Der Wind weht schärfer, der Ton wird aggressiver.

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Mimikama: Information

Nachdem Bewegungen wie Pegida nicht den gewünschten Erfolg brachten, werden nun andere Seiten aufgezogen: Flüchtlinge sind nicht etwa nur hier, um zu schmarotzen/unsere Arbeitsplätze zu klauen/unsere Frauen zu vergewaltigen, sondern sind eine Armee, die demnächst bewaffnet wird. Doch selbst die eigenen Fürsprecher reden bei dieser kruden Meldung von einem Fake: das Video ist zwar echt, aber die Meldung dazu ist falsch.

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Da das Video einen englischen Titel trägt, wurde es noch einmal mit deutschem Titel hochgeladen.

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„Container mit Hilfsgütern für Flüchtlinge war voller Waffen und Munition!“

Und tatsächlich: In dem über 5 Minuten langen Video werden an einem Hafen vorsichtig Waffen ausgepackt, zwischendurch wird ein Interview mit einem Mann auf griechisch geführt. Was der Mann zu sagen hat, ist aber sicher unwichtig, wer dem Titel des Videos glaubt, wird sich nicht für solche Unwichtigkeiten interessieren, sondern das Video als ultimativen Beweis sehen.

„Warum berichten die Medien nichts davon?“

So heißt es fordernd unter dem Video. Und diesen Satz kennen wir ja, denn gerne wird von „alternativen Medien“ behauptet, dass nur sie die Wahrheit kennen und über Dinge berichten, die einem von den „Massenmedien“ verschwiegen werden.

Dumm gelaufen, denn in dem Video vom 11. September sieht man eine Internet-Adresse, nämlich die der griechischen News-Seite cretapost.gr. Und die berichteten sehr wohl davon, da von ihnen ja auch das Video ist, und zwar ist deren Artikel vom 4. September.

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„Ist doch egaaaal… aber Waffen für Flüchtlinge, stimmt’s?“

Leider, leider, müssen wir die Panikmacher auch hier schon wieder enttäuschen. Bereits in jenem griechischen Artikel ist keine Rede von einer Waffenlieferung, die als „Flüchtlingshilfe“ deklariert war. Die deutschsprachige Euronews berichtete sogar am 2. September bereits davon. Genau genommen wurde das Schiff „Haddad 1“, welches unter bolivianischer Flagge von der Türkei nach Lybien unterwegs war, nordöstlich von Kreta gestoppt und in den Hafen von Heraklion eskortiert, wo man die Ladung inspizierte.

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Dort fanden Fahnder dann ca. 5.000 Waffen und Munition, welche lt. Dokumentation an die sudanesische Polizei gehen sollte, während die ebenfalls auf dem Schiff befindlichen Baumaterialien nach Lybien gehen sollten.

„Vielleicht wurde der Frachter ja extra da gestoppt, um die Waffen für die Flüchtlinge zu entladen?“

Gibt es diese Verschwörungstheorie eigentlich schon? Wenn nicht, dann haben wir sie gerade erfunden… nur um ihr gleich zu widersprechen.
Die Vereinten Nationen haben über Lybien ein Waffenembargo verhängt, sprich: keine Waffen, keine Munition, nicht mal ‘ne Steinzwille darf nach Lybien. Nun stand jener Frachter aber unter Verdacht, dass diese Waffenlieferung evtl. doch nach Lybien gehen sollte, welches dann unangenehme Konsequenzen haben werde, so der Sprecher der griechischen Küstenwache.

Fazit:

Und wieder einmal das selbe Schema: Es gibt eine Meldung in den Nachrichten, welche mehr oder weniger beachtet wird, wenige Tage später werden die Bilder jener Meldung genommen, vollkommen neue Behauptungen aufgestellt und sich auch noch mokiert, dass „die Massenmedien“ darüber nichts schreiben würden.

Verzeiht den etwas rüden Tonfall, liebe „alternative Medien“, aber das ist schon ein wenig erbärmlich, findet ihr nicht auch? Ihr macht genau das, was ihr den „Massenmedien“ immer vorwerft: Tatsachen verdrehen, erfinden, lügen. Aber vielleicht könnt ihr ja auch nichts für. Sogar eigentliche Fürsprecher reden hier von einem Fake:

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„Was ich selber reg und tu, das trau ich auch dem Andren zu“, so scheint das Motto zu sein.

Eine Waffenlieferung an Flüchtlinge in Europa gab es jedenfalls zu keinem Zeitpunkt. Nur echte Bilder und eine falsche Behauptung, die sich auf „patriotischen“ Seiten verbreitet, weil sie so schön ins Klischee des Terroristen-Flüchtlings passt. Super.

Autor: Ralf, mimikama.at

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