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Für viel Aufregung sorgt ein Artikel, der behauptet, dass durch Experimente mit 5G, dem kommenden Standard für Mobilfunkfrequenzen, in Den Haag in den Niederlanden hunderte Vögel plötzlich starben.

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So schreibt die Seite „connectiv events„, dass sich in Den Haag große Schwärme von Zugvögeln versammelten, die „plötzlich“ zu Hunderten tot auf dem Boden lagen. Sie sollen alle an Herzversagen gestorben seien, alle seien körperlich gesund gewesen.Auch gäbe es keine Anzeichen auf Vergiftungen oder bakterielle Infektionen.
„Die einzige vernünftige Erklärung“, so die Seite, sei Mikrowellenstrahlung, und diese Strahlung wiederrum sei durch 5G-Tests entstanden, die zu dem Zeitpunkt zwischen einem Gebäude in Den Haag und dem Bahnhof durchgeführt wurden.
Eine Woche später seien zur gleichen Zeit wieder tote Vögel gefunden wurden. Zu dem Zeitpunkt sollen auch Enten auf dem Jungfernkai ihr Köpfe ins Wasser gesteckt haben, als wollen sie sich vor der Strahlung verstecken. Eine Strahlung mit einer Spitzenfrequenz von 7.40 GHz sei gemessen worden.

Screenshot mimikama.at, Facebook
Screenshot mimikama.at, Facebook

Was ist 5G?

5G ist die kommende Generation drahtloser Breitbandtechnologie. Die Technologie  bietet im Vergleich zum jetzigen 4G eine höhere Geschwindigkeit und bessere Abdeckung, sie arbeitet mit einem 5Ghz-Signal. Vor 2020 wird die Technologie noch nicht verfügbar sein, allerdings laufen derzeit einige Tests, die nötige Technologie wird bereits in viele aktuelle Geräte verbaut.
Vielen Nutzern dürften die 5Ghz bereits bekannt sein: In modernen Routern kann man sein WLAN auf diese Frequenz einstellen. Üblicherweise verwendet das heimische WLAN 2.4 GHz, mit 5GHz bekommt man eine stärkere Leistung (vorausgesetzt die verbundenen Geräte unterstützen die Frequenz).

Faktencheck 1: Die toten Vögel

Tatsächlich starben in Den Haag Hunderte Vögel, worüber die Presse in den Niederlanden auch ausführlich berichtete. Zudem gab es auch Berichte über erkrankte Hunde nach dem Besuch des Parks.
Doch starben die Vögel alle plötzlich?
Die regionale Vogelauffangstelle „Vogelopfang de Wulp“ führte eine Chronologie der Ereignisse auf:

19. Okober 2018: 30 tote Stare
24. Oktober 2018: 30 tote Stare
25. Oktober 2018: 88 tote Stare
1. November 2018: 138 tote, ein lebender Star, der kurz darauf starb
2. November 2018: 7 tote Stare
3. November 2018: 44 tote Stare

Alle Vögel wurden morgens im Huygenspark in Den Haag unter den Bäumen gefunden, in denen sie schliefen.

Es gab also nicht, wie behauptet, einen „plötzlichen Tod der Vögel“. Die Vögel, ausnahmslos Stare, wurden an mehreren Tagen immer morgens gefunden. Somit ist auzuschließen, dass sie plötzlich alle gleichzeitig vom Himmel fielen, auch gibt es in keinem Artikel über die toten Vögel irgendwelche Aussagen, dass die Enten sich seltsam verhielten, genausowenig, dass die Vögel zum gleichen Zeitpunkt an verschiedenen Tagen starben.
Somit sind die Behauptungen von „connectiv events“ falsch.

Faktencheck 2: Der Ort

Laut „connectiv events“ fanden 5G-Tests zwischen einer Antenne auf dem Dach des „HS-Telezentrums“ und dem Bahnhof statt. Die Antenne sei von unten nicht sichtbar, die Vögel starben alle im Huygenspark.

Die Örtlichkeit kann man sich auf Google Maps anschauen:

Screenshot Google Maps
Screenshot Google Maps

Von oben nach unten sieht man in dem Bild den Huygenspark (auch Huijgenspark geschrieben), das entsprechende Gebäude und den Bahnhof Den Haag.

Somit fanden sich die toten Vögel tatsächlich in der Nähe des Gebäudes und des Bahnhofs.
Insofern sind die Aussagen von „connectiv events“ richtig.

Faktencheck 3: Die Todesursache

Laut „connectiv events“ seien alle Vögel gesund gewesen, es gäbe keinerlei Anzeichen über Vergiftungen oder Virenerkrankungen.
Allerdings gibt es darüber noch gar keine Erkenntnisse!
Bisher konnte nur festgestellt werden, dass die Vögel keine äußerlichen Verletzungen aufwiesen. Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) hat der Stadt Den Haag mitgeteilt, dass der Tod einer großen Anzahl von Staren im Huygenspark auf keinen Fall auf das West-Nil-Virus zurückzuführen ist. Dieses Virus tritt regelmäßig bei Zugvögeln auf. Die Tiere wurden auch negativ auf das Usutuvirus getestet, eine Vogelkrankheit, die bei Amseln auftritt. Ob es sich um ein anderes Virus oder um eine Vergiftung handelt, ist noch nicht bekannt.

Die Todesursache der Vögel wird von Wageningen Bioveterinary Research (Lelystad), dem niederländischen Wildlife Health Center (Utrecht), der Erasmus University (Rotterdam) und der Universität Gent weiter untersucht.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden für Mitte November 2018 erwartet. Insofern ist die Aussage, dass die Vögel vollkommen gesund gewesen seien und an einem Herzversagen starben, vorschnell und falsch, da es noch keine fundierten Erkenntnisse darüber gibt.

Faktencheck 4: Die 5G-Tests

In den Niederlanden werden natürlich ebenfalls, wie auch hierzulande, 5G-Masten aufgestellt und getestet. Wir fanden auch eine Antenne in der Nähe des „HS-Telecenters“, allerdings handelt es sich um eine 4G-Antenne.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Nun steht immer noch die Frage offen, wo sich denn die 5G-Antennen befinden.
Dies ist aber kein großes Geheimnis, sondern wird offiziell unter dem Projektnamen „5Groningen“ kommuniziert. Unter dem Namen vereinigen sich 10 Unternehmen, unter anderem Vodafone, Huawei und Ericsson, die die Möglichkeiten von 5G beispielsweise für smarte Haushaltsgeräte testen.

Auch die Standorte der 5G-Antennen sind bekannt und werden auf verschiedenen Seiten genannt:

– Amsterdam Zuidoost
– auf einer Farm in Drenthe
– Im Hafen von Rotterdam
– an der Autobahn nahe Helmond

Die oben bereits erwähnte Vogelauffangstelle „Vogelopvang de Wulp“ stellte eine Anfrage an das „Antennenbureau“ der Niederlande, um den derzeitigen Stand der 5G-Tests zu erfragen.
Deren Antwort: Es finden keine Tests für 5G-Antennen in Den Haag statt.

Update 13.11.2018

Mittlerweile bekamen wir eine Antwort auf unsere Anfrage an die Stadt Den Haag.

„Thank you for your question regarding the dead birds in the Huygenspark in The Hague.

The Dutch Radiocommunications Agency have confirmed to us that there have been no 5G-tests around the Huygenspark. At this point, we do not yet have more information regarding the possible cause of death.

As you can see on our site, several research institutions are currently still investigating on the cause of death.“

auf Deutsch:

„Die niederländische Funkagentur hat uns bestätigt, dass es im Huygenspark keine 5G-Tests gegeben hat. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns noch keine weiteren Informationen über die mögliche Todesursache vor.“

An dieser Stelle einen Dank an unsere niederländische Mitarbeiterin Janine von mimikama.nl, die mit der Stadt Den Haag kommunizierte.

Somit ist die Behauptung, dass die Vögel durch Strahlungen einer 5G-Antenne gestorben sind, ebenfalls falsch.

Fazit

Die einzige Wahrheit in dem Artikel von „connectiv events“ sind die toten Vögel und die Örtlichkeit. Die Vögel starben nicht plötzlich, sondern wurden an mehreren Tagen tot unter den Bäumen gefunden. Auch waren nicht alle Vögel betroffen, sondern ausnahmslos Stare. Zudem sind keine Aussagen bekannt, dass sie immer zum gleichen Zeitpunkt starben, auch wurden keine Enten mit selstsamen Verhalten beobachtet.

Weiterhin gibt es keinen Nachweis, dass es tatsächlich 5G-Tests in Den Haag gibt oder gab. Es gibt seit April 2018 5G-Tests an vier verschiedenen Orten in den Niederlanden, jedoch wurden an keinem dieser Orte plötzliche Vogeltode beobachtet.

Somit ist der Artikel von „connectiv events“ über Vögel, die durch 5G-Strahlung starben, als faktisch falsch einzuordnen. Die Zeugenaussagen sind nicht verifizierbar, die Beschreibung der Ereignisse ist dramatisierend übertrieben, die Todesursache erfunden, die Nachweise nicht vorhanden.

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