Der Elternbrief einer Schule stößt bei Facebook auf die Verwunderung vieler Nutzer: Eltern sollen für das kommende Schuljahr 7 € Toilettengeld für ihr Kind zahlen!

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Der Brief wurde am 09. September 2016 verfasst und richtet sich an die Eltern der Grundschule, der genannte Betrag gilt für das angefangene Schuljahr.

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Hier heißt es im Klartext:

Damit Ihre Kinder auch weiterhin eine saubere und sichere Toilette benutzen können, muss das Toilettengeld für das 1. Schuljahr 16/17 bezahlt werden.
Es beträgt 7,- € pro Kind. Sollten sie mehrere Kinder an unserer Schule haben, so zahlen sie für das älteste Kind den vollen Betrag, für jüngere Geschwisterkinder 3,50 €.

Dieser Brief lässt wirf nun zwei Fragen auf: ist er echt? Und in Schulen Toilettengeld – seit wann gibt es das denn?

Der Brief ist kein Fake

Mike Sachs, unser Mann für den direkten Draht, hat sich mit der Schule in Verbindung gesetzt. Hier bekamen wir die Auskunft, dass der Brief von der Schule versendet worden sei (eine offizielle Erklärung wird uns nachgereicht, fügen wir ein).

Zu beobachten ist, dass die Schule aufgrund des Uploads des Briefes derzeit einem Shitstorm unterliegt – zu Unrecht, wie sich im Folgenden zeigen wird, denn diese Schule hat weder das “Toilettengeld” erfunden, noch ist sie die einzige Schule mit einem solchen Konzept.

Toilettengeld in Schulen

Bereits im Jahr 2010 wurden Fälle von “Toilettengeld” bekannt. Die Süddeutsche Zeitung schrieb im Mai 2010 unter dem Titel “Kleine Geschäfte, große Geschäfte” [1]:

Zehn Cent für einmal Pinkeln: Weil Schultoiletten so verdreckt sind, bitten immer mehr Direktoren die Schüler zur Kasse. Jetzt streiten Eltern und Lehrer über die Maut.

[…]

Doch Schulen in Düsseldorf, Wuppertal, Dortmund, Sprockhövel im Ennepe-Ruhr-Kreis und anderswo bitten die Eltern dennoch zur Kasse. Wie viele deutsche Schulen es insgesamt sind, weiß niemand so genau, denn meist wird die Gebühr an den Bildungsministerien vorbei eingeführt.

Die Erhebung einer “Toilettengebühr” ist also nicht neu und auch keine Erfindung der Schule, welche den obigen Brief versendet hat. Im Artikel der SZ kommt auch ein Schuldirektor zu Wort, der davon spricht, dass Eltern das Toilettengeld durchaus begrüßen, da so eine durchgehende Sauberkeit der Toiletten gewährleistet sein kann. Schulleiter Udo Limbach sagte gegenüber der SZ „Die Kinder saßen lieber mit Bauchgrimmen im Unterricht, als sich zu erleichtern. Sie konnten sich gar nicht mehr konzentrieren.“.

Pay-per-pee-& Premium-Klos

Ebenso gab es auch andere Modelle: der Spiegel schrieb im August 2013 [2] über verschiedene Bezahlmodelle, welche man an deutschen Schulen vorfand. Da ist die Rede von “Pay-per-pee”, also pro Pipimachen zahlen, oder von parallel geführten Premium-WCs, welche einen höheren Reiningungsstand haben, als “normale” Toiletten, jedoch einer Bezahlung bedürfen

Dese Modelle riefen jedoch die Bezirksregierung Arnsberg auf den Plan, welche deutlich sagte: “Jeder Schüler muss uneingeschränkt müssen dürfen.”

Toilettenstreit bereits 2009

Der Spiegel beschreibt ebenso, dass es bereits im Jahr 2009 eine deutliche Ansage gab, dass Toilettengelder jeglicher Art an Schulen unzulässig seien. Hierzu führt der Spiegel ein Schreiben der Bezirksregierung Düsseldorf an [3]:

Eine aktuelle Anfrage bezüglich o.g. Schule möchte ich zum Anlass nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Nutzung von Toilettenanlagen an öffentlichen Schulen nicht von der Entrichtung einer Gebühr abhängig gemacht werden darf. Unzulässig ist auch die Einrichtung von so genannten „Premium-Toiletten“, bei denen den Schülerinnen und Schülern neben ständig betreuten gebührenpflichtigen WCs weitere kostenfrei nutzbare Toiletten zur Verfügung stehen.

Reines NRW Thema?

Die WELT schrieb im Oktober 2015 unter dem Titel “Schüler zahlen für saubere WCs – Behörde greift ein” [3], dass es bis dato diese Art der Bezahlmodelle nur in NRW gab – und auch nur dort darüber gestritten wurde.

In anderen Bundesländern sorgt der Streit in NRW für Stirnrunzeln. „Dass Kinder in bayerischen Schulen etwas für die Toilettenbenutzung bezahlen müssten, ist in Bayern noch nie aufgeschlagen“, sagte ein Sprecher des Bayerischen Gemeindetags am Montag in München.

Die WELT beschreibt hier sogar eine Schule (Euregio Gesamtschule in Rheine), die bereits im Jahre 2008 ein Bezahlkonzept für Toiletten umsetzte.

Und was haben nun Flüchtlinge damit zu tun?

Gar nichts, rein gar nichts. Hier hat irgendwer “Schwarzer Peter” gespielt, mehr nicht. Eine Vielzahl der aktuellen Diskutanten sieht hier auch eher das Problem in der Bezahlung an sich: dürfen Toilettengelder überhaupt festgesetzt werden? Die Gründe für die Toilettengelder liegen an anderer Stelle – und müssen in der Diskussion natürlich auch aufgezeigt werden:

Viele Eltern stimmen dem Toilettengeld natürlich zu, da sie hier gewährleistet sehen, dass ihre Kinder saubere Örtlichkeiten vorfinden und sich nicht mit der Frage quälen müssen, ob sie die Klos aufsuchen oder nicht. Viele Eltern und auch Schulpflegschaften stehen daher auch positiv dem Toilettengeld gegenüber, da sie einen höheren Hygienestand damit sehen, welcher ihren Kindern zugute kommt.

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