In diversen Medien wird über Tierquälerei und unhaltbare Zustände in einem Schlachthof in Düren berichtet, der unter anderem auch McDonald’s mit Fleisch beliefert.

Stimmen die Vorwürfe, die in diesem Artikel beschrieben werden?

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Der uns zur Prüfung eingereichte Artikel:

Quelle: Screenshot polizei.news

In den Berichten, die in diversen Medien, unter anderem dem BR, in der Sendung Report München der ARD, sowie der BILD, der BZ und  der Aachener Zeitung, als auch ursprünglich von der Tierschutzorganisation „SOKO Tierschutz“ via Presseportal veröffentlicht wurden, werden schwere Misshandlungen und Missstände angeprangert.

Tiere, die trotz Betäubung an der Nachtropfbahn hängen und bewusste Bewegungen zeigen. Rinder, die mehrfach mit dem Bolzenschussgerät beschossen werden und trotzdem noch stehen und das unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen.




Zugetragen haben sich diese Ereignisse im Schlachthof Frenken in Düren, welcher unter anderem auch das Unternehmen McDonald’s beliefert.

Untermauert werden diese Vorwürfe durch Videomaterial der SOKO Tierschutz, das durch das ARD Magazin Report München und durch die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht wurden.

Beispiele: BR24, Süddeutsche

Das Videomaterial kann man sich auch bei Youtube ansehen, aber bitte Achtung, die Bilder könnten durchaus sehr verstörend sein!

In dem Material sind eindeutig unzureichend betäubte Tiere zu sehen, die zum Teil sogar bei vollem Bewusstsein in das heiße Brühbad (zum Entfernen der Borsten) eingelassen werden. Dabei ertrinken die Tiere qualvoll in kochend heißem Wasser.

Ich bin selber Tierärztin und habe im Rahmen meiner Ausbildung mehrere Schlachthöfe besucht und mein Praktikum auch auf einem Großschlachthof gemacht. Aus eigener Erfahrung kann ich die Echtheit der Bilder in Düren bestätigen, da mir dieser Schlachthof auch persönlich bekannt ist.

Der stellvertretende Institutsleiter des Institutes für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Löffler-Institutes, Dr. med. vet. Michael Marahrens, äußerte sich nach Sichtung des Materials wie folgt:

„Ich habe durchaus den Eindruck, sowohl Personalverhalten, Betäubungseffektivität, Entblutequalität und Entblutegeschwindigkeit, die vielfältigen Bewegungen, die die Tiere an der Nachtropfbahn noch gezeigt haben, dass diese Zusammenhänge für eine vertiefte Kontrolle und Überwachung der Betriebsabläufe sprechen.“

Quelle: Friedrich-Löffler-Institut, Dr. M. Marahrens

Die hier im Videomaterial zu sehenden Missstände werfen zumindest für die hier dargestellten Tiere ein extrem schlechtes Bild auf diesen Schlachthof. Der Argumentation, dass solche Missstände aufgrund einer sehr hohen Anzahl von Tieren, die geschlachtet werden und aufgrund des damit verbundenen Zeitdrucks entstehen, möchte ich persönlich widersprechen, denn auch – und besonders – bei großen Schlachthöfen ist es gut möglich, eine tierschutzgesetzkonforme Schlachtung durchzuführen, wie ich es auch in meiner Zeit als Studentin im Praktikum erleben durfte.

Solche Bilder, wie sie hier zu sehen sind, habe ich dort niemals zu Gesicht bekommen, weil die Schlachtung höchst professionell durchgeführt und auch die Betäubung und Ruhezeiten der Tiere eingehalten wurden.

Die hier zu sehenden Missstände verstoßen eindeutig gegen § 4 und § 4a des Tierschutzgesetzes.

Besonders zur Schlachtung ist hier vermerkt:

1) Ein Wirbeltier darf nur unter wirksamer Schmerzausschaltung (Betäubung) in einem Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd oder auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.

(1a) Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig regelmäßig Wirbeltiere zum Zweck des Tötens betäuben oder töten, haben gegenüber der zuständigen Behörde einen Sachkundenachweis zu erbringen. Wird im Rahmen einer Tätigkeit nach Satz 1 Geflügel in Anwesenheit einer Aufsichtsperson zum Zweck des Tötens betäubt oder getötet, so hat außer der Person, die die Tiere betäubt oder tötet, auch die Aufsichtsperson den Sachkundenachweis zu erbringen. Werden im Rahmen einer Tätigkeit nach Satz 1 Fische in Anwesenheit einer Aufsichtsperson zum Zweck des Tötens betäubt oder getötet, so genügt es, wenn diese den Sachkundenachweis erbringt. Die Sätze 1 bis 3 gelten nicht für das Betäuben zum Zweck des Tötens und das Töten von Wirbeltieren, die zur Verwendung in Tierversuchen bestimmt sind oder deren Organe oder Gewebe dazu bestimmt sind, zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet zu werden.

Sowie:

(1) Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs zum Zweck des Schlachtens betäubt worden ist.

Quelle: TierSchG

Schlachtung, Betäubung und Tötung sind nur durch sachkundiges Personal erlaubt! Die in diesem Video zu sehenden Handlungen stehen zum Teil im krassen Widerspruch zu diesen Vorschriften.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die in diesem Bericht angeprangerten Mängel anscheinend der Wahrheit entsprechen, die Aufnahmen stammen aus dem Schlachthof Frenken in Düren und sind von daher als echt zu bezeichnen, die dokumentierten Mängel stehen im krassen Widerspruch zu Recht und Gesetz und auch zu den Qualitätsversprechen von McDonalds.

McDonalds hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Lieferbeziehungen zu dem Betrieb „mit sofortiger Wirkung“ eingestellt. Die SOKO Tierschutz hat wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz Anzeige erstattet.

Der Betrieb selber äußerte sich zu den Vorwürfen wie folgt:

„Nach unseren Kenntnissen und Dokumentationen kam es bei uns zu keinem Zeitpunkt zu einer Überschreitung der gesetzlichen und tierschutzrechtlichen Vorgaben bei der Weiterverarbeitung der Tiere nach der Betäubung.“

Der Kreis Düren, dessen Veterinäramt für die Kontrolle des Schlachthofes zuständig ist, kommentierte so:

„Unsere Dokumentation zeigt auf, dass die Quote der ersten Betäubung regelmäßig oberhalb der geforderten 98% liegt. […] Nach der Betäubung ist von den verantwortlichen Personen zu kontrollieren, dass ein Tier keine Wahrnehmung und Empfindung mehr hat.“

Wie kann man solche Methoden als Verbraucher verhindern?

Ganz einfach: Zum einen, indem man sich anguckt, woher das Fleisch kommt, das auf dem Teller landet und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten und geschlachtet werden.

Zum anderen, indem man sich fragt, ob es nicht besser wäre, weniger Fleisch zu essen, und dafür bereit zu sein, auf bessere Qualität und einen höheren Preis zu setzen, denn dann kann man im Vorfeld solche Methoden verhindern. Denn eins ist klar: Diese Bedingungen würden mit ausreichend geschultem Personal und gründlicher Überwachung deutlich seltener auftreten.

Ein Satz in eigener Sache

Als Tierärztin fühle ich mich dem Schutz der Tiere und dem Verhindern von Schäden und Leid verpflichtet. Mir ist es völlig unklar, wie Studenten der Veterinärmedizin solche Aussagen treffen konnten, wie hier im Film zu sehen sind, wenn es so gesagt wurde.

Das ist eine Schande für meinen Berufsstand, wie ich finde. Auch wie die anwesenden Tierärzte die Zustände in diesem Betrieb ausblenden können, ist mir völlig schleierhaft. Eine tierschutzgerechte Schlachtung ist gerade bei großen Schlachthöfen nicht nur möglich, sondern auch gesetzlich gefordert und meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass dies auch in der Praxis umzusetzen ist.

Autorin: Anke, mimikama.at

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