Fristen Trüffelsuchhunde wirklich ihr Leben im Käfig?

„Schnüffel die Trüffel!“ – Ist das wirklich Hundequälerei?

Von | 30. April 2019, 16:30

Wird dieser Hund wirklich bei der Trüffelsuche mit einem „sadistischen Apparat in seinem Mund“ misshandelt? Nein – der Maulkorb dient seiner Sicherheit.

Wir erhielten einige Anfragen zu einem Foto eines Hundes, der einen Maulkorb trägt und etwas an Hannibal Lecter erinnert. Eine schmutzige Hand streckt von unten eine Art Knolle ins Bild. Es geht dabei angeblich um die Trüffelsuche:

Screenshot by mimikama.at

Screenshot by mimikama.at

Die Aufgabe dieses Hundes besteht darin, nach Trüffeln zu schnuppern.
Der sadistische Apparat in seinem Mund soll ihn davon abhalten, die Trüffel zu essen.
Sie werden in kleinen Käfigen gehalten = kein Spaziergang, sondern nur eine „Freilassung“ zur „Arbeit“.

Wenn dein Gaumen nach Trüffel verlangt:
Bitte hinterfrage, woher die Trüffel, die du bestellen und essen möchtest, stammen.
Wenn du dir nicht sicher bist, wenn du eine Antwort bekommst, dann esse sie nicht und informiere dich

Nutzer fragen vor allem wegen der Behauptung, dass solche Trüffelsuchhunde in Käfigen gehalten werden und nur zur Trüffelsuche raus dürfen. Mit erhobenen Zeigefinger wird jeder angesprochen, „dessen Gaumen nach Trüffel verlangt“.

Was hat es mit diesem Foto auf sich? Sehen wir hier wirklich einen leidenden Trüffelsuchhund?

Der Faktencheck

Bei dem Hund handelt es sich tatsächlich um einen Trüffelsuchhund. Der Lagotto Romagnolo wird seit Jahrhunderten als Trüffelsucher eingesetzt. Die Rasse stammt aus Italien und gehört zu den beliebtesten Suchhunden für diese wertvollen Pilze.

Das Foto des gezeigten Hundes finden wir zum Beispiel auf diesem italienischen Blog wieder. (Artikel vom August 2016) Auch hier geht es um den Maulkorb. Die Autorin Marta Liberatoscioli ist Veterinärmedizinerin und kennt sich mit der Zucht des Lagottos aus. (siehe auch hier)

Sie beschreibt eine bereits länger vorherrschende Diskussion über den Maulkorb bei der Trüffelsuche – vor allem auch in Verbindung mit dem gezeigten Foto des „Hannibal Lecter“-Hundes. In dem Artikel sind auch weitere Fotos von dem Hund zu sehen.

Liberatoscioli erklärt, dass der Maulkorb eine lebensrettende Vorsichtsmaßnahme für Trüffelhunde darstellt. Leider gibt es in Italien Menschen, die vergiftete Trüffelstücke ausstreuen. Frisst ein Hund diese Köder, stirbt er qualvoll. Der Hintergrund für das perfide Vorgehen der Giftstreuer: Der Wettbewerb. Erfolgreiche Hunde sollen getötet und ihre Besitzer damit ausgestochen werden.

Hunde, die behutsam an den Maulkorb herangeführt wurden, nehmen diesen an wie ein Halsband oder Geschirr. Auch wenn der Hund seine Schnauze nicht vollständig öffnen kann, kann er doch gut atmen. Verwendung findet dieser Maulkorb hauptsächlich im Herbst/Winter – wenn es die feinsten Trüffel (und „damit mehr verrückte Giftmischer“ [sic]) gibt.

Zusätzlich verfasste Marta Liberatoscioli vor etwa zwei Jahren einen Facebook-Post zu diesem Thema, da sie immer wieder mit dem Thema Tierquälerei konfrontiert wurde:

Hier zeigt sie nicht nur den Hund bei der Arbeit, sondern auch, wie er gehalten wird. Die Fotos lassen sich zu einem Mann namens Francesco Palmiero zurückverfolgen. Teilweise hat er die gezeigten Fotos noch auf seinem Facebook-Profil. Die Fotos mit dem Maulkorb hat er jedoch bereits wieder gelöscht oder sie der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich gemacht.

Auf jeden Fall zeigen alle Fotos Hunde, die einer Aufgabe nachgehen, im Bett liegen oder durch Gewässer toben. Für diesen Lagotto zumindest gibt es den beschriebenen Käfig nicht. (siehe auch hier)

Fazit:

Bei diesem Hund handelt es sich nicht um einen gequälten Trüffelsuchhund, der nur für die Jagd auf Trüffel den Waldboden unter den Füßen spürt. Es handelt sich um einen Hund, der artgerecht gehalten wird und sogar ins Bett darf.

Das Anlegen des Maulkorbes dient als Vorsichtsmaßnahme, da es immer wieder vorkommt, dass Gift verstreut wird, um die Konkurrenz auszuschalten.

Das Foto wurde gestohlen und für eigene Zwecke missbraucht (Like-Baiting bzw. Interaktion auf der Facebook-Seite provozieren).

Natürlich kann man nicht ausschließen, dass es irgendwo auf dieser Welt schwarze Schafe gibt, die ihre Hunde nicht gut behandeln. Dieser weiße Lagotto jedoch führt ein ganz normales, wenn nicht sogar ein ziemlich gutes  Hundeleben.

Weiterführende Links:
dog balance
nextquotidiano.it
tipresentoilcane.com
DKN.tv

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