Tarnnamen in der Pelzindustrie

„Tarnnamen“ in der Pelzindustrie

Von | 9. Oktober 2019, 15:04

„Tarnnamen“: Bei Bezeichnungen wie zum Beispiel „Genotte“ oder „Sobaki“ handelt es sich um Katzen- bzw. Hundefell.

Im Moment teilen Facebook-Nutzer ein Sharepic mit verschiedenen Bezeichnungen für Tiere. Angeblich sollen sie Synonyme für ein und dasselbe Tier darstellen:

Sharepic Tarnnamen in der Pelzindustrie / Screenshot by mimikama.at

Sharepic Tarnnamen in der Pelzindustrie / Screenshot by mimikama.at

Achtung! Augen auf beim Winterjacken-Kauf.

Gänge Bezeichnungen und was sich dahinter verbirgt:

GAE-Wolf = Hund
Gubi = Hund
Sobaki = Hund
Feh = Eichhörnchen
Ljaguschka = Eichhörnchen
Kojah = Nerz
SAMI = Nerz
Kidus = Kreuzung aus Zobel und Baummarder …

Der Faktencheck

Und so ist es auch. Es gibt tatsächlich gewisse „Tarnnamen“, die in der Pelzbranche verwendet werden. Vorausgesetzt, die Hersteller geben überhaupt eine Bezeichnung an.

Der Deutsche Tierschutzbund hat hierzu eine Liste angefertigt, die verschiedene Bezeichnungen auflistet sowie deren Bedeutung. Obwohl der Handel mit Hunde- und Katzenfellen seit dem 1. Januar 2009 in Europa verboten ist, können sich hinter bestimmten Tarnnamen trotzdem Hunde- oder Katzenfelle verbergen.

So heißt es in einer Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums BW zum Antrag der Abg. Dagenbach u.a. über Leder- und Pelzwaren aus Hunde und Katzenfellen vom 18.12.1998:

Pelz vom Hund:
Die Felle werden auf dem Weltmarkt unter den Namen gehandelt, die ihrer regionalen Herkunft entsprechen und jeweils das Wort „Hund“ in der Landessprache enthalten.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund

Einer der größten Pelzproduzenten ist China – und bis heute gibt es dort kein Tierschutzgesetz.

Sollte sich der Erzeuger also überhaupt dazu entschließen, das Kleidungsstück zu etikettieren, führt er das Fell womöglich über einen der in der Ausgangsfrage aufgezählten Bezeichnungen an. So wird dann aus dem Marderhund plötzlich ein „asiatischer Waschbär“, „Tanuki“ oder „Murmasky“.

Eine Anmerkung jedoch zu der Liste: Der darin angemerkte Kidus ist keine Kreuzung aus Zobel und Baummarder, sondern ein reiner Baummarder. Kreuzungen zwischen Zobel und Bammarder sind nie gelungen, insofern muss die Beschreibung kritisch betrachtet werden.

Und wie sieht es in Europa aus?

In der Textilkennzeichnungsverordnung für den europäischen Raum unter Artikel 12 zu „Textilerzeugnisse, die nichttextile Teile tierischen Ursprungs enthalten“, heißt es:

(1) Nichttextile Teile tierischen Ursprungs in Textilerzeugnissen sind unter Verwendung des Hinweises „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ bei der Etikettierung oder Kennzeichnung von Erzeugnissen, die solche Teile enthalten, anzugeben, wenn sie auf dem Markt bereitgestellt werden.

(2) Die Etikettierung oder Kennzeichnung darf nicht irreführend sein und muss so erfolgen, dass sie vom Verbraucher ohne Schwierigkeiten verstanden werden kann.

Quelle: Amtsblatt der Europäischen Union L 272

Echte Pelze müssen demnach nicht explizit gekennzeichnet sein. (Der Zusatz gilt auch für Daunen, Leder und Knöpfe aus Horn) Was an dem Kleidungsstück also letztendlich tierischen Ursprungs ist, kann manchmal gar nicht zurückverfolgt werden.

- Werbung -
Aktuelles Top-Thema: Flüchtlinge gehen zu Hunderten auf einer Straße: Der Faktencheck 

Zudem fallen Kleidungsstücke, die zu weniger als 80% aus Textilfaser bestehen, gar nicht mehr unter die EU-Textilkennzeichnungsverordnung. Eine Lederjacke oder ein Pelzmantel ist also gar kein Textilstück im Sinne des Artikels 2 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung.

Fehlende oder falsche Kennzeichnung auch hierzulande:

Täuschung des Endverbrauchers zahlt sich für die Hersteller wohl auch wirklich gut aus. BR24 hat 2018 Stichproben in Geschäften durchgeführt und Verstöße gegen die EU-Verordnung festgestellt:

Mehrfach finden wir bei Stichproben in Geschäften in verschiedenen Städten Verstöße gegen die EU-Verordnung. Viele Bommelmützen mit echtem Pelz und Jacken mit Fellkragen sind nicht gekennzeichnet. In einer Jacke mit Pelzkragen der Kette „subdued“ ist ein Schild mit dem Hinweis „fake fur“, also Kunstpelz, angebracht. Die Tierartbestimmung im Labor aber beweist: Es ist echter Pelz vom Marderhund. In manchen Etiketten finden sich seltsame Namen wie „Murmasky“. Was heißt das? Verbraucherschützer Ingmar Streese erklärt, was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt.

„Das sind oftmals Tarnnamen, Fakenamen, um ganz bewusst zu verschleiern. Da stehen zum Beispiel Namen wie Genotte für das Fell von einer Hauskatze oder Sobalski für das Eichhörnchen. Das heißt für die Verbraucher, die werden für dumm verkauft.“
Ingmar Streese Verbraucherzentrale Bundesverband

Fazit:

Ja, solche Tarnnamen gibt es. Doch oft findet man auch gar keine Kennzeichnung in dem Kleidungsstück – das würde im europäischen Raum wiederum gegen die EU-Textilkennzeichnungsverordnung verstoßen, falls das Stück zu 80% aus Textilfaser besteht.

Wer also Bezeichnungen wie „Genotte“ oder „Sobaki“ in einem Kleidungsstück findet, kann davon ausgehen, dass er echtes Katzen- bzw. Hundefell in den Händen hält – auch wenn es hierzulande schon lange verboten ist.

Weitere Quellen: WKO, BR

Das könnte dich auch interessieren: Wird das Fell von Welpen für Bommelmützen verwendet

Wir brauchen deine Unterstützung
An alle unsere Leserinnen und Leser! Wir haben keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten offen halten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama auch weiterhin geben
. Hier kannst Du unterstützen: via
PayPal, Steady oderPatreon

Aktuelles

- Werbung -
- Werbung -