Wir Europäer haben echt Glück, nicht nur, dass wir heutzutage in der längsten Friedensphase leben, die Europa je kannte, nein wir haben auch noch Jugendzeitschriften wie die „Bravo“. Warum? Weil wir bereits in der Schule Sexualkundeunterricht haben, wir sind mindestens grundlegend aufgeklärt.

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Das ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Es gibt viele Staaten, bei denen gehört es nicht zur allgemeinen Schulbildung, gerade Länder mit überwiegend muslimischer Bevölkerung konnten diese Bildungslücke nie richtig schließen.

Ein Info-Portal soll diese Lücke jetzt schließen, dafür wird das Portal recht stark angefeindet.

Zanzu – Mein Körper in Wort und Bild“ ging Ende Februar 2016 an den Start. In 13 Sprachen werden alle Aspekte rund um die Sexualität erklärt, sowohl in einfachen, kurzen Texten als auch mit Bildern und für Menschen, die nicht lesen können sogar zum Hören.

Die Idee

Die Idee für diese Plattform stammt aus Belgien, entwickelt wurde die Seite von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zusammen mit SENSOA, dem belgischen Zentrum für sexuelle Aufklärung und Gesundheit.Grundlage für diese Seite waren die langjährig praxiserprobten BZgA-Präventionsmappen. Der gesamte Entwicklungsprozess wurde zudem kontinuierlich von einem internationalen Beratungsgremium begleitet, dessen Mitglied auch die WHO (Regionalbüro Europa) war, wie uns Diana Kostrzewski, Referentin der BZgA, freundlicherweise auf Anfrage mitteilte.

Was will Zanzu?

Schlicht und einfach gesagt: sexuelle Aufklärung für alle, ohne sprachliche oder kulturelle Hindernisse. Die Plattform richtet sich auch nicht an Teenager, sondern an Erwachsene, denen eine sexuelle Aufklärung bisher fremd war. Aber auch Ärzte und Lehrpersonen werden damit angesprochen, um beispielsweise Migranten auf einfache Weise verschiedene Aspekte der Sexualität zu erklären.

Warum die Aufregung?

Eigentlich gibt es keinen Grund sich aufzuregen. Gerade in Zeiten von ungewollten Schwangerschaften und teilweise bizarren Sexmythen á la „Wenn man beim Sex Socken trägt, kann man nicht schwanger werden“ oder „Wer oben liegt bestimmt, ob es ein Junge oder Mädchen wird“ ist eine Sexualaufklärung national und international mehr als notwendig und wichtig.

Aber eben genau diese Aufklärung, die auch Flüchtlingen zugänglich gemacht wird, ist es, die bei einigen Seitenbetreibern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Es kann ja wohl nicht angehen, dass man „diese Asylanten“ auch noch aufklärt!

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Quelle: Rottweil

Andere, wie der Youtuber Hagen Krell, spinnen das Ganze noch weiter, indem sie behaupten, die sei ein „Rat der Regierung“ zum Multikulti-Sex und sei „vermutlich Teil eines Eugenik-Programms gegen die weiße Bevölkerung“.

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Quelle: Youtube

Und wenn man sich irgendwo über Flüchtlinge aufregt, ist natürlich eine Partei wie die AfD nicht weit, die die Empörung über jenes Portal natürlich auch ausschlachten möchte.

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Schlüssige Argumente?

Kurz gesagt ist die Argumentation: „Wer Flüchtlingen zeigt, wie Sex funktioniert, fordert sie im Prinzip dazu auf, möglichst schnell Sex zu haben“. Zusätzlicher Aufreger ist für Personenkreise, die ihr Land möglichst arisch halten wollen, natürlich die Bebilderung, denn man sieht, oh Graus, dunkelhäutige Männer mit hellhäutigen Frauen, aber auch hellhäutige Männer mit dunkelhäutigen Frauen sowie Paare, die die gleiche Hautfarbe haben. Politisch korrekt wurde also eigentlich nicht spezifisch auf eine Hautfarbe geachtet, man findet alle Variationen gleichermaßen verteilt. Aufgeregt wird sich natürlich nur über die Kombination „Dunkelhäutiger Mann – Hellhäutige Frau“.

„Dies ist eine Aufforderung zum Sex!“

Ein wenig belustigend ist es schon, dieses Argument zu hören. Die älteren Generationen können sich vielleicht daran erinnern, dass genau das in den 70er Jahren schon über die Jugendzeitschrift „Bravo“ gesagt wurde, als das Dr. Sommer-Team Aufklärungsarbeit betrieb. Die Generation 40+ sollte eigentlich bestätigen können, dass sie deswegen nicht zu „Sex-Maniacs“ wurden, sondern im Gegenteil verantwortungsvoller mit dem anderen (oder wahlweise dem eigenen) Geschlecht umgingen. Auch damals funktionierte Aufklärung schon sehr gut, ohne dass es Massenvergewaltigungen gab, weil Jugendliche durch die„Bravo“ etwa zum Sex angestachelt wurden.

„Es wird zu mehr sexuellen Übergriffen von Migranten kommen!“

Ist dem so? Oder kamen Übergriffe wie z.B. in der Silvesternacht in Köln nicht gerade deswegen, weil es keinerlei Aufklärung gab, was erlaubt ist und was nicht? Darüber kann man sich natürlich streiten, aber auch daran dachten die Macher von „Zanzu.de“, denn auch über die No-Go’s in Sachen Sex wird aufgeklärt:

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„Die schauen sich das eh nicht an!“

Wie wir schon betonten, ist die Seite nicht nur dazu da, dass Flüchtlinge alleine darauf rumsurfen, sondern auch als Lehrmaterial für Ärzte und Betreuer geeignet, um sexuell unerfahrenen Personen sämtliche Aspekte des Themas nahe zu bringen. Das Argument zählt also nun wirklich nicht.

Fazit:

Ja, diese Seite richtet sich vorwiegend, aber nicht nur, an Flüchtlinge. Ja, es wird dort mehr oder weniger explizit die häufigsten Formen von Sex gezeigt, aber auch im nicht geringen Maße Aufklärung und Prävention betrieben. Natürlich fürchten sich Anhänger von rechtsgerichteten Parteien davor, denn nichts ist schlimmer als ein aufgeklärter Flüchtling, der gelernt hat, sich gegenüber dem anderen Geschlecht zu benehmen. Dann könnte man sich ja gar nicht mehr aufregen!

Im Endeffekt haben wir eine Seite, die durch jahrelange Erfahrung und Zusammenarbeit mit Experten entstanden ist. Auf uns Europäer mag sie teilweise unfreiwillig komisch wirken, jedoch bei Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen wurde die Seite durchwegs positiv aufgenommen, wie sowohl Sensoa als auch Ärzte und Beratungsstellen laut der Süddeutschen Zeitung berichten.

Eine „Auslöschung der weißen Rasse“ wird damit ganz sicher nicht propagiert. Auch nicht zum wilden Sex aufgefordert. Sondern schlicht und einfach internationale Aufklärung betrieben, so wie es Jugendzeitschriften schon seit Jahrzehnten machen.

Wer sich darüber wirklich noch aufregt, ist mit dem Kopf in den 50er Jahren stecken geblieben.

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