Video: Klinikum rechts der Isar

Video: Klinikum rechts der Isar

Von | 6. April 2020, 12:12

Es ist ein Trend, der aus den USA herüberschwappt: Menschen gehen in Kliniken und filmen sich auf der Suche nach Coronapatienten! So auch im Klinikum rechts der Isar geschehen.

Video aus Klinikum: Es handelt sich dabei um eine Methode, mit dem der Verschwörungsmythos aufrechterhalten werden soll. Dieser Mythos besagt, dass es keine hospitalisierten Coronapatienten geben würde.

Ferner wären das Virus und die Schreckensmeldungen eine reine Erfindung, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Und um genau das zu beweisen, gehen Menschen in Kliniken und machen Videoaufnahmen.

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Ende März ist ein erstes Video aufgetaucht, in dem eine Person in ein Berliner Klinikum gegangen ist und von „Nix los“ gesprochen hat (wir haben berichtet). Nur wenige Tage später ist ein Video aus München aufgetaucht.

In diesem Video betritt eine Frau das Klinikum rechts der Isar. Die Aussage ist identisch: In diesem Klinikum würde man keine Notsituation vorfinden. Also die gesamte Situation doch nur von Medien und Regierungen vorgetäuscht?

Faktencheck Klinikum rechts der Isar

In dem Video sieht man tatsächlich keine hektischen Ärzte oder kranke Menschen, die sich in Betten auf den Gängen stapeln. Dieses vermutlich erwartete Szenario grenzt dann doch eher an eine Hollywood-Darstellung aus Katastrophenfilmen, jedoch weniger an der Realität des Klinikums rechts der Isar.

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Zudem haben die Kollegen des ARD Faktenfinders bemerkt, dass die Frau vor dem Krebszentrum des Klinikums steht (Aufschrift an der Tür).. Gleichzeitig hat das Klinikum auch nie behauptet, dass es aufgrund von Covid-19 Erkrankungen überlastet sei. Auf Facebook findet man eine offizielle Aussage des Klinikums rechts der Isar:

Zurzeit kursieren leider viele Fake News zur Coronavirus-Pandemie. 😞 Manche Menschen verbreiten einen unglaublichen Schmarrn in Texten und Videos. UM DAS KLARZUSTELLEN: Das Klinikum rechts der Isar versorgt eine steigende Zahl von Covid-19-Patient*innen, ist jedoch NICHT überlastet. Am Mittwoch, 1. April, betreuten wir rund 70 Patient*innen mit Covid-19 – gut ein Drittel davon auf der Intensivstation. Wir haben Kapazität für wesentlich mehr Patient*innen, die wir auf speziell dafür eingerichteten Stationen versorgen. 💪 Alles verläuft ruhig und geregelt. Wir haben uns wochenlang vorbereitet und haben aktuell auch genügend Schutzkleidung für unsere Mitarbeiter*innen. 😷
Bitte glaubt und teilt nicht alles, was Ihr seht oder lest! 🙏Vertraut nur auf seriöse Quellen! Die Situation ist auch ohne Fake News belastend genug für uns alle. 😞
Dankeschön. Euer Klinikum rechts der Isar ❤️

Der Bayerische Rundfunk hat ebenfalls einen Faktencheck zu diesem Video veröffentlicht (siehe hier). Darin erfährt man:

Aktuell (Stand 1. April) behandle das Klinikum „70 Patient*innen mit Covid-19“, davon seien „gut ein Drittel davon auf der Intensivstation“, so die Sprecherin weiter. man habe jedoch „Kapazität für wesentlich mehr Patient*innen.“

Was soll das Ganze?

Die Idee hinter dieser Art von Videos ist klar! Wie bereits eingangs erwähnt, soll mithilfe dieser bewusst amateurhaft gestalteten Videos der Eindruck vermittelt werden, es bestünde gar keine Notsituation und somit wären auch alle dazu getroffenen Maßnahmen unsinnig.

Die Art und Weise, wie diese Videos gemacht werden, ist nicht dumm! Die Protagonisten platzieren sich bewusst an einer Stelle eines Klinikums, die eher ruhig ist, bzw. sie besuchen die Orte zu Uhrzeiten, an denen kein Publikumsverkehr stattfindet.

Gleichzeitig ist die amateurhafte Darstellung ein wichtiges Mittel, denn dadurch wird eine Art Authentizität vermittelt. Eine gewisse Spontanität soll damit zum Ausdruck kommen und dass diese Aufnahmen nicht gestellt sind.

Damit werden gefährliche Verschwörungsmythen unterstützt, die am Ende gar kontraproduktiv wirken können. Denn wer sich aufgrund von Falschinformationen über die bisher getroffenen Maßnahmen hinwegsetzt, bringt die bisherigen Fortschritte in Gefahr. Mehr noch: Diese Art der Destabilisation kann zu Unruhe führen und somit eine Gesellschaft lähmen.

UPDATE!

Wir haben mittlerweile direkten Kontakt mit der Uploaderin des Videos gehabt. Sie konnte glaubhaft versichern, dass sie, im Gegensatz zu dem Video mit Billy Six, keinen Verschwörungsmythos vorantreiben wollte und weder das Klinikum diffamieren, noch das Virus herunterspielen wollte.

Wir werden hierzu einen Artikel mit dem Gesprächsverlauf veröffentlichen.

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