Seit Langem haben wir schon nicht mehr so viele Fake-Gewinnspiele auf Facebook beobachten können. Und Facebooknutzer nehmen weiterhin unbegrenzt an diesen Gewinnspielen teil.

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Dabei interessiert die Teilnehmer weder das schlechte Deutsch des Regelwerkes, noch die geklauten Bilder oder die ungenügende Transparenz der jeweiligen Facebookseite. Schauen wir uns hierzu die Seite “Die Wöchentliche Überraschung” an. Mit lediglich einem geringen Zeitaufwand kann man hier erkennen, dass die Seite ihre Nutzer in die Irre führt.

In nur kurzen, zeitlichen Abständen werden auf dieser Facebookseite Fake-Gewinnspiele, Tiervideos oder ähnliche emotionale Inhalte veröffentlicht. Die Art der Inhalte ist bereits so offensichtlich, dass man deutlich merkt, wie plump der Seitenbetreiber eine emotionale Bindung und somit hohe Interaktionen auf dieser Seite erzeugen will. Dabei ist jede noch so billige Social Media Grundregel recht.

Ebenso wie der dreiste Bilderklau. Das Fake-Gewinnspiel um 80 LED TV enthält beispielsweise ein solches Bild. Hier lautet es:

Wir verschenken „80“ LED TV“ ! <3
Um Teilzunehmen:
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Zeichnen wird am 30. Juni
Wir wünschen Viel Glück!

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Einmal völlig abgesehen von der wirren Teilnahmebeschreibung findet sich hier billigster Bilderklau. Anhand dieses Bildes kann man auch belegen, dass dieses Fernsehgerät nicht zu gewinnen ist. Dieses Gerät ist nämlich mittlerweile ausgepackt und voll im Einsatz gewesen. So ein Pech aber auch.

Wir haben nämlich in einem früheren Fall bereits mit diesem Bild zu tun gehabt und wissen daher, woher das Bild stammt. Die liebe Dame auf dem Bild heißt Jody, das Fernsehgerät hinter ihr ein Requisit, welches verarbeitet wurde. Und zwar schon im Jahr 2012! Dieses Gerät wurde in der zweiten Staffel der Sendung “Million Dollar Neighborhood!” genutzt. “Million Dollar Neighborhood!” ist irgendwie mit dem Trödeltrupp zu vergleichen, am Ende wird eben aufgerechnet, was da an Einnahmen aus den Privatverkäufen entstanden ist.

Und hier kommt nun das Fernsehgerät in Form einer Requisite ins Spiel: auf EXAKT diesem Gerät wurde die Summe aus den Verkäufen eingeblendet, siehe hier! Die ganze Geschichte, und warum wir wissen, dass die junge Dame auf dem Bild Jody heißt, kann man auf dem Blog des Designers Jamie Oxenham lesen.

Nächster Check: Veranstalter

Ok, wir haben bisher völlig alberne Teilnahmebedingungen vorliegen. Wir haben ein falschen Bild vorliegen. Nun fehlt noch der Veranstaltercheck, der natürlich negativ ausfällt. Ein Blick in den Infobereich der Seite hilft. Man kann sich als groben Überblick merken, dass folgende Merkmale bei seriösen Gewinnspielveranstaltern vorhanden sind:

  • Inhaber der Seite / Ansprechperson
  • Impressum
  • Kontaktmöglichkeit
  • Teilnahmebedingungen

Auf der “Die wöchentliche Überraschung” gibt es keine Angaben zu diesen Punkten.

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Was noch passieren kann

Warum gibt es dieses Gewinnspiel? Das ist eine Frage, die an dieser Stelle nur spekulativ beantwortet werden kann, da es verschiedene Möglichkeiten gibt. Angefangen von eher harmlosen Seitenverkäufen, bis hin zu bösen Abofallen ist alles drin. Wir haben bisher bei den Mengen an Fake-Gewinnspielen beobachten können, dass diese Art der Gewinnspiele immer recht ähnlich verlaufen. In einer ersten Stufe glänzen sie mit ihrer einfachen Teilnahme. Man soll einen hochwertigen, potentiellen Gewinn teilen und liken. Kann jeder, das ist keine Hürde. Damit werden Menschen angelockt.

Möglichkeit “Seitenverkauf”

Mit Hilfe dieser Lockveranstaltungen wird dann die Seite “gezüchtet”. Der Seitenbetreiber arbeitet daran, die Fanzahlen in die Höhe zu treiben. Ab einem bestimmten Punkt findet sich diese Seite dann zum Verkauf. Die Fans wundern sich lediglich irgendwann, welche Inhalte sie nach dem Verkauf zu Gesicht bekommen und warum sie diese Seite geliket haben. Man bemerkt an dieser Stelle auf “Die wöchentliche Überraschung”, dass neben den Fake-Gewinnspielen auch Klickinhalt (emotionale Videos) vorhanden ist, mit dem die Fans bei Laune gehalten werden.

Möglichkeit “Affiliate”

Ab einer bestimmten Teilnehmerzahl wird die Beschreibung des Gewinnspiels verändert. Die Teilnahmebedingungen bekommen einen Zusatz und meist wird ein Link eingefügt, den man besuchen soll. Dort warten dann irgendwelche Partnerprogramme, über welche der “Veranstalter” Provisionen einsackt. Im harmlosesten Fall sind es Partnerprogramme, die dem Teilnehmer einen Haufen Werbung bescheren, im extremen Fall verbirgt sich für die Besucher via Smartphone eine WAP-Billing-Abofalle hinter dem Link (bei welcher der Veranstalter natürlich ebenso Provisionen kassiert). Hin und wieder findet man diese hochgezüchteten Facebook-Seiten dann auch bei eBay zum Verkauf angeboten.

Egal, was da noch passiert: den angepriesenen Gewinn gibt es nicht! Daher merke Dir: es ist niemand da, der diesen Audi, 100.000 iPhones, oder 50.000 PS4 verlost. Nein, es gibt sie nicht, diese ritterlichen Wohltäter des Netzes. Sie sind eher Gaukler, die ihre Nutzer dazu verleiten, brav wie Klickvieh, aus der Hand zu fressen.

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