Vor allem im Oktober häufen sich die Horror-Warnungen über vergiftete Halloween-Süßigkeiten. Gibt es ihn wirklich? Den “Kinderhasser” hinter der Nachbarstür, der deinen Nachwuchs vergiften will?

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Besonders in letzter Zeit erhalten wir sehr viele Anfragen zu Warnungen, die vor allem über soziale Medien vor vergifteten Süßigkeiten in den Halloweentüten der lieben Kleinen warnen.

Vergiftetes Brausepulver, Ecstasy-Pillen in Totenkopfform… was ist dran an diesen Geschichten? Gibt es wirklich Menschen, die aus einer Laune heraus die Kinder der Nachbarn morden wollen? Am besten im Stile der bösen Hexe in Schneewittchen, mit dem roten Apfel der Verlockung?

Dass solche gepantschten Süßigkeiten tatsächlich im Umlauf sind, konnte polizeilich und auch sonst nicht bestätigt werden – zumindest nicht in Europa.

Denn es gibt ihn, den einen Fall, in dem ein Junge an vergifteten Halloween-Süßigkeiten gestorben ist und zwar an einer Zyanid-Vergiftung, verursacht durch einen präparierten “Pixy Stick”, den der Junge in seiner Halloween-Tüte hatte.

Wer jetzt denkt, dass der nette Herr XY von Hausnummer Unendlich in Wirklichkeit ein blutrünstiger Kindermörder ist und schon ewig auf den einen Moment der Rache an dem Kind seines Erzfeindes gewartet hat, der hat falsch geraten.

Denn der Mörder dieses Jungen war sein eigener Vater.

Vater will an das Geld der Lebensversicherung

Wie die Webseite Smithsonian berichtet, wollte der Familienvater zweier Kinder 1974  an die Lebensversicherung seiner Kinder im Wert von $ 40.000 kommen, um seine Schulden zu bezahlen und schaffte es tatsächlich, indem er eines der beiden an Halloween vergiftete.

Um seine Tat zu vertuschen, schob er die präparierten Süßigkeiten nicht nur seinen eigenen Kindern unter, sondern auch noch mindestens vier anderen Kindern aus der Nachbarschaft, um die Ermittlungen von sich abzulenken.

Ronald Clark O’Bryan flog jedoch im Endeffekt auf und wurde 1984 in Texas exekutiert.

Soziologe Joel Best der Universität Delaware beschäftigte sich beinahe 30 Jahre damit, ob die Behauptung stimmt, dass Fremde zu Halloween vergiftete Süßigkeiten verteilen würden.

Aber auch er stieß auf keinen einzigen offiziell bestätigten Fall, der beweisen würde, dass der Fiesling von nebenan tödliche Süßigkeiten in Halloween-Tüten legt.

Woher kommt die Angst vor dem “Candyman” oder „Bogeyman“?

Dass jedoch immer wieder solche Geschichten, vor allem im Internet, kursieren, ist verständlich.

Denn Eltern predigen ihren Kinder eigentlich das ganze Jahr über, dass sie keine Süßigkeiten von Fremden annehmen sollen.

Es gibt genug bestätigte Fälle, in denen Kinder, angelockt mit Süßigkeiten, entführt oder sexuell missbraucht wurden und dann gibt es Tage, wo der geliebte Nachwuchs durch die Straßen zieht und genau eben dies tut: Süßigkeiten von Fremden sammeln – je mehr, desto besser.

Da ist es nicht verwunderlich, dass vor allem Eltern solche Warnungen, auch wenn sie sich zum Schluss als Falschnachrichten herausstellen, sehr ernst nehmen und es nicht zulassen, dass ihre Kinder Halloween-Süßigkeiten von Fremden bekommen. Erstaunlicherweise gibt es diese Ängste beim Martinssingen und bei den an Karneval gefangenen Kamellen nicht…

Was auch wirklich verantwortungsbewusst und wichtig ist – Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Doch rechtfertigt eine gesunde Einstellung zu moralisch bedenklichen Handlungen, wie das Verteilen von vergifteten Süßigkeiten, unnötige Panikmache durch Clickbait-Beiträge mit erfundenem Inhalt?

Schlusswort:

Natürlich ist es vorbildhaft, seine Kinder vor Gefahren schützen zu wollen.

Es entsteht jedoch, wie es in der Natur der Medien liegt, eine mächtige Lawine der Panikmache, wenn man Falschnachrichten im Internet verbreitet.

Klar, das mit der Angst funktioniert immer, doch wer den Fokus ständig auf Gefahren legt, die es gar nicht gibt, verliert vielleicht auch den Blick für das Wesentliche und zwar, dass es zum größten Teil Menschen gibt, die einfach nur ein Volksfest bzw. Brauchtum feiern möchten. Zwar ein gruseliges Fest mit Untoten, aber nicht unbedingt mit echten Toten und schon gar nicht vergifteten Kindern.

Denn Panik generiert mehr Panik, auch wenn es einen vielleicht gar nicht direkt betrifft.

Und wer dem Nachbarn derart misstraut, sollte eventuell in Betracht ziehen, die Gemeinschaft, in der er lebt, mal ein bisschen besser kennen zu lernen.

Um so nachdenklicher und trauriger macht es, dass der Fall des vergifteten und ermordeten Jungen O’Bryan aus der Geldgier seines Vaters entsprang.

 

Lektorat: Beate

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