Verschwörungstheorien: Trost in unfairer Welt
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Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften sowie aktuelle Lebenssituation von Menschen relevant

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Personen mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften und kognitiven Ansätzen glauben eher an Verschwörungstheorien als andere. Zu diesem Fazit kommt Psychologe Josh Hart vom Union College. Er hat jetzt untersucht, was selbst die absurdesten Theorien für die Menschen so anziehend macht. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Individual Differences“ veröffentlicht.

„Diese Menschen neigen dazu mehr misstrauisch, wenig Vertrauen zu haben, exzentrisch zu sein und die Welt als einen von Natur aus gefährlichen Ort anzusehen“,

so Hart. Sie neigten auch dazu, Muster mit einer Bedeutung zu erkennen, wo sie wahrscheinlich gar nicht vorhanden sind. Menschen, die eher nicht an Verschwörungstheorien glauben, verfügen über die genau entgegengesetzten Eigenschaften.

1.200 US-Amerikaner befragt

Gemeinsam mit der Studentin Molly Graether hat Hart mehr als 1.200 erwachsene US-Amerikaner befragt. Den Teilnehmern wurde eine Reihe von Fragen zu ihren Persönlichkeitseigenschaften, parteipolitischen Interessen und dem demografischen Hintergrund gestellt. Zu den Fragen gehörte zum Beispiel: „Die Macht, über die die Staatschefs verfügen, ist geringer als jene von kleinen, unbekannten Gruppen, die die Weltpolitik wirklich kontrollieren“ oder „Gruppen von Wissenschaftlern manipulieren, fingieren oder unterdrücken Beweise, um die Öffentlichkeit zu täuschen“.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Menschen, zu Verschwörungstheorien neigen, die ihre politischen Ansichten bestätigen oder für gültig erklären. Republikaner zum Beispiel sind viel eher als Demokraten bereit zu glauben, dass der frühere US-Präsident Barack Obama nicht in den USA geboren wurde oder dass der Klimawandel nur ein Schwindel ist. Demokraten hingegen sind eher bereit zu glauben, dass Donald Trump gemeinsame Sache mit den Russen gemacht hat, erläutert Hart.

Manche Menschen sind auch notorische Verschwörungstheoretiker, die einer ganzen Reihe von Theorien anhängen. Sie gehen zum Beispiel davon aus, dass die Weltpolitik von einer Intrige und nicht von den Regierungen kontrolliert wird oder dass Forscher die Öffentlichkeit systematisch täuschen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Persönlichkeit oder andere individuelle Eigenschaften eine Rolle spielen dürften.

Konstellation bewirkt Schizotypie

Hart und Graether wollten auf diesen Forschungen aufbauen und testen, wie viele der zuvor identifizierten Eigenschaften den typischen Glauben an Verschwörungen erklären. Dadurch, dass zahlreiche Eigenschaften gleichzeitig untersucht wurden, konnten die beiden jene herausfiltern, die sich als die wichtigsten erwiesen.

„Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass der stärkste Prädiktor für den Glauben an Verschwörungen eine Konstellation von Charaktereigenschaften ist, die allgemein als Schizotypie bezeichnet wird.“

Diese Bezeichnung verweist zwar auf die Schizophrenie, beinhaltet aber keine klinische Diagnose. Harts Studie zeigt auch, dass Verschwörungstheoretiker über ausgeprägte kognitive Tendenzen verfügen: Sie waren eher als andere Menschen dazu bereit, unsinnige Erklärungen als fundiert anzusehen. Diese Personengruppe war auch eher bereit zu sagen, dass Objekte wie Dreiecke, die sich über den Bildschirm bewegen, vorsätzlich handeln. „Anders gesagt: Sie leiteten Bedeutung und Motiv ab, wo andere Menschen das nicht taten.“

Entscheidend ist laut Hart, dass sich Verschwörungstheorien von anderen Weltanschauungen dahingehend unterscheiden, dass sie grundlegend düster sind. Das unterscheidet sie von den positiven Botschaften zum Beispiel bei Religionen oder im Bereich der Spiritualität.

„Sieht ein Mensch die Welt als chaotische und heimtückische Umgebung voll von sinnloser Ungerechtigkeit und Leiden, dann kann vielleicht ein klein wenig Trost in der Vorstellung gefunden werden, dass eine Einzelperson oder eine kleine Gruppe von Menschen dafür verantwortlich ist“,

heißt es abschließend in der Untersuchung.

Vorschaubild: Shutterstock / HomeArt
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