Das Schicksal des gequälten Welpen Pascal frisst sich durch das Internet wie Lauffeuer. Von Kindern mit Kleber übergossen und zum Sterben zurückgelassen, empören sich Menschen auf der ganzen Welt über den Vorfall. Doch was bedeutet das wirklich? Quälen Kinder wirklich aus Spaß und welche Folgen hat es, wenn man das Quälen von Tieren ungestraft lässt … ?

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Seit einigen Tagen macht Welpe Pascal Schlagzeilen. Pascal ist ein Hundewelpe aus der Türkei, welcher von Kindern zur Belustigung in Kleber getaucht wurde. Der aushärtende Kleber vermischte sich mit Dreck und bildete schon bald eine harte Kruste aus Fell und Matsch, die eines seiner Ohren zerquetschte. Nicht zuletzt verbrannte und verätzte die Chemikalie die Haut des Hundes. So viral sich die Nachricht von Pascal verbreitete, hat ein Teil vergessen zu erwähnen, dass er von He’Art of Rescue betreut wird und dass man sich über Tierquälerei vielleicht nicht nur mokieren, sondern auch einen Blick über den Tellerrand riskieren sollte …

Die Mission von He’Art of Rescue besteht darin, Tiere, die sich in einem kritischen Zustand befinden, zu retten, zu rehabilitieren und ein neues Zuhause für sie zu finden. Sie agieren international und erhalten weder Spenden von der Regierung, noch von Unternehmen. Freiwillige bilden das Rückgrat dieser Organisation.

Gründerin Rima Nur kommt aus der Türkei und spricht ein Problem an, welches nicht nur in der Türkei zu finden ist:

“Ich habe mit Heart of Rescue begonnen, um anfangs für Tiere, die sich in einer ausweglosen Lage befinden ein neues Zuhause zu finden, egal wo auf der Welt. Dieser Wunsch entstand aus dem starken Verlangen heraus, Tiere in der Türkei zu helfen, wo es absolut unmöglich ist ein neues Zuhause für jene Tiere zu finden, die eine körperliche Behinderung haben, Mischlinge sind, also kurz, Tiere, die man nicht als Statusobjekt oder für Prestige verwenden kann.”

Nicht nur Pascal wurde vom Menschen Leid zugefügt. Sadie, eine Katze in deren Obhut, verlor ein Bein, als sie in eine Kriegszone geriet. Pascal befindet sich zum Glück wieder auf dem Weg der Besserung:

Ob es Menschen dabei bewusst ist, dass sie mit einer Entscheidung zig andere beeinflussen (andere Menschen, Umwelt, und eben auch Tiere) sei dahingestellt, mich beschäftigt eher ein anderer Gedanke, und zwar dieser:

“Es ist ja nur ein Tier.”

Wenn schon Kinder diesen Gedanken in sich tragen, wie sieht die Zukunft aus?

Wenn Kinder Tiere quälen

Laut He’Art of Rescue wurde Pascal von Kindern gequält, welche es “lustig fanden” ein Tier in Kleber zu tauchen und es somit dem Tod auszusetzen.

Wer das Leben ehrt, der hat Respekt und das ist der springende Punkt. Albert Schweitzer zum Beispiel spricht dabei von der “Ehrfurcht vor dem Leben”, angelehnt an die Lebensphilosophie Ahimsa, die in einigen Religionen als Lebensprinzip ausgelebt wird.

Ahimsa (Sanskrit, f., अहिंसा, ahiṃsā, wörtlich das Nicht-Verletzen) bedeutet Gewaltlosigkeit – eines der wichtigsten Prinzipien im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus. Es handelt sich um eine Verhaltensregel, die das Töten oder Verletzen von Lebewesen untersagt bzw. auf ein unumgängliches Minimum beschränkt. Damit ist die Vorstellung verbunden, dass jede Gewaltausübung schlechtes Karma erzeugt und sich dadurch auf die Zukunft des Täters negativ auswirkt. Man soll sich also im eigenen Interesse möglichst gewaltlos verhalten.

Wobei Gewaltlosigkeit wenig mit Religion an sich zu tun hat, sondern als Lebenseinstellung gesehen werden kann.

„Für jeden, der sich einmal daran gewöhnt hat, das Leben irgendeines Lebewesens als lebensunwürdig anzusehen, besteht die Gefahr, dass er eines Tages auch zu dem Schluss kommt, menschliches Leben sei wertlos“,

schrieb der Humanist Albert Schweitzer.

Kurt Kotrschal ist Zoologe an der Uni Wien und Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau und hat zu diesem Thema einen sehr interessanten Artikel für die Presse verfasst. Zugegeben, der Titel des Artikels klingt sehr brutal (Es beginnt mit Tiere quälen – es endet mit Menschen töten), doch Robert K. Ressler, der Profile über Serienmörder für das FBI erstellte, formulierte es konkreter:

„Mörder […] beginnen ihre zweifelhafte Karriere oft damit, als Kinder Tiere zu töten oder zu quälen.“

Laut Kotrschal hat das Quälen von Lebewesen mit der Fähigkeit zur Empathie zu tun. Wer sich einfühlen kann in andere Wesen und Konsequenzen abschätzten lernt, der tendiert zur Gewaltlosigkeit. Wenn der Nachwuchs am Schwanz des Haustieres zieht, so intervenieren Eltern meist zu spät oder gar nicht. Schuldzuweisungen sind hierbei destruktiv. Wissen kann man nur weitergeben, wenn man es selbst er- oder gelernt hat.

Der Umgang mit den eigenen Gefühlen gestaltet sich oft schwierig, schwierig wird es auch, wenn das Quälen von anderen als “Ventil” für Aggression dient. Eltern, die auf ihre Kinder eingehen können, sind auch in der Lage, ihnen zu vermitteln, dass jedes Leben, wie auch das eigene wertvoll ist. Aber um auf den Artikel von Kurt Kotrschal zurückzukommen:

Es werden laut Innenministerin Mikl-Leitner in Österreich 90 Prozent der Gewaltverbrechen aufgeklärt. Zumindest jene, die polizeibekannt werden. Die Aufklärungsrate bei Gewaltverbrechen gegen Tiere liegt hingehen bei nahezu null und das obwohl laut der Kölner GAP-Studie ein Zusammenhang besteht, dass Täter, die in der Kindheit oder Jugend Tiere gequält haben, mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Gewaltbereitschaft gegenüber Menschen zeigen.

Fazit:

Wenn man sich die Mühe macht und die Ursache behebt, so werden auch die Symptome gelindert. Behandelt man stattdessen nur ein Symptom, bleibt die Ursache bestehen und ein Teufelskreis entsteht. Zugegeben, ist diese Binsenweisheit auch nicht neu, doch manchmal vergisst der Mensch wichtige Sachen (wie zum Beispiel sein Handy im Auto … ) und muss einfach hie und da einmal daran erinnert werden.

Quelle: He’Art of Rescue (ganze Geschichte von Pascal), WikipediaDie Presse, T-Online, PETA,

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