[Kommentar] Und wieder ist es das in Österreich neu eingeführte Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (AGesVG), welches weiterhin zu einigen absurden Situationen führt.

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Es ist ja schon fast ein Running Gag, über das Gesetz und seine Durchsetzung in Österreich zu berichten. Nochmals kurz für all jene, die noch nichts davon gehört haben: seit dem 1. Oktober 2017 ist in Österreich ein neues Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetz in Kraft, auch Verhüllungsverbot genannt. Dieses Verhüllungsverbot verbietet eine Vollverschleierung von Personen im öffentlichen Raum und soll zur Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einer offenen Gesellschaft dienen.

Wir haben in einem ersten Artikel schon den ein oder anderen skurrilen Fall dazu beschrieben, der Höhepunkt dort dürfte die Anzeige eines Unternehmens zur eigenen Promoaktion gewesen sein: man hat das hauseigene Maskottchen angezeigt, um den Vorfall werbewirksam ausschlachten zu können. Fatal: über dieses Stöckchen, das hingehalten wurde, mussten die Gesetzeshüter letztendlich springen. Hier wurde also auf dem Rücken des Gesetzes und der Polizei eine herkömmliche Promoaktion zu einer Hyper-Promoaktion. Danke AGesVG!

So ganz nebenbei: es hat übrigens jüngst erneut ein Maskottchen getroffen, dieses Mal jedoch unbeabsichtigt. Parlamentsmaskottchen Hase Lesko, im Dienste des Parlaments als Gesetzesgeber unterwegs, wurde bei einen Filmdreh anlässlich des Tages der offenen Türe des Parlaments am Nationalfeiertag von einer Polizeistreife aufgefordert, doch die Maske abzunehmen. Gedreht wurde übrigens nicht im öffentlichen Raum, sondern auf Grund und Boden des Parlaments (vergleiche).

Aber lassen wir das, denn es geht gerade munter weiter und die sozialen Netzwerke spielen dabei (wie so häufig bei gesellschaftlichen Themen) eine große Rolle. Jüngster Schmunzler: Der Moment, in dem Tchibo die Bürger eines Staates mit dem wesentlichen Material zum Gesetzesbruch ausstattet. Mehr noch: diese Produkte sind dazu GESCHAFFEN, sie so zu nutzen, dass man in Österreich eine Strafe kassiert.

Kein Fake, diese Produkte, welche in Österreich unter Umständen für den Bürger bis zu 150 € Strafe bei herstellerkorrekter Anwendung einbringen können, werden bei Tchibo in Österreich verkauft (vergleiche). So weit in Ordnung, denn spätestens dann, wenn die österreichische Exekutive vor Ort entscheidet, ob es kalt genug ist, ist das anleitungsgemäße Tragen dieser Kälteschutztücher wieder legal.

Wie, du glaubst nicht, dass ein Schal so eine Strafe einbringen kann? Doch, es ist so. Ein Schal in Verbindung mit Lamentieren gegenüber der Polizei kann da schon teuer werden. So ist es der an der Wiener Universität lehrenden Psychologin Nora Först am 11. Oktober 2017 ergangen.

„Ich habe auf mein Handy geschaut, und wenn ich nach unten schaue, sind mein Mund und meine Nase natürlich im Schal“
„Wenn ich allerdings hochschaue, sieht man mein Gesicht“
Aus „Wien heute“-Interview

Nun gibt es ein hin und her: die Polizei hat in der Anzeigeschrift vermerkt, sie sei unkooperativ gewesen, die Psychologin erklärt das Gegenteil. Wahrscheinlich wird der Fall wohl vor Gericht landen (vergleiche). Ich möchte an dieser Stelle auch darauf hinweisen, so wie bereits in meinem ersten Artikel zu diesem Thema, dass ich den Beamten auf der Straße keine Vorwürfe mache. Sie müssen mit dem Gesetz nun umgehen und sind nach gerade 3 Wochen immer wieder Situationen ausgesetzt, die sie selbst und vor Ort bewerten müssen. Sie stehen alleine da, gefesselt an ein sehr merkwürdiges Gesetz.

Und da kommt Tchibo

Jawoll. Und jetzt kommt Tchibo um die Ecke und verkauft in Österreich einen Gesichtsschutz. Wahlweise auch sogar in pink (eine liebe Freundin merkte an „Fur NEOS‘ und Tussis). Kannst du nicht erfinden!”). Jetzt ist es ja so, dass in Österreich vergleichsweise viele Menschen in Wien, bzw. im Großraum Wien wohnen. Also der Großraum Wien macht mit etwas über 2,5 Millionen Einwohnern mehr als 25 % der Einwohner des gesamten Staates aus.

Wie kalt wird es dann nun in Wien, dass man eine derartigen Gesichtsschutz auch legal nutzen darf? Die offizielle Webseite der Stadt Wien beschreibt die klimatischen Bedingungen wie folgt:

Das Klima von Wien ist ein Übergangsklima, das von Westen ozeanisch und von Osten kontinental beeinflusst ist. Dies zeigt sich in geringeren Niederschlagsmengen und längeren Trockenperioden. Die Winter sind im Vergleich zu anderen Teilen Österreichs eher mild.

Oh, das lässt nichts Gutes hoffen. Aber es wird in diesem Text noch schlimmer! Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ermittelte, dass selbst der Februar 2016 eine Durchschnittstemperatur von +6,4° Celsius hatte.

2016 war laut Jahresrückblick das viertwärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1775, relativ schneearm und weder besonders nass noch besonders sonnig.

Was ist dann nun für mehr als 25 % eines Staates kalt? Ich kann da nur erahnen, dass die „Tchibogesetzesbruchveranlassungsschutzmasken” für Irritationen sorgen könnten. Vielleicht sollte Tchibo daher auf den Produkten einen Warnhinweis anbringen:

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