauensbasis hingenommen wurden.

Und genau darauf bauen viele Kettenbriefe und Sprachnachrichten. Sie behaupten selbst direkt am Anfang, dass die Information von einer vertrauten Person (Freund/Freundin) stammt, die selbst an wichtiger Stelle sitze (Krankenhaus/Ministerium/Polizei/etc.).

Obschon man diese Person nicht kennt, wird durch diese vermeintliche Vertraulichkeit eine Bindung aufgebaut, gleichzeitig findet eine Selbstlegitimierung der Information statt.

Umso wichtiger ist es daher an dieser Stelle, diese Information zu prüfen. Es geht gar nicht um einen Vertrauensbruch zum Absender selber, sondern lediglich um die versendete Information.

WhatsApp als geschlossenes Medium

Eine weitere Besonderheit ist die geschlossene Kommunikation in Messengern wie WhatsApp. Auf Twitter oder Facebook kennen wir es, dass Postings einer gewissen Öffentlichkeit zugänglich sind. Verschiedene Personen können ein Feedback geben, etwaige Falschmeldungen in den Kommentaren bereits entlarvt werden oder gar vom Plattformbetreiber markiert werden.

Das funktioniert auf WhatsApp nicht. Die zumeist 1:1 verlaufende Kommunikation kann von außen nicht bewertet werden. Wenn beide Gesprächspartner eine Falschmeldung nicht erkennen, kann diese nicht korrigiert werden und wird unreflektiert weitergeleitet.

Das bedeutet an dieser Stelle, dass man auf WhatsApp die sogenannte Gatekeeperfunktion (Kontrollfunktion, ob Inhalte relevant oder korrekt sind, um versendet zu werden) noch ernster nehmen muss. Das ist jetzt nicht neu und gleichzeitig etwas, was wir bei Mimikama seit Jahren vermitteln.

Was also tun?

Wir empfehlen: Auf WhatsApp vorsichtig sein! Viele Kettenbriefe und Sprachmitteilungen sind so konzipiert worden, um sich der partizipativen Kulturen auf WhatsApp zu bedienen. Sie jucken förmlich an den Fingern, dass sie weitergeleitet werden.

Hier ist besondere Sorgfalt gefordert. Es gilt zu hinterfragen, wer oder was hinter der Botschaft steckt. Anonyme Verfasser, die lediglich Behauptungen aufstellen, sind keine vertrauensvollen Quellen. Man sollte hier generell Abstand von einer weiteren Verbreitung nehmen.

Ansonsten gilt die vergleichende Arbeit. Bevor man dazu neigt, einen Inhalt selbst verbreiten zu wollen, ist ein kurzer Faktencheck nicht verkehrt. Hier empfiehlt es sich, Suchmaschinen zu nutzen und kurz zu vergleichen, wer noch über eine bestimmte Information schreibt. Handelt es sich um seriöse Medien oder um reißerische Behauptungen ohne Grundlage.

Ein guter Indikator für Verschwörungsmythen ist übrigens die Behauptung, dass „die Medien“ darüber ja schweigen müssen. An dieser Stelle entlarven sich Mythen und Falschmeldungen gerne selbst.

In dem Moment, wo eine Message nicht mehr ganz so vertrauenswürdig ist und man sich nicht mehr sicher sein kann, ob das wirklich stimmt, sollte man eine weitere Verbreitung unterlassen. Die Kette zerschlagen, wie es so schön bei Kettenbriefen heißt.

Ferner ist es auch sinnvoll, dem Absender der Falschmeldung ein kurzes, jedoch freundliches Feedback zu geben. Ein kleiner, netter Hinweis wie „Du, was du mir da gerade gesendet hast, passt nicht so ganz. Wäre besser, wenn du das selbst nicht weiterleitest“.

Vorsicht auf WhatsApp

Vorsicht auf WhatsApp

Es geht nicht darum, einen Streit oder gar Glaubenskrieg zu entfesseln. Gerade weil es sich bei WhatsApp-Kontakten häufig um enge Vertraute, Freunde oder Arbeitskollegen handelt. Emojis können hier bei der Kommunikation helfen und eine freundliche Atmosphäre unterstreichen.

Kurz und knapp:

Ja, WhatsApp ist derzeit die wohl größte Interaktionsplattform für Falschmeldungen. Das aufgrund der Vertraulichkeit, aber auch der fehlenden Korrekturmöglichkeiten.

Es bleibt also bei den Teilnehmern hängen, dass diese am Ende in der Lage sein müssen, Informationen als Falschmeldungen zu entlarven.

Hinweis!

Wir weisen an dieser Stelle auch auf unsere Kategorie: CORONAVIRUS 2019 nCoV (hier) hin, in der wir alle relevanten Faktenchecks zum Thema Coronavirus auflisten.

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