Wegen Fakenews wurden sehr viele Iraner getötet!

Wegen Fakenews wurden sehr viele Iraner getötet!

Von | 28. März 2020, 14:20

Gerüchte im Internet brachten viele Iraner dazu, zu angeblichen Mitteln gegen das Coronavirus zu greifen. – Mit fatalen Folgen.

Wegen Fakenews wurden sehr viele Iraner getötet! – Das Wichtigste zu Beginn:

Angst vor dem Virus, Falschinformationen aus dem Internet und schlechte Bildung ließen den Konsum von mit Methanol versetzten Alkohol steigen. Dadurch drohen nun weitere Gefahren, der Iran kämpft an zwei Fronten.

Desinfektion mit Alkohol

Weltweit wird Alkohol als Mittel zur Desinfektion gegen das Coronavirus genannt. Gepaart mit Gerüchten und Falschmeldungen aus dem Internet bringt viele Iraner dazu, falsch zu handeln.

Eine Meldung besagt, dass einige Personen sich selbst vom Coronavirus geheilt hätten, indem sie Whiskey und Honig zu sich nahmen. Ein Boulavardblatt brachte im Februar die Meldung, dass Handdesinfektionsmittel auf Alkohol-Basis eingesetzt werden soll.

Diese Kombination ließ einige Menschen darauf schließen, dass man das Virus im eigenen Körper damit abtöten könnte, indem man hochprozentigen Alkohol trinkt.

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Irrglaube: Methanol als Heilmittel

Im Iran führt dies nun zu fatalen Folgen. Medienberichten zufolge sind nahezu 300 Menschen nach der Einnahme von giftigem Methanol verstorben, mehr als 1.000 sind daraufhin erkrankt.

Ein 5-jähriger Junge ist erblindet, nachdem seine Eltern ihm Methanol zu trinken gegeben haben. Sie glaubten und hofften, dass es ihn vor dem Virus schützen könnte. In einem iranischen Krankenhaus kämpfen die Mediziner um sein Leben.

Die Kombination aus Angst vor dem Virus, Falschinformationen aus dem Internet und schlechter Bildung ließ den Konsum von mit Methanol versetzten Alkohol steigen. In der Provinz Chusistan und der Stadt Schiras erkranken dutzende Menschen nach dem Trinken von Schnaps, der mit Methanol versetzt war. Laut Medien sind ähnliche Fälle aus Karadsch und Jasd bekannt.

Die Folge daraus: Viele von den Erkrankten blockieren Intensivbetten, die allerdings für Corona-Erkrankte dringend gebraucht würden.

Alarmierende Zahlen

Der Arzt Hossein Hassanian, der für das Gesundheitsministerium tätigt ist, teilt der Nachrichtenagentur AP alarmierende Zahlen mit: 480 Tote und 2850 Erkrankte.

„Andere Länder haben nur ein Problem, nämlich die Coronavirus-Pandemie“, so Hassanian. „Wir müssen sowohl die Menschen mit Alkoholvergiftung kurieren, als auch das Coronavirus bekämpfen. In einigen Provinzen wie Chusistan und Fars übersteigt die Zahl der Menschen, die nach dem Trinken von Methanol gestorben sind, leider die Zahl der Toten durch das neue Coronavirus.“

Angaben der John-Hopkins-Universität zufolge seien am Freitag mehr als 32.000 Menschen mit dem Virus infiziert. 2.378 sind daran gestorben. Viele Iraner misstrauen allerdings den Informationen seitens der Regierung, da diese die Corona-Krise lange Zeit heruntergespielt hat.

Methanolvergiftungen im Iran

Im streng islamischen Iran ist Trinken von Alkohol verboten. Will man als gläubiger Muslim nicht darauf verzichten, so ist man auf Schwarzbrenner angewiesen. Diese strecken den Alkohol oftmals mit Methanol, oder es entsteht, wenn beim Schwarzbrennen nicht sauber gearbeitet wird. Auf dem Schwarzmarkt wird Methanol auch oft als Alkohol angeboten

Eine offizielle Herstellung gilt nur für Methanol sowie ungenießbaren Industriealkohol für Desinfektionsmittel. Methanol selbst hat keinen besonderen Eigengeschmack, aber eine ähnlich berauschende Wirkung wie Alkohol. Jedoch führt das Trinken von Methanol zu Organ- und Gehirnschäden, Erblindung, Koma und auch noch Schlimmerem.

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Methanolvergiftungen im Iran waren bereits vor dem neuen Coronavirus ein Problem. Einer Studie nach waren allein im September und Oktober 2018 bereits 768 Menschen davon krank. 76 verstarben daran.

Der Osloer Toxikologe Knut Erik Hovda bestätigt, dass viele große Angst vor dem Coronavirus haben. „Um so weniger sind sie sich der Tatsache bewusst, dass auch andere Gefahren drohen.“

Quelle: rp-online.de
Artikelbild: Shutterstock / Von Amir Mardani
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