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Der "Tinder Schwindler" erbeutete Millionen von Frauen / Artikelbild: Symbolbild von WilmaVdZ - Shutterstock.com

Cecilie Schrøder wurde Opfer eines modernen Heiratsschwindlers – aber nicht nur sie fiel auf ihn herein – Shimon Y. erbeutete Millionen von Frauen und wird von Behörden aus vier Ländern gesucht.

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In einer sechsmonatigen Recherche begab sich VG.no auf die Spuren eines Mannes, der Frauen über Tinder kennen lernte und ihnen über Monate hinweg das Geld aus der Tasche zog.

Laut derStandard liegen sowohl in Israel, als auch in Schweden, England und Norwegen Anzeigen gegen Shimon Y. vor, der sich monatelang als Simon Leviev ausgab.

Cecilie Schrøder Fjellhøy aus Lillestrøm (Norwegen) ist eine der Frauen, die Leviev über den Tisch gezogen hatte – und das äußerst professionell. Über Tinder lernten sich die beiden kennen. Im Januar 2018 trafen sie sich dann zum ersten Mal persönlich. Im Schlepptau hatte Leviev seinen Leibwächter, einen Sekretär und einen angeblichen Geschäftspartner, die allesamt glaubwürdig auf Cecilie wirkten.

Sie hatten täglich Kontakt und nach einer Woche trafen sie sich in London wieder. Leviev gab sich ordentlich Mühe die Illusion aufrecht zu erhalten und verwöhnte Cecilie – bis zu dem Tag, als Leviev behauptete, er habe Todesdrohungen erhalten, da sein Unternehmen in einen heftigen Konkurrenzkampf verwickelt sei.

Nach einem weiteren Treffen in Oslo bat er Cecilie um ihre Kreditkartendaten, da er aus Sicherheitsgründen Zahlungen tätigen müsse, die nicht auf seinen Namen laufen dürfen. Das Geld würde er Cecilie verlässlich wiedergeben.

Es folgten weitere kurze persönliche Treffen. Die beiden entschieden eine gemeinsame Wohnung in London zu mieten. Wenig später erhielt Cecilie das Foto eines blutverschmierten Kopfes, der dem Leibwächter von Leviev gehören soll. Leviev schickte ein Video aus einer dänischen Ambulanz. Danach fragte er wieder nach Geld, sie gab es ihm.

13 Wochen nach dem ersten Treffen beschlich Cecilie dann ein sehr unangenehmes Gefühl. Leviev fragt immer öfter nach Geld, hat aber immer weniger Zeit für die Norwegerin und schickte ein gefälschtes Dokument über die angebliche Rückzahlung des geliehenen Geldes.

Wenig später realisiert sie, dass sie Opfer eines Betrugs geworden war und zeigt ihn an. Sie erhielt Drohungen und es stellte sich heraus, dass Leviev einen Teil des Geldes dazu nutzte, bereits sein nächstes Opfer um den Finger zu wickeln und seine Geschichte des erfolgreichen Geschäftsmannes zu inszenieren.

Das aktuelle Opfer konnte ausfindig gemacht werden. Ihr Name lautet Pernilla Sjoholm und kommt aus Schweden. Acht Monate nach der Kontaktaufnahme über Tinder bat er auch sie um Geld. Pernilla konfrontierte ihn mit dem Betrug – auch sie erhielt Drohungen.

Mittlerweile wird Shimon Y., der eigentlich aus Israel stammt, von den Behörden aus vier Ländern gesucht. Seine Mutter, die noch unter der alten Adresse wohnhaft ist, erhält laufend Vorladungen sowie Forderungen der Behörden. Sie gibt an, seit seinem 18. Lebensjahr keinen Kontakt mehr zu Shimon gehabt zu haben. Auch sein Anwalt ist nicht erreichbar.

Der „Tinder-Schwindler“ ist weiterhin auf der Flucht.

Romance-Scam

Geschichten wie die von Cecilie zeigen, wie aktuell Romance Scam eigentlich ist. Denn nicht nur über Tinder kann man an die falschen Menschen geraten.

Begriffe wie Nigeria Connection oder das Stehlen fremder Identitäten um andere zu betrügen sind nach wie vor ein aktuelles Thema.

Was ist Romance Scam genau?

Das Wort „scam“ bedeutet auf Deutsch „betrügen“. Wortwörtlich geht es also hier um Romantik-Betrüger: Facebook-Profile, die vorgeben, ein junger Mann zu sein, zumeist Amerikaner, der im Militärdienst ist, über ein Profil „gestolpert“ ist und sich für das Profil der Nutzerin interessiert. Das Interesse verlagert sich aber nach kurzer Zeit mehr ins Finanzielle.

Woran erkenne ich Romance Scam?

In unserem Artikel Romance Scam – Erkennen und verhindern beschreibt Kollege Ralf folgende Kriterien:

Erkennungsmerkmal Nr. 1: Die Freundesliste

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Einsam sieht anders aus: Solche Profile haben eine prall gefüllte Freundesliste zwischen 100 und 300 Personen, die zu mindestens 95% aus Frauen, meist mittleren Alters, bestehen. Oftmals sind die weiblichen Freunde aus den verschiedensten Teilen der USA, oftmals auch aus dem asiatischen Raum.

Erkennungsmerkmal Nr. 2: Er ist Soldat

Es gibt unzählige Bilder von US-Soldaten, die Selfies posten, auf verschiedenen sozialen Plattformen. Aus diesem riesigen Fundus bedienen sich Romance Scammer häufig, um das Profil authentisch wirken zu lassen. Außerdem wirkt jemand, der als US-Soldat dient, anscheinend auf viele Frauen automatisch seriös und ehrlich.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Erkennungsmerkmal Nr. 3: Es wird emotional

Während weibliche Fake-Profile bei männlichen Nutzern gleich knallhart zur Sache kommen (S-E-X), gehen Romance Scammer subtiler vor: Sie tischen im Laufe eines Chats schnell eine rührende Geschichte auf:

I’m a single father of a lovely son, l lost my wife and my lovely daughter 5 years ago in a ghastly motor accident when my son was 9years old and my daughter 7 years old, since then l have being going through emotional pain.“

Grundsätzlich haben diese Scammer ein kleines Kind, sind alleinerziehend. So wird zusätzlich auf Mitleid gemacht á la „Dieser hübsche, junge Mann, verlor seine Frau schon so früh, ist beim Militär und kümmert sich um sein Kind!“.

Erkennungsmerkmal Nr. 4: Er ist in Afrika

US-Soldaten sind auf aller Welt stationiert. So wird es nicht überraschen, dass ein Scammer im Laufe eines Chats sagen wird, dass er derzeit in Afrika stationiert ist. Das ist insofern wichtig, um folgende Aktionen des Scammers glaubwürdig erscheinen zu lassen!

Erkennungsmerkmal Nr. 5: Er braucht Geld

Spätestens an diesem Punkt sollten betroffene Nutzerinnen den Kontakt auf allen Ebenen abbrechen. Denn es beginnt mit kleinen Summen, steigert sich aber!
In einem aktuellen Fall, den uns eine Nutzerin schilderte, wollte der Mann 200 Englische Pfund, damit er mit ihr telefonieren könne. Das Geld solle, Überraschung, auf ein Konto der Western Union nach Afrika. Tatsächlich sprachen die Nutzerin und der Scammer vorher schon einmal via Google Hangouts, dabei fielen ihr zwei Sachen auf:
1. Er hatte immer Probleme, seine Webcam anzuschalten
2. er hatte einen afrikanischen Akzent

Es steigert sich aber noch: In weiteren Verläufen werden größere Summen verlangt, da er meist aus dem Militär aussteigen möchte, um mit seinem Sohn zu der Nutzerin zu ziehen.

Woher kommen diese Romance Scammer?

Es handelt sich bei diesen Leuten nicht etwa um vereinzelte Personen, sondern tatsächlich um eine mehr oder weniger organisierte Kriminalität, die sogenannte „Nigeria Connection„.
Dabei  handelt es sich um Gruppen von afrikanischen Betrügern. Diese Scammer leben zum Teil auch in Europa und zum anderen Teil in Nigeria und  haben sich auf Kreditkartenbetrug, Dokumentfälschung uvm. spezialisiert.

Wie verhalte ich mich, wenn ich betrogen wurde?

  • Brechen Sie den Kontakt ab und nutzen Sie die Möglichkeiten, einen Betrüger zu blockieren.
  • Falls Sie bereits auf Forderungen der Betrüger eingegangen sind, werden diese sehr hartnäckig sein: Ignorieren Sie daher konsequent weitere Versuche der Kontaktaufnahme.
  • Sichern Sie den gesamten Schriftverkehr mit den Betrügern und heben Sie sämtliche Überweisungsbelege etc. auf.
  • Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Polizei und erstatten Sie Strafanzeige.
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