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Vor fast genau einem Jahr waren es angeblich Flugzeuge, die in jeder Nacht in kurzen Intervallen hunderte Flüchtlinge zum Flughafen Köln/Bonn gebracht haben sollen, nun sind es angeblich Busse voller Afrikaner, die jede Nacht über den Brenner fahren. Doch auch dies ist ein Fake.

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Lars Wienand (Funke Mediengruppe) hat sich die aktuelle Falschmeldung genauer angeschaut und unter dem Titel „Wie die Mär von Bussen voller Afrikaner am Brenner entstand” (WAZ, 25.07.2017) genau beschrieben, woher die Meldung stammt und was am Ende auf dem Brenner los ist.

Nacht für Nacht werden Tausende Migranten über den Brennner gebracht. Eine Falschmeldung. Doch sie verbreitet sich. Die Spurensuche.

Die Resonanz hat die „Nachrichtenseite“ zum Absturz gebracht. „Afrikaner werden in Bussen klammheimlich nach Deutschland verbracht“ meldete die Seite Newsblitz am Dienstag. Es ist die neue Variante einer erfundenen Geschichte aus dem vergangenen Jahr. Da waren es heimliche Flugzeuge aus der Türkei, nun sollen es Busse am Brenner sein. Eine Suche nach Spuren und Erklärungen für solche Falschmeldungen und ihre Zutaten.

Den Anstoß für all die Aufregung hat am Samstagabend ein großer Fan von FPÖ-Politiker Strache gegeben. Was der Lokführer aus der Steiermark dann auf Facebook postete, hatte ihm ein Bekannter geschickt, erklärt er unserer Redaktion. Er selbst hat es am Dienstag wieder gelöscht, „zu viele Anfragen, ich kam mit dem Schreiben von Mails nicht mehr hinterher“. Sein Originaltext:

SO, ich will jetzt einmal FAKTEN: Von Mittwoch auf Donnerstag sind innerhalb einer Stunde (!!)von 3 – 4 Uhr morgens 37 Busse mit Schwarzafrikanern über den Brenner gefahren, heute waren es 17 Busse (rund 850 Personen) …..nach Info´s von dort geht das schon lange so …..also: in einer Stunde werden rund 1850 Schwarzafrikaner ins Land gekarrt…klammheimlich !!! Wo werden die hingebracht???? Und ich will ANTWORTEN !!!

Vermeintlicher Zeuge schrieb aus Skandinavien

Der Lokführer aus der Steiermark, zum Zeitpunkt des angeblichen Geschehens auf einer Kreuzfahrt in Skandinavien, wurde damit zum Zeugen des Geschehens, das ein Bekannter beschrieben hatte. Der sei „als vertrauenswürdig einzustufen“. Und lebt in Graz, das mit 450 Kilometern Entfernung immerhin etwas näher am Brenner liegt als die Fjorde.

Screenshots des Postings und wiederum kopierte Fassungen finden sich reichlich, manche als „Eilmeldung“ markiert und ebenso tausendfach geteilt wie der ursprüngliche Beitrag des Lokführers auf Schiffstour.

An Brenner-Tankstelle Gelächter über die Story

Wegen der Geschichte bricht ein Mitarbeiter in der OMV-Tankstelle am Grenzübergang am Telefon in Gelächter aus: „Dutzende Busse nachts um 3 Uhr? Wenn es einer mitbekommen würde, dann wir. Heuer ist doch gar nichts los, es sind doch kaum Flüchtlinge unterwegs“, sagt er am Telefon.

Und das Beweisvideo?

Ein Video aus Brügg in der Schweiz (über 400km weiter westlich von der Brennerautobahn) wird als angeblicher Beweis angeführt.

Weiterlesen auf:

Wie die Mär von Bussen voller Afrikaner am Brenner entstand
WAZ, 25.07.2017, Autor Lars Wienand

Teaser mit freundlicher Genehmigung

Artikel Vorschaubild: LianeM / Shutterstock.com