Das nicht vorhandene Video des Eisbären, der eine Frau tötet

Von | 16. September 2019, 13:28

Seit einigen Tagen verbreitet sich auf Facebook ein scheinbares Video eines Eisbären, der eine Frau tötet.

Was allerdings wie der Link zu einem Video aussieht, ist nur eine Clickbait-Falle, um Nutzer dazu zu bringen, Push-Benachrichtigungen einer neuen Internetseite zuzulassen. Diese Pushnachrichten wiederum führen zu zweifelhaften Angeboten!

Dieser Beitrag wird in verschiedenen Sprachen auf Facebook geteilt:

Je nach in Facebook eingestellter Sprache hat der Beitrag einen anderen Titel.

In Deutsch heißt der Artikel:

„Der weiße Bär zerreißt die Frau innerhalb von Sekunden, nachdem sie gefallen ist“

Auf dem Bild, welches einen Play-Button in der Mitte zeigt und somit suggeriert, dass man ein Video sehen könne, sieht man einen Eisbären, der sich auf eine Frau im Wasser stürzt, unten rechts ein Foto, welches die vermeintliche Frau zeigen soll.

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Klickt oder toppt man nun auf den Artikel, gelangt man auf eine Seite, welche optisch wie Facebook aussieht und einen dazu auffordert, das Video erst zu teilen, bevor man es sehen kann:

Screenshot: mimikama.at

Hat man nun das Video geteilt, wodurch der Beitrag in der eigenen Timeline auftaucht, kommt man auf eine schwarze Seite mit einem großen Play-Button, dazu die Aufforderung, dass man erst noch zulassen muss, Benachrichtigungen von dieser Seite zu erhalten:

Screenshot: mimikama.at

Nicht nur am Smartphone, sondern auch am Desktop wird man dazu aufgefordert, Push-Benachrichtigungen zuzulassen.
Dadurch kann die Seite dann Neuigkeiten auf denDesktop bzw. das Smartphone senden, auch wenn die Seite nicht geöffnet ist.

Klickt oder tippt man nun erwartungsvoll auf den Play-Button, wird man herbe enttäuscht:

Screenshot: mimikama.at

Eine Fehlermeldung erscheint über dem vermeintlichen Video, man habe angeblich das Video nicht geteilt.

Was für Pushnachrichten bekommt man dann?

Keine seriösen Nachrichten! Man wird dann  mit Links zu Datingseiten und Gewinnspielen überschwemmt, bis der Benachrichtigungston vom Smartphone heiser ist!

Screenshot: mimikama.at

Es gibt gar kein Video!

Was dort als vermeintliches Video zu sehen ist, stammt bereits aus dem Jahr 2009!
Am Karfreitag 2009 kletterte die lebensmüde Mandy K. im Berliner Zoo über das Absperrgitter des Eisbärengeheges und sprang ins Wasser. Sie wurde von zwei Eisbären attackiert, konnte aber noch rechtzeitig mit schweren Verletzungen von den Tierpflegern gerettet werden.
Das Foto (!) stammt von einem Fotografen namens „Radzick„, es stammt nicht aus einem Video.

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Und das Foto unten rechts?

Das sollte nun nicht überraschend sein:
Es zeigt auch nicht Mandy K., sondern ist ein Stockphoto, welches auf vielen Seiten verwendet wird:

Screenshot: mimikama.at

Fazit

Ein Video gab und gibt es zu keinem Zeitpunkt zu sehen. Die Seite, auf der das Video zu sehen sein soll, ist erst wenige Tage alt, diese Methode soll dazu verführen, Benachrichtigungen der Seite zuzulassen.
Diese Push-Benachrichtigungen sind dann auch ziemlich lästig und führen auf Sex-Dating-Seiten und unseriöse Gewinnspiele von Datensammlern!

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