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Krasse Aussagen von Politikern oder Menschen des öffentlichen Lebens in Form von Zitatenbildern auf Facebook, welche beim Leser ein Kopfschütteln verursachen. Und vor allem Wut entfachen.

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Wut auf Aussagen wie “die Nationalmannschaft heiße jetzt laut Löw „Integrationsmannschaft“” oder Politiker würde Sex mit Kindern in Ordnung finden lassen sich vermehrt auf Facebook finden. Diese Art der Zitate entstehen Durch die Nutzung verschiedener Techniken und stellen am Ende keine echten Zitate dar, sondern eine verdrehte Darstellung von Inhalten. Diese Art der Zitate werden von der Webseite “Halle-Leaks” publiziert und sind optimiert für die Darstellung der Facebookvorschau.

Vorschaudarstellung

Der Fokus in der Darstellung der Zitate liegt in der Vorschau auf Facebook, der dazu gehörige Artikel auf der Webseite ist eher zweitrangig und auch kurz gehalten. Die Facebookvorschau transportiert bereits alles, was ausgesagt werden soll, ein Beispiel dazu ist die folgende Grafik:

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(Screenshot: Facebook)

Natürlich kann man diese Vorschau anklicken, worauf sich eine Webseite lädt, die das Zitatbild als zentrales Element wiederholt und einen recht kurzen Beitext unter der Grafik beinhaltet. Dieser Beitext stellt meist einen recht ähnlichen Satz dar, welcher von einer Medienwebseite entnommen wurde. Oftmals stellen diese Teile jeweils nur einen einzelnen Satz dar, welcher für die Zitatbildung interpretiert und verändert wurde. Um den gesamten inhaltlichen und auch historischen Kontext zu erfassen, muss die Quellseite besucht werden. Sprich: der Verständnisablauf erfolgt in 3 Schritten:

  1. Manipuliertes Zitat als primäres Vorschauelement
  2. verkürzte Darstellung als sekundäres Element auf der Webseite, was oftmals gar nicht mehr wahrgenommen wird
  3. als letztes Element in der Kette steht ein Klick auf den Quellort, welcher zwar für das Verständnis des Inhaltes notwendig ist, jedoch aufgrund der deutlich plakativen Darstellung des Vorschaubildes fast gar nicht mehr von vielen Lesern getätigt wird.

Dabei ist der dritte Schritt meist der Wichtigste, da hier recht deutlich wird, welche Aussage real getätigt wurde und sich somit die Diskrepanz zwischen plakativer Vorschau auf Facebook und realer Gewichtung der Aussage zeigt.

Binäre Darstellung

Es gibt nur schwarz oder weiß, gut oder böse, richtig oder falsch. Die Aussagen der Facebookvorschau kennen nur die Extreme und wollen diese auch bewusst so darstellen. Dies geschieht schon allein durch die kontrastreiche Wahl der weißen Schrift auf schwarzem Hintergrund. Die inhaltliche Linie ist sehr einfach und demagogisch aufgebaut: die vermeintlich Bösen wollen den vermeintlich Guten ans Leder. Greifen wir das vorangegangene Beispiel ein weiteres Mal auf:

Horrorclowns höhere Priorität als Flüchtlingskriminalität

Wir sollten aufhören, die Kriminalitäts- und Vergewaltigungswelle durch Flüchtlinge zu thematisieren.

Abgesehen davon, dass der dargestellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière diese Worte nie gesagt hat, ja selbst den Zusammenhang auch gar nicht aufgebaut hat, gibt es natürlich keine Einzelfokussierung von Gefahren. Hier wird lediglich in der Darstellung bewusst reduziert, um einen überhöhten Kontrast aufbauen zu können.

Aufbau falscher Zusammenhänge und Änderung der Kernaussagen

Der Kernpunkt der Zitate liegt jedoch in dem Aufbau interpretierter Zusammenhänge. Wie bereits beschrieben, werden Zitate oder einzelne Stichwörter aus real existierenden Medienveröffentlichungen genommen und diese mit Hilfe einer manipulativen Interpretation in einen radikalisierten Zustand versetzt. Da wird schnell eine Behauptung in einen Mund gelegt, die so nicht getätigt wurde. Als Beispiel kann man hier Löws Dankesrede anführen, welche laut Halle-Leaks eine Umbenennung der Nationalmannschaft darstelle.

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(Screenshot: Facebook)

Schaut man sich die Dankesrede an, so erkennt man recht zügig, dass es weder eine Forderung, noch überhaupt diese Umbenennung gab (offizieller Kanal [1], alternativ [2]). Hier wird deutlich: eine interpretierte Meinung wird in einem falschen Zitat wiedergegeben.

Manipulative Auslassung und Verkürzung

Ebenso bemerkt man in beiden vorangegangenen Beispielen: aufgrund der Auslassung und Verkürzung von Inhalten wird ein neuer Informationsgehalt erschaffen, welcher so nicht stimmt. Natürlich spricht ein Bundestrainer Löw nach dem Empfang des Integrations-Bambi auf der Bambiverleihung 2016 primär von den integrativen Leistungen innerhalb der Mannschaft. Dieses Thema steht natürlich im Mittelpunkt. Der inhaltliche Spagat auf Kriminalität und Vergewaltigungen ist an dieser Stelle eher darin geschuldet, dass hier durch bewusste Auslassung des inhaltlichen Kontextes die Brücke geschlagen wird [3]:

Dass diese Vögel in ihren Villenvierteln überhaupt nicht mitbekommen, welches harte Los dieser multikulturelle Wahnsinn mit all der Kriminalität und den Vergewaltigungen ist, scheint Löw nicht zu interessieren…

Besonders deutlich wird das Zusammenspiel dieser Mechanismen bei der folgenden Zitatgrafik: die vermeintliche Entfernung weihnachtlicher Symbole aufgrund von Flüchtlingen ist eines dieser Resultate. Die Forderung, Christbäume aufgrund von falschverstandener Toleranz abzuschaffen, existierte nie. Auch nicht von den Grünen, denen immer wieder (gerne) die Abschaffung christlicher Kultur vorgeworfen wird.

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Die Auslassung an dieser Stelle: es geht bei diesem Thema real um den Christbaum in Düsseldorf, welcher alljährlich aus Norwegen importiert wurde. Die Forderung der Grünen liegt NICHT in der generellen Abschaffung des traditionellen Symbols, sondern in der Nutzung von ungeschlagenen Bäumen, also Tannen, welche noch verwurzelt sind. Als “unzeitgemäß” wird nicht die Tradition “Weihnachten” gesehen, sondern der Kauf eines teuren Christbaums aus Norwegen.

Radikalisierter Umkehrschluss als Hauptaussage

Vom Justizminister zum Luden? Dieser Schritt ist insofern gelungen, als dass die Auffassung einer zu schwachen Gesetzgebung als das Gegenteil ausgelegt wird. Hier konstruiert die Seite den Vorwurf der Zuhälterei, obschon diese eben nicht vorhanden ist.

Gleichzeitig wird ein potentieller Radikallfall konstruiert (56 jähriger Mann und 6 jähriges Mädchen) und als Quasizitat verbreitet, welches jedoch in der Realität nicht existiert. Ebenso liegt auch keine Billigung von Kinderehen vor: eine Billigung von Kinderehen läge dann vor, wenn das vorhandene Gesetz abgeschafft worden wäre.

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Schauen wir hinter die Seite

Die Webseite Halle-Leaks trägt im Gegensatz zu ähnlich arbeitenden Webseiten ein Impressum mit einen greifbaren Verantwortlichen. Betreiber der Seite ist laut Impressum Sven Liebich, der nach eigenen Angaben zwar aus der rechten Szene ausgestiegen sein soll, jedoch dies von anderen Stellen bestritten wird. Die Berliner-Zeitung (BZ) schreibt über den Inhaber [4]:

Unternehmer Sven Liebich (41) aus Halle (Sachsen-Anhalt). In den 90er-Jahren war Liebich führendes Mitglied in der rechten Szene, u. a. bei der seit 2000 verbotenen Organisation „Blood & Honour“.

Er behauptet, bereits 2003 aus dieser Szene ausgestiegen und inzwischen Mitglied der Linken zu sein.

Liebigs Ausstieg aus der Szene wird auch in der Mitteldeutsche Zeitung (MZ) in Frage gestellt [5], so liest man dort unter dem Titel “Bizarrer Auftritt eines umstrittenen Hallensers in Sebnitz”:

Keine Belege für den Ausstieg

Glaubwürdig? „Für einen Ausstieg gibt es bis heute keine Belege“, sagt Szene-Beobachter Hahnel. Auch Henriette Quade, Landtagsabgeordnete der Linken, hat Zweifel an dieser Erzählung. Liebich habe im vergangenen Oktober eine Montagsdemo angeführt, bei der organisierte Neonazis der Kamerad „Brigade Halle“ und sogenannte „Reichsbürger“ mitgelaufen seien

Fassen wir zusammen

Die Methodik ist also recht deutlich:

  • verkürzen
  • radikalisieren
  • auslassen
  • interpretieren
  • verdrehen

Dieser rote Faden zieht sich durch die Themen, welche im allgemeinen sehr tendenziell bis radikal aufbereitet werden. “Wer nicht dafür ist, ist dagegen”. Man könnte ebenso vereinfacht herunterbrechen: nur weil jemand keinen Führerschein hat, hasst er nicht gleich die Automobilbranche. Das von Halle-Leaks aufgebaute Bild mithilfe von Zitatbildern ist in den meisten Fällen nicht nur grob-falsch, sondern auch gefährlich manipulativ: einzelne Teilaspekte werden gewollt ihrem Zusammenhang entrissen, werden in einen kontrastreichen Zusammenhang neu gepflanzt und in ihrer Darstellen radikalisiert, so dass sie nicht mehr stimmen.