Auf Facebook macht gerade ein Brief die Runde, der angeblich von einer Zahnärztin in Erfurt stammte. In diesem wird darauf hingewiesen, dass sie am 28.11.2015 Notdienst hätte  und das sie verpflichtet sei ““Asylsuchende zu behandeln. Weiters steht in diesem Schreiben, dass die Mitbewohner keine Wertgegenstände im Treppenhaus oder im Auto liegen lassen sollen.

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Um dieses angebliche Schreiben geht es:

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Hetze- oder Wahrheit?

Eigentlich wollten wir bei der Zahnarztpraxis direkt nachfragen, aber ein Besuch auf der Webseite hat schon gereicht, denn auf dieser finden man bereits folgende Information vor:

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Im Wortlaut:


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Liebe Patienten!

Ich distanziere mich energisch gegenüber jeglicher rassistischer Darstellungen im Internet über
mich und mein Praxisteam!

Ich habe bereits mit meinem Rechtsanwalt rechtliche Schritte gegen diese Hetzkampagne
gegen meine Praxis und mein Praxisteam eingeleitet.

Ich finde es unverantwortlich, wie leichtfertig über soziale Netzwerke Personen und
Institutionen angegriffen werden können.

Ich hoffe, dass die Verbreitung dieser Hetze unterbunden wird.

Ihr Praxisteam

Auch die Landeszahnärztekammer Thüringen hat bereits darauf reagiert und hat am 24.11.2015 um 13:02 Uhr folgenden Statusbeitrag auf Facebook veröffentlicht:

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Facebook / Öffentlicher Statusbeitrag

Im Wortlaut:

Zahnärzte werben für Behandlung von Flüchtlingen ohne Angst und Vorurteile

Stellungnahme zum (mittlerweile entfernten) Aushang an einer Erfurter Zahnarztpraxis

Die Landeszahnärztekammer Thüringen distanziert sich entschieden von dem Informationsaushang einer Erfurter Zahnarztpraxis, der in den letzten Stunden in sozialen Netzwerken verbreitet wurde.

Der Präsident der Landeszahnärztekammer Thüringen, Dr. Christian Junge, erklärt hierzu: „Wir Thüringer Zahnärzte distanzieren uns ausdrücklich von dem Aushang dieser einzelnen Praxis. Der Inhalt war geeignet, Asylsuchende pauschal zu kriminalisieren, zu diffamieren sowie Patienten und Anwohner gegen Asylsuchende aufzuhetzen. Dies widerspricht nicht nur unseren Werten der Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und unserem zahnärztlichen Berufsethos. Es widerspricht auch der Arbeit vieler Kolleginnen und Kollegen, die sich in den letzten Tagen unbürokratisch und mit großem Engagement für Flüchtlinge einsetzen und damit ein Teil unserer positiven Willkommenskultur sind.“

Der Aushang ist der Landeszahnärztekammer seit dem heutigen Dienstag, 24. November, 9:46 Uhr bekannt. Die Landeszahnärztekammer hatte die Berufskollegin daraufhin sofort ultimativ zur Entfernung aufgefordert. Der Aushang ist mittlerweile durch die Zahnärztin selbst abgenommen worden. Nach einer ersten vorläufigen Einschätzung war der Text inhaltlich berufswidrig. Die Kammer behält sich vor, Strafanzeige gegen die Erfurter Zahnärztin zu erstatten.

Behandlung der Thüringer Bevölkerung und der asylsuchenden Patienten ist sicher

Bereits Anfang November hatte die Landeszahnärztekammer gemeinsam mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen alle berufstätigen Zahnärzte im Freistaat über wichtige Fragen der zahnmedizinischen Behandlung von Asylsuchenden informiert. Danach sind die ohnehin bei jeder Behandlung anzuwendenden Hygienestandards in den Thüringer Zahnarztpraxen ausreichend und sicher, soweit die vom Robert-Koch-Institut und vom Deutschen Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin empfohlenen Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe angewandt werden. Dies gilt auch bei in Thüringen üblicherweise seltenen Infektionskrankheiten.

„Zweifellos stellt die steigende Zahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden auch die zahnmedizinische Versorgung in Thüringen vor neue Herausforderungen“, so Dr. Junge. „Wir Thüringer Zahnärzte nehmen diese schwierige Aufgabe aber konstruktiv mit Sachverstand, Sorgfalt und großem sozialen Engagement an.“

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