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Heute mit, Clowns, Müttern, der Lütten und Salat.

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Ich sitze hier am Kopfende meines Tisches und lasse mal wieder gedanklich die Beine baumeln, dabei zieht es meine Gedanken immer wieder zu den Horror – Clowns vom letzten Gedankenausflug und während ich diesen Gedanken nachgebe und noch einmal darüber nachsinne, fällt mir eine Begebenheit aus meinem reichhaltigen Erlebnisschatz ein, die so unglaublich ist, dass man fast gewillt sein könnte, sie in das Reich der Fabeln und Märchen zu verweisen, aber ich versichere hiermit, sie ist genau so geschehen.

Die Lütte und ihr Rolli

Unsere Lütte ist, durch eine Laune der Natur, mit einem körperlichen Defekt zur Welt gekommen, der die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit herabsetzt, weshalb sie mittlerweile für längere Strecken mit einem Rollstuhl mit Restkraftverstärker ausgestattet wurde. Wie muss man sich das jetzt vorstellen? Nun, in den Rädern des Rollstuhls sind kleine Motoren und Kontakte eingebaut, dreht das Kind einmal am Rad, drehen die Motoren, je nach Fahrstufe ein paar Mal mehr. Aufwandserleichterung sozusagen, diese, also die Aufwandserleichterung führt durch die Motoren aber jetzt dazu, dass er, also der Rollstuhl, entsprechend schwerer ist, als ein 08/15 Kassengestell, dieses zusätzliche Gewicht behalten wir einfach mal in Erinnerung, wir kommen darauf zurück.

Eine Insel soll es sein

Eben jene welche unsere Lütte besuchte eine freie Schule in einem unserer nördlichen Bundesländer, war auf dieser Schule durchaus glücklich und hatte einige nette Kontakte in der Klasse knüpfen können. Doch fern am Horizont zog neuerliches Ungemach auf, dem Klassenlehrer stand der Sinn nach einer Klassenfahrt auf eine Nordseeinsel.

An sich keine dumme Idee, die Insel ist nett, das Wetter sollte entsprechend gut sein und auf der Insel steht eine Kurklinik in welcher sich die Lütte schon zweimal zu einer Reha Maßnahme aufgehalten hatte, hinzu kam noch, dass wir eine Begleitung organisiert hatten, so, dass wir sie in guten Händen wussten und der Lehrer entlastet wurde. Leider hat der Lehrer das Wort Entlastung etwas überstrapaziert, ließ die Begleitung allein und entzog sich völlig jeglicher Verantwortung für das Kind, dabei sollte die Begleitung eben nur begleiten und nicht die allein verantwortliche Reiseleitung übernehmen.

Das war erst der Anfang

Die Klassenfahrt kam, alles fuhr los und sie endete, alles kam nach Hause. Hier könnte die kleine Geschichte enden, wenn, ja, wenn nicht die Lütte auf die Frage wie die Fahrt gewesen sei, etwas rumgedruckst hätte und eben diese, für die heutige Zeit unglaubliche Geschichte berichtet hätte, die jetzt folgen soll.

Die Klasse rückte aus zu einer Wanderung durch die Natur (Schulen, die wie ein Salat klingen, fühlen sich der Natur sehr verbunden), dabei passierten sie einen Bohlenweg, wer jetzt denkt das ist für einen Rollstuhl sicher leicht zu bewältigen, ist auf dem Holzweg, denn der gewählte Weg beinhaltete Stufen. Jetzt denkt sich der Autor dieser Zeilen und sicher auch der eine oder andere geneigte Leser, alles kein Problem, da packt man mal eben mit an und schwubbs ist das Kind samt Rollstuhl unten, oder oben, je nach der vom Kind nebst Begleitung gewünschten Richtung, aber weit gefehlt an dieser Stelle trennt sich nämlich die Spreu vom Weizen, oder das Dressing vom Salat, um das Wortspiel von vorhin noch einmal aufzugreifen.

Kein Schwubbs

Denn in zeitlich begrenzter Ermangelung eines weiteren freilaufenden Erwachsenen, wäre es jetzt ja in den Zuständigkeitsbereich der begleitenden Lehrkräfte gefallen, eben jenes „einfach mal mit anpacken und schwubbs“ zu erledigen, doch, um den Spannungsbogen nicht zu überreizen, genau Das fiel aus, wegen ist nicht.

So sahen sich Kind und Begleitung nachdem sie vom Reiseleiter spielenden, vorweg tanzenden Lehrer die Stufen hinunter beordert wurden, auf dem Rückweg der Herausforderung der zu bewältigenden Stufen alleine gegenüber, doch damit nicht genug, denn das wäre einfach nur doof gewesen, richtig unterhaltsam wurde es, sowohl für Kind als auch die Begleitung, als die, die Klassenfahrt begleitende weibliche Lehrkraft, an den beiden vorbei schwebte und dem Kind den Rat gab beim nächsten Mal einen leichteren Rollstuhl mitzunehmen. Wir und die Leser erinnern uns warum der Rollstuhl genau dies nicht sein kann und hinterfragen umgehend die Intention dieser Bemerkung.

Selbst ist das Kind

So aber musste die Lütte, welche durch den Rollstuhl ja eigentlich entlastet werden sollte, mit anpacken um das Gefährt die Stufen hinauf zu wuchten, bis dann endlich ein freilaufender Tourist erschien und am Rollstuhl für den Rest des Weges Hand mit anlegte. Legt sich unsere Stirn an dieser Stelle schon in unwillige Falten, so werden diese grummelig tiefer denn oben angekommen, wurde sie von der weiblichen Lehrkraft erneut befragt, ob sie etwas aus der Aktion auf der Treppe gelernt habe, als die Lütte verneint, wird sie durch die weibliche Lehrkraft wiederum darauf hingewiesen einen leichteren Rollstuhl mitzuführen.

Es mag nicht weiter verwundern, dass wir diesen Bericht zunächst nicht glauben wollten, schließlich lernt man an DER Schule recht bald, dass Aussagen der Kinder generell in Frage zu stellen sind, aber als sie auf dieser Darstellung beharrte, nahmen wir Kontakt mit der Begleitung auf, welche die Geschichte bestätigte.

Mea Culpa

An dieser Stelle kommt es zu einem schicksalhaften Intermezzo, denn ich sah mich dazu auserkoren einen Beschwerdebrief an die Leitung der Schule zu verfassen, wobei die ersten, zwei bis drei Fassungen jeweils von der Mutter des Kindes abgelehnt wurden. Irgendwann hatten wir uns aber auf eine Formulierung geeinigt und der Brief wurde an die entsprechenden Stellen übermittelt. Grundtenor des Briefes – der Spruch der Lehrerin geht überhaupt nicht, eine Entschuldigung beim Kind wäre angebracht, über die Art und Weise, sowie die Formulierungen kann man sicher streiten, aber der Grundtenor sollte selbst einem, der sonst seinen Namen tanzt, deutlich werden.

Zwei Wochen nach der Klassenfahrt sah der Lehrer dann ein Bild der Lütten und sah sich fortan nicht mehr in der Lage sie zu unterrichten, was ihm umgehend von der Schule mit einem mitleidigen, weinerlichen Zustimmen gewährt wurde.

Dem Kind zur Strafe

Sie wurde dann einfach mal vom Unterricht suspendiert. Jetzt ist es aber eigentlich so, dass eine Suspendierung vom Unterricht an bestimmte Voraussetzungen gebunden ist, welche allesamt im Verhalten des Kindes begründet sein müssen, mit anderen Worten, es muss ein Fehlverhalten des Kindes vorliegen. Unsere Lütte hat aber nichts falsch gemacht, es hat lediglich eine Begebenheit von der Klassenfahrt berichtet. Wenn überhaupt haben WIR etwas falsch gemacht.

Das Tribunal tagt

Genau hier schließt sich der Kreis zu der im anderen Artikel bereits erwähnten Gruppe aus Groß- und Müttern, nicht etwa, weil diese in die Schule involviert sind, wobei ich den Groß- und Müttern nicht unterstellen will, dass sie nicht tanzen könnten, sondern weil die Schule eine nahezu identische Kritikfähigkeit und einen ebensolchen Umgang mit Kritikern an den Tag legt. So wurde kurzerhand ein Monsanto Tribunal anberaumt, ähnlich wie bei den Groß- und Müttern, allerdings nicht in Den Haag, sondern in einem Gebäude der Schule. Die wundervolle Kritikfähigkeit wurde erneut dadurch bewiesen, dass der Grundtenor des Briefes zwar zur Kenntnis genommen wurde, es aber bei dem Tribunal nicht mit einer Silbe um das Kind ging, vielmehr war sich die Schule sicher, sie dürfe Kinder willkürlich suspendieren. Ein Hinweis auf die Rechtslage sorgte für Empörung im Gremium wie konnten wir es wagen uns rechtlich schlau zu machen? Aber das war völlig egal, denn wie gesagt es ging nicht um das Kind, sondern lediglich um die Form des Briefes und die Befindlichkeiten des Lehrers.

Völlig aus dem Takt

Es mag an der Formulierung des Briefes gelegen haben, da kann man wahrscheinlich beim Tanzen derart aus dem Rhythmus kommen, dass das Augenmerk vom Kind auf den Lehrer verrutscht. Dieser fand jetzt uns Eltern sowas von doof, und sich mental immer noch nicht in der Lage, ob der garstigen Eltern, also uns, die Lütte weiter zu beschulen. Zumal er sich, weil im Brief nicht namentlich erwähnt, vom Verfasser des Briefes, also mir, gemobbt fühle, da ließ er auch keine Entschuldigung unsererseits gelten, das zerschnittene Tischtuch wurde flugs herausgekramt und hielt jeglichem Schlichtungsversuch stand.

Es kam wie es kommen musste die Schule kündigte den Schulvertrag. So wurde aus, in vermutlich diskussionswürdiger Formulierung, geäußerter Kritik ein Kündigungsschreiben, also ich habe geschrieben und die Schule hat gekündigt.

Womit wir glimpflich davongekommen sind, es gab Zeiten mit einer ähnlichen Kritikfähigkeit, da hätten wir uns im günstigsten Fall auf einem Landsitz in Sibirien wieder gefunden.

Mal ehrlich, solange solche Horror – Clowns auf unsere Kinder losgelassen werden, sind die mit den Gruselmasken am Stadtpark unser kleinstes Problem.

 

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