Der Fall Trenton McKinley - Vom Hirntod zurück ins Leben?

Der Fall Trenton McKinley – Vom Hirntod zurück ins Leben?

Von | 22. Januar 2020, 14:53

Aktuell erhalten wir Anfragen zu einem Jungen, der als hirntot galt und kurz vor der Organentnahme wieder aufwachte – genau genommen geht es um Trenton McKinley.

Vom Hirntod zurück ins Leben – Das Wichtigste zu Beginn:

  1. Der 13-jährige Trenton McKinley soll hirntot gewesen und kurz vor der Organspende wieder aufgewacht sein.
  2. Nach einem Unfall lag Trenton McKinley im Koma. Die Ärzte schlugen der Mutter des Jungen eine Organspende vor, doch kurz vor der zweiten Hirntoddiagnose wachte der 13-Jährige wieder auf.
  3. Der Fall ereignete sich im Frühjahr 2018 in Albama, USA. Die abschließende Untersuchung zur Hirntoddiagnose wurde jedoch gar nicht durchgeführt.

Im Frühjahr 2018 ging die Geschichte von Trenton McKinley durch alle Medien. Der damals 13-jährige Amerikaner galt nach einem Unfall laut Medienberichten als „hirntot“.

Seine Mutter unterzeichnete ihr Einverständnis für eine Organentnahme, da die Ärzte davon ausgingen, dass der Junge es nicht überleben würde. Kurz vor der Entnahme zeigte der Junge aber Zeichen von Bewusstsein – war der 13-Jährige wirklich hirntot?

Der Faktencheck

Im März 2018 erlitt der 13-jährige Trenton McKinley in Mobile, Alabama, USA einen Unfall. Er fuhr in einem Anhänger mit, der von einem Buggy gezogen wurde. Der Junge schlug mit dem Kopf auf dem Betonboden auf und wurde von dem Anhänger begraben. Sein Schädel erlitt an sieben Stellen Frakturen.

Nachdem Trenton ins Krankenhaus eingeliefert wurde, erstellte seine Mutter, Jennifer Reindl Banks, eine Facebook-Seite, um Spenden zu sammeln. Am 22. März 2018 postete sie einen Beitrag, in dem sie erzählte, dass Trenton „zweimal operiert wurde und vier Mal auf dem Tisch starb. Einmal für 15 Minuten. … Sein Herz schlug nur, aufgrund des Adrenalins und selbst dann waren seine Vitalwerte 40 zu 20 und seine Körpertemperatur 81 [Grad Fahrenheit = 27 C°; Anmerkung der Redaktion]…..sie sagten, wenn sein Herz das nächste Mal stoppte, mussten sie ihn sterben lassen.“

Daraufhin schlugen ihr die Ärzte vor, dass sie ein „Papier“ unterschreiben könne, um seine Organe zu spenden und fünf andere Kinder zu retten. „Sie würden ihn bis Montag weiter mit Adrenalin vollpumpen“. Sie unterzeichnete die Organentnahme, denn sie „wusste, er [Trenton] würde nicht zögern, fünf weitere Leben zu retten“.

Bereits am nächsten Tag erhielt sie einen Telefonanruf vom Krankenhaus, „das abschließende EEG“ wurde abgesagt. „Kurz bevor sie die Entnahme durchführen wollten, bewegte sich seine Hand und der Fuß. … Sie sagten niemand war jemals vom vollständigen Tod des Hirnstamms und des Herzens zurückgekehrt.“

Details zur Hirntoddiagnostik

Quarks zufolge gibt es immer wieder Zweifel und Ungereimtheiten in der Hirntoddiagnostik. So machte nicht nur Trenton Schlagzeilen, sondern auch der Brite Steven Thorpe, der vier Jahre nach seiner Hirntoddiagnose ein Studium begonnen hatte.

Aber auch hierzulande brachen Ärzte im Dezember 2014 eine geplante Organentnahme bei einer Frau ab, weil ihnen plötzlich Fehler im Protokoll der Hirntoddiagnose aufgefallen waren. Es zeigte sich später, dass die Frau aber tatsächlich hirntot war.

Das wirft die Frage auf, wie sicher ist eigentlich eine Hirntoddiagnose?
Zum einen unterscheiden sich die Konzepte von Land zu Land. Gilt in Großbritannien bereits jemand als hirntot, wenn der Hirnstamm nicht mehr funktioniert, muss in Deutschland und Amerika nachweislich das gesamte Gehirn unwiederbringlich ausgefallen sein (irrevesibler Hirnfunktionsausfall).

Das umfasst auch das Schmerzempfinden und Bewusstsein, die in der Großhirnrinde liegen und auch bei einem Ausfall des Hirnstamms noch voll funktionsfähig sein können.

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Auch die Gabe von Medikamenten oder die Körpertemperatur können eine Diagnose erschweren bzw. verfälschen. Zudem hätte ein zweiter Mediziner die erste Hirntoddiagnose bestätigen müssen, wozu es aber nicht kam, da der Junge plötzlich wieder zu Bewusstsein kam.

Wie sieht die Regelung zur Feststellung des Hirntods eigentlich aus?
Die Regeln wurden von einer Expertenkommission der Bundesärztekammer Deutschlands festgelegt:

Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erfolgt in drei Stufen: Voraussetzung ist sowohl nach der bislang gültigen als auch nach der fortgeschriebenen Richtlinie der zweifelsfreie Nachweis einer akuten schweren primären oder sekundären Hirnschädigung sowie der Ausschluss reversibler Ursachen. In einem zweiten Schritt müssen alle in den Richtlinien geforderten klinischen Ausfallsymptome nachgewiesen werden. Danach muss die Irreversibilität der klinischen Ausfallsymptome bestätigt werden. Auf diesem Vorgehen beruht die Sicherheit der Todesfeststellung.

Dabei muss einer der beiden Ärzte, die die Hirntoduntersuchung durchführt, ein Neurologe oder Neurochirurg sein. Als hirntot gilt jemand nur, wenn mindestens zwei Ärzte mit einem zeitlichen Abstand von mehreren Stunden bis Tagen die Untersuchung wiederholen und bestätigen. Die Mediziner müssen sehr genau prüfen, ob der potentielle Organspender unter anderem noch selbstständig atmet oder auf Schmerzreize reagiert.

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Auch interessant: Einige Ärzte halten den Begriff „hirntot“ für falsch. Für sie sind Hirntote keine richtigen Toten, sondern „unwiederbringlich Sterbende“.

Mehr Informationen zu dem Thema findest du in der Linksammlung von Quarks.

Fazit:

Laut der Regelung der Bundesärztekammer sind für eine absolute Feststellung drei Schritte und mind. zwei unabhängige Ärzte nötig – das war bei Trenton nicht der Fall, da er schon vor der zweiten Feststellung Zeichen von Bewusstsein zeigte.

Der Begriff „hirntot“ müsste im Fall von Trenton also ganz streng genommen in der Berichterstattung ebenfalls in Anführungszeichen gesetzt werden, da die Ärzte in dem Moment davon ausgingen, die Diagnose aber noch nicht vollständig abgeschlossen war.

Hirntot oder nicht – für Trenton und seine Familie ist wohl nur wichtig, dass er nach derart schweren Schädelverletzungen überhaupt wieder aufgewacht ist.

Information: In einer früheren Version des Artikels bezog sich der Ausdruck „sabberndes Gemüse“ auf eine Stelle, die im Video erwähnt wird. Die Ärzte meinten zu Trentons Mutter, dass ihr Sohn „Gemüse sein werde“ – Trenton selbst sagt „Sehe ich aus wie Gemüse?“.

Passend zum Thema: Der Schutz von Kindern im Netz! Bundesministerium beschließt härter Strafen.

Weitere Quellen: gofundme, Organspende-Wiki, DiePresse, BBC, CBS-News, MedScape
Bildnachweis: Jennifer Reindl Banks
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