Was sehen wir denn da wirklich auf den Fotos?

Ohne große Erläuterungen wird ein Video auf Facebook geteilt, welches Fotos aus dem Inneren sogenannter „Chemtrails-Flugzeuge“ zeigen soll.

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So erreichten uns mehrere Anfragen zu jenem Video:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

In dem Video sind dutzende Fotos von Flugzeugen zu sehen, in deren Inneren sich große Tonnen befinden. Gemäß der Verschwörungstheorie solle es sich dabei um Behälter handeln, die die Chemikalien beinhalten, welche in „Chemtrails“ enthalten sein sollen.

Was sollen denn Chemtrails sein?

Das Wort „Chemtrails“ setzt sich aus aus den Wörtern Chemikalien und Contrails zusammen, grob übersetzt also chemische (Kondens)streifen. Gemeint sind damit die weißen Streifen am blauen Himmel, die man sieht, wenn ein Flugzeug gerade da lang geflogen ist. Den Verfechtern der Chemtrails-Theorie ist aber aufgefallen, dass manche dieser Streifen länger am Himmel zu sehen sind als andere und sich langsam ausbreiten… für sie ein untrüglicher Beweis, dass in den Kondensstreifen noch etwas anderes ist und zwar: Chemikalien, die die Menschen vergiften sollen!

Stimmt das denn?

Nun, tatsächlich halten sich manche Kondensstreifen länger am Himmel als andere. Aber das liegt eben nicht an chemisch zugesetzten Stoffen, denn wie lange sich ein Kondensstreifen hält, liegt immer am Luftdruck, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit an diesem Tag.

Kleiner Exkurs: Das kann man selbst dokumentieren und überprüfen! Man fotografiere einfach den Himmel jeden Tag, an dem man einen solchen Kondensstreifen sieht, und notiert sich dazu auch noch Datum und Uhrzeit. Gleichzeitig vergleiche man aber auch die genauen Wetterdaten auf den verschiedenen Wetterseiten.

Irgendwann wird man feststellen, dass sich die eigenen Beobachtungen perfekt mit denen in der „Appleman-Chart“ decken, in der wunderschön ansehnlich aufgezeigt wird, bei welchen Wetterkonditionen welche Streifen entstehen.

Bildquelle: scepticproject.com
Bildquelle: scepticproject.com

Am Ende dürfte diese Art Chemtrails aus dieser Flughöhe auch völlig ineffektiv sein. Flugzeuge fliegen auf einer Höhe von 30.000 ft (ca. 10 Kilometer), aus dem einfachen Grund, weil in dieser Höhe der Luftwiderstand niedrig ist und so weniger Kerosin verbraucht wird. In 24.000 ft (ca. 7.5 Kilometer) Höhe beginnt die sogenannte Tropopause, sprich: Wettergeschehnisse spielen sich unter dem Flugzeug ab, der Flug selber bleibt also von etwaigen Unwettern meist unberührt.

Außerdem wehen dort oben die sogenannten Jetstreams und die würden jedes durch „Chemtrails” rausgeblasene Schwermetall-Teilchen unkontrolliert über den Globus blasen, aber keinesfalls dort landen lassen, wo das Flugzeug gerade drüber fliegt.

Und was sieht man dann auf den Bildern?

Für eine großangelegte „Vergiftungsaktion“, die eigentlich geheim sein sollte, gibt es erstaunlich viele angebliche Beweise. Gehen also die „Chemtrail-Piloten“ und deren Vorgesetzte so lasch mit dem Geheimnis um, dass man sogar Angela Merkel in einem solchen Flugzeug fotografiert? Oder sieht man da doch etwas anderes?

Wir berichteten bereits in einem ausführlicheren Artikel über eine Vielzahl jener Fotos, welche man auch auf öffentlichen Seiten findet.

Die simple Lösung lautet: Ballasttanks!

Solche Tanks finden sich in Flugzeugen, deren Flugverhalten unter bestimmtem Belastungen getestet werden soll. Diese Tanks sind mit Wasser gefüllt, und die Ingenieure können während des Fluges Wasser zwischen den Tanks transportieren, um das Gewicht simulierter Fracht oder Passagiere zu verlagern.

Der Schwerpunkt, oder CG, wie Piloten es nennen, ist für die Flugeigenschaften eines Flugzeugs wichtig. Während des Flugtests muss die Fluggesellschaft sicherstellen, dass das Flugzeug auch bei außergewöhnlichen Flugmanövern sicher und effizient ist.

Fazit

Nein, es handelt sich nicht um „Chemtrails Fotos aus dem Inneren der Flugzeuge“, sondern um Fotos von Ballasttanks, wie sie zu Aberdutzenden existieren und daher nichts Geheimnisvolles sind.

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