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[Gastbeitrag von Markus Franz ]: Während Facebook in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, verliert Wikipedia kontinuierlich an Autoren – vor allem aufgrund der veralteten Oberfläche. In aller Stille basteln die Entwickler in San Francisco aber an Neuerungen, mit denen der Rückstand zu anderen Web-Konzernen wieder wettgemacht werden soll.

Als Wikipedia 2001 erfunden wurde, waren Facebook und andere soziale Netzwerke noch nicht in Sicht. Obwohl die blauen Seiten später gegründet wurden, haben sie die altehrwürdige Enzyklopädie mittlerweile im Bezug auf die Bedeutung für das Internet längst überholt. Allerdings wird hinter den Kulissen hart daran gearbeitet, den Rückstand endlich zu verringern – mit Methoden nach dem Vorbild von Facebook.

Einfache Formatierung

Facebook macht es seinen Nutzern so einfach wie möglich, Inhalte zu erstellen und zu teilen. Dafür sind keine besonderen technischen Vorkenntnisse notwendig – anders als bei Wikipedia. Dort müssen Benutzer sich erst in eine Sprache namens Wikitext einarbeiten, die für Anfänger schwer zu verstehen ist. Ohne sie geht es aber nicht, selbst für die Kommunikation mit anderen Teilnehmern benötigt man sie unbedingt.

Mit dem sogenannten Visual Editor wird sich das aber bald ändern: In Wikipedia wird gerade ein neuer Editor getestet, der sämtliche kryptischen Befehle eliminiert und im Prinzip wie eine einfache Textverarbeitung funktioniert. Die Eigenschaften eines Artikels (inklusive Kategorien, Sprachen und anderen Attributen) wurden in ansehnliche Menüs gepackt, die selbst von blutigen Neulingen schneller verstanden werden.

Wikipedia-1 Einfache Formatierung

Zugriff vom Smartphone

Auch was den mobilen Zugriff angeht, liegt Facebook vor Wikipedia: Das soziale Netzwerk kann dank zahlloser Apps für die unterschiedlichsten Betriebssysteme auch ohne klassischen Computer genutzt werden. Bei Wikipedia ist das ungleich schwieriger: Zwar wartet die Enzyklopädie mit einer optimierten Darstellung für mobile Endgeräte auf, jedoch können Nutzer einen Artikel unterwegs praktisch nicht bearbeiten – und auch nicht auf Nachrichten anderer Nutzer antworten.

Das Problem geht die Wikipedia mit einer ähnlichen Strategie an, wie Facebook: Seit einiger Zeit besteht die Möglichkeit, Dateien direkt aus dem Browser des Smartphones in Wikipedia hochzuladen. Zusätzlich existieren vollwertige Apps für die Medienplattform Commons, die vor allem dann sinnvoll sind, wenn eine größere Zahl an Bildern in einem Rutsch übertragen werden soll. Wann neben Bildern allerdings auch wirklich Artikel unterwegs geschrieben werden können, ist nach wie vor fraglich.

Wikipedia-2 Zugriff vom Smartphone

Zentrale für Mitteilungen

Die wohl bedeutendste Neuerung, die Wikipedia sich von Facebook abgeschaut hat, ist die Mitteilungszentrale: In den kommenden Jahren wird schrittweise ein System eingeführt, das Benutzer über neue Nachrichten und Erwähnungen anderer Personen informiert. Was bislang über eine Kombination aus Diskussionsseiten und die sogenannte Beobachtungsliste abgewickelt wird, erhält seine neue Heimat in Form ansehnlicher Hinweise am oberen Rand der Webseite.

Die Mitteilungszentrale eliminiert übrigens ferner ein anderes Problem, das sich aus der Perspektive von Facebook geradezu unvorstellbar anhört: Wer überwiegend in der deutschen Wikipedia aktiv ist und nur gelegentlich in der englischsprachigen Variante, erhält in der Standardeinstellung keine Information über neue Nachrichten anderer Benutzer. Über die Mitteilungszentrale soll das bald möglich sein.

Wikipedia-3 Zentrale für Mitteilungen

Obwohl man Wikipedia und Facebook nicht ernsthaft vergleichen kann, ist die Enzyklopädie offensichtlich auf dem besten Weg, dem sozialen Netzwerk ein ganzes Stück ähnlicher zu werden. Die dargestellten Neuerungen und andere Kleinigkeiten werden schrittweise eingeführt, bis 2015 der große Relaunch mit dem neuen Design „Athena“ erfolgen soll. Dessen primäres Erkennungszeichen wird nach derzeitigem Kenntnisstand ein großes Titelbild für jeden Artikel sein, das – man ahnt es schon – verdächtig Facebook ähnelt.

Autorenbeschreibung:

Autor Markus Franz ist Wikipedia-Experte und geschäftsführender Gesellschafter von Sucomo Consulting.
Er hilft kleinen und großen Organisationen, sich in der weltgrößten Enzyklopädie zurechtzufinden, ohne zu manipulieren.
Markus hat Wirtschaftsinformatik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studiert.

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