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Seit wenigen Tagen ist ein Video in den sozialen Netzwerken zu sehen, welches eine bizarre Situation zeigt: ein Mann “blockiert” mit seinem Fahrrad des Nachts eine Kreuzung. In Erwartung auf haltende Fahrzeuge wirft sich dieser auf die Motorhaube des haltenden Fahrzeugs, um so einen Unfall dazustellen.

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Dieses Szenario soll sich in Mannheim abgespielt haben, ersten unverbindlichen Prüfungen nach dürfte die Ortsangabe auch korrekt sein. Was in dem Video zu sehen ist, entspricht natürlich einer Straftat:

„Flüchtling täuscht Unfall vor“

So lautet der Titel dieses Videos. Über den Status der Person auf der Motorhaube können wir derzeit noch keine gesicherten Angaben machen, jedoch können wir sagen:

Wir haben das Video bereits am gestrigen Abend (Sonntag, 09.10.2016) an die Polizei Mannheim geleitet, mit der wir nun in Kontakt stehen. Man informierte uns bereits darüber, dass dieses Video mehrfach an die Polizei gesendet wurde und derzeit untersucht wird. Folgende Pressemitteilung hat die Polizei dazu herausgegeben:

POL-MA: Mannheim: Video im Netz – Mann springt auf Motorhaube; Verkehrsunfall vorgetäuscht? Verkehrspolizei ermittelt; Zeugen dringend gesucht

Mannheim (ots) – In den sozialen Medien kursiert derzeit ein Video, wo ein Mann zu sehen ist, der auf die Motorhaube eines Autos springt und dort kurzzeitig liegen bleibt.

Das Auto steht offenbar an einer roten Ampel und wartet auf die Weiterfahrt. Einige Meter davon entfernt erkennt man ein Fahrrad auf der Straße liegen sowie einen blauen Sportbeutel. Derjenige, der das Video produzierte, ist wohl der bislang unbekannte Autofahrer, der mit dieser Situation konfrontiert wurde. Nachdem es offenbar ein kurzes Wortgefecht zwischen dem Autofahrer und der Person auf der Motorhaube gegeben hatte und dieser dann wieder abgesprungen war und sein Fahrrad zur Seite trug, fuhr der Autofahrer weiter.

Von Seiten der Polizei wurden noch keine Ermittlungen aufgenommen – eine Anzeige lag bislang noch nicht vor.

Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand, könnte sich das Geschehen an der Einmündung Goethestraße (B 38)/Friedrichsring, Höhe Nationaltheater, ereignet haben. Wann sich der Vorfall ereignete, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Von der Zeit her dürfte es offenbar mitten in der Nacht gewesen sein.

Im Video zu erkennen sind darüber hinaus auch drei Fahrzeuge, die sich im Nahbereich des Geschehens aufgehalten haben, bzw. die Straße gekreuzten. Ein dunkles Fahrzeug, das von der B 38 auf den Friedrichsring einbog und am rechten Fahrbahnrand mit eingeschalteter Warnblinkanlage anhielt, ein weißes Kleinfahrzeug folgte kurz darauf auf gleicher Strecke. Schließlich wartete parallel zum Fahrzeug des „Videoproduzenten“ ein rotes/braunes Fahrzeug auf der rechten Spur an der Ampel.

Die Fahrer, bzw. die Insassen sämtlicher Fahrzeuge sowie der „Video-Produzent“ und die Insassen in dessen Fahrzeug sind für die weiteren Ermittlungen wichtige Zeugen und werden gebeten, sich bei der Verkehrspolizei Mannheim, die die Ermittlungen aufgenommen hat, unter Tel.: 0621/174-4045 zu melden.

Quelle: Polizei Pressemitteilung

An dieser Stelle noch ein Verweis zu dem Kommentar von Hardy Prothmann im „Rheinneckarblog„, der dieses Thema bereits unter dem Stichwort „Medienkompetenz“ aufgegriffen hat.

Hier noch der Verweis zu der geografisch identifizierbaren Stelle der Aufnahme: Google Maps

Vorgetäuschter Unfall

So etwas fühlt sich einfach nicht richtig an: einen Unfall vorzutäuschen, ist eine sehr abartige Abzockmethode. Bereits im Frühjahr 2016 gab es viel Aufregung um diese Methode, besonders in Kärnten machte man davor Aufmerksam, dass sich Betrüger vor Autos fallen lassen. Der Kurier berichtete [1]:

Ein Mann stürzt sich – offenbar absichtlich – vor ein fahrendes Auto und provoziert einen Unfall. Drei derartige Begebenheiten wurden in den vergangenen elf Tagen in Klagenfurt angezeigt, stets handelte es sich bei den „Opfern“ laut Aussagen der Lenker um junge Männer südländischen Typs.

Zu der damaligen Zeit war noch kein solcher Fall in Deutschland bekannt, dieses Video könnte der erste dokumentierte Fall sein. Das Ziel dieser Abzockmethode: die Fahrer sollen vor Ort zu Zahlungen erpresst werden, dann würde der Unfall nicht gemeldet werden. Die Polizei in Kärnten hat im Kurier jedoch ausdrücklich dazu geraten, die Polizei definitiv einzuschalten, da es sich um einen betrug handelt:

Kärntens Polizeisprecher rät den Autofahrern, keinerlei Zahlungen vorzunehmen, auch wenn mit einer Anzeige gedroht werde. Dionisio: „Sofort die Exekutive verständigen und gegebenenfalls selbst Fotos anfertigen. Niemals den Unfallort verlassen, das kann als Fahrerflucht ausgelegt werden.“