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Große Empörung über einen angeblichen Tierquäler, der seinen Hund das Gesicht, sowie die Innenseiten der Ohren tätowiert haben soll – alles nur gefaked oder regen sich die Leute zu Recht darüber auf?

Seit einigen Tagen stößt man auf das Bild eines weißen Bull Terriers, der etliche Tätowierungen im Gesicht trägt: Anker, Diamant, Sterne, das Logo eines amerikanischen Baseballteams …

Auf den ersten Blick wundert man sich schon erstmals – Wo sind denn hier die Augen? Ist dieses Bild wirklich echt oder lacht sich hier jemand ins Fäustchen, während ich hier sitze, mich wundere und mich ebenso im selben Zuge über die Grenzenlosigkeit mancher Menschen ärgere?

Fernanda Soares

… ist Anwältin in Brasilien und hat sich eben über dieses Bild ebenfalls beschwert. Sie hatte den Facebook-Beitrag des Tattoo-Künstlers aus Poços de Caldas auf ihrem eigenen Facebook-Account geteilt und somit eine wahre Welle an Kritik und  eines “Shitstorms” losgetreten.

„Im einundzwanzigsten Jahrhundert, nach Jahren des Kampfes um ein Verbot, Ohren und Schwanz aus ästhetischen Gründen zu kupieren, sind wir immer noch gezwungen, Szenen wie diese mitanzusehen.

Auch wenn ich mir das ansehen muss, bin ich nicht zu schweigen verpflichtet …”

so Soares gegenüber der Jornal da Cidade (O Jornal Da Nossa Cidade / Poços de Caldas).

Die portugiesische Zeitung hatte bereits am 17. Juni 2016 einen Artikel online veröffentlicht, noch Monate bevor jener Skandal vor ein paar Tagen in unseren Breitengraden in den Medien auftauchte und zig Menschen schockierte.

Emerson Damasceno

… ist der Besitzer des Hundes und eben auch sein Tattoo-Artist gewesen. Gegen ihn fallen die Vorwürfe seinen Hund misshandelt zu haben. In den Augen vieler ist er ein Tierquäler.

Er selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe, so schrieb er als Rechtfertigung:

„Sie sehen den tätowierten Hund, aber wissen den Grund nicht, warum ich es tat.

Die Pigmentierung des Hundes ist für diese Region nicht geeignet, so hat es sich empfohlen, dass wenn man ihn tätowiert, Hautkrebs bis zu 90% vermieden werden kann.“

Jornal da Cidade hatte hierzu einen Zusammenschnitt veröffentlichet, der die Kommentare Damascenos und jene seiner Freundin auf einem Bild zusammenfasste.

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Quelle: Jornal da Cidade

“ Wir  hatten Hilfe und Unterstützung einiger Fachleute – medizinische Tierärzte und Veteranen auf dem Gebiet – sowie einen Lehrer für Veterinärmedizin für einen Kurs an der PUC in Poços.

Das Tier wird wie ein König behandelt ist von Zuneigung und Fürsorge umgeben”,

fügt sie hinzu.

Fernanda Soares greift aber weiter in dem Artikel aus:

“Und wenn so etwas durch einen medizinischen Auftrag bzw. durch Tierärzte und Lehrer unterstützt wurde, ist es in der Forschung mit dem Board of Ethics registriert? Und der Hersteller der Tinte garantiert 100%igen Schutz vor UV-Strahlen? Das möchte ich gerne wissen.“

Die PUC Minas distanziert sich jedoch mit einer offiziellen Erklärung von der Handlung Damascenos, noch sollen sie Ratschläge in diese Richtung erteilt haben.

Nota de Esclarecimento (eine Anmerkung zur Klärung)

“Die PUC Minas, Poços Campus Caldas, stellt klar, dass mit dem Fall des Hundes, welcher letzte Woche in den sozialen Netzwerken, sowie den lokalen Pressen veröffentlicht wurde, jede Beteiligung oder Verlauf von Studenten oder der Veterinärmedizinischen Fakultät dieser Universität ignoriert und die Schnauze des Hundes durch den Eigentümer selbst tätowiert wurde. In einem der Beiträge in den sozialen Netzwerken wird erwähnt, dass die Tätowierung unter Aufsicht von Lehrern des Veterinärmedizinischen Kurses der PUC Minas bzw. irgendeiner Art von Führung stattgefunden hätte. Dies ist eine unwahre Behauptung und fehl am Platze, da jede Art von Handlung von dem Kurs-Arbeiter vorgenommen wurde. Die Universität entkräftet zudem jede zusätzliche Verbindung seiner Lehrer mit dem Fall und weist darauf hin, dass sie diese Art von Praxis verwirft.”
Quelle: Jornal da Cidade 21. Juni 2016

Der Brasilianer hatte das Bild seines Hundes auf Instagram, sowie Facebook geteilt und die Beiträge zwischenzeitlich von den Seiten genommen. Seinen Namen auf Facebook hatte er ebenfalls geändert.

Tiere “verschönern”

Der Pit Bull des Tattoo-Künstlers Emerson Damasceno war nicht das erste Tier, welches zu “ästhetischen” Zwecken als künstlerische Leinwand “herhalten” musste.

Auf der Website der Welt erschien schon im Jahre 2010 ein Artikel zum Thema “Tiere dürfen nicht einfach tätowiert werden”.

Im Falle eines Mannes, der sein Pony tätowieren wollte, lehnte das zuständige Landratsamt sein Vorhaben per Ordnungsverfügung mit der Begründung ab, dass die beabsichtigte Tätowierung nicht der zulässigen Kennzeichnung diene, sondern allein den individuellen Interessen des Pferdebesitzers.

“Tiere dürfen nicht bedenkenlos tätowiert werden. Dies stelle keinen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes dar.”,

das entschied das Verwaltungsgericht Münster (Az.: 1 L 481/10), wie die „Neue Juristische Wochenschrift“ berichtet.

Laut dem Standard machte auch der Bundesstaat New York einen großen Schritt im Tierschutz:

2014 unterzeichnete Gouverneur Andrew Cuomo ein Gesetz, dass das Tätowieren und Piercen von Haustieren zu ausschließlich kosmetischen Zwecken oder zur Freude des Besitzers im US-Bundesstaat New York verbietet.

Wer sein Haustier trotzdem piercen oder tätowieren lässt, kassiert eine Geldstrafe von bis zu 250 US-Dollar (etwa 200 Euro) und bis zu 15 Tagen Gefängnis.

Tierschutz in Brasilien?

Laut dem Bundesamt für Naturschutz/Abt. Z.3 in Bonn gibt es sehr wohl strenge Tier- und Pflanzenschutzgesetze in Brasilien, die sich jedoch auf frei lebende und geschützte Pflanzen und Tiere beziehen.

Tier- und Pflanzenschutz

Brasilien verfügt über strenge Strafvorschriften zum Schutz von Flora und Fauna. Verstöße werden von den brasilianischen Behörden konsequent verfolgt und auch mit Haftstrafen geahndet. Besonders streng werden Versuche verfolgt, frei lebende und geschützte Pflanzen und Tiere aus Brasilien zu exportieren. Das gilt für nahezu alle Zierfischarten aus dem Amazonasbecken, für Pflanzensetzlinge und –samen sowie für Insekten und Spinnen (Vogelspinne!). Bereits der Transport geschützter Tiere oder Pflanzen von einem bras. Bundesstaat in einen anderen ist – sofern keine ausdrückliche staatliche Genehmigung vorliegt – strafbar. Angesichts des umfangreichen und damit zwangsläufig unübersichtlichen Katalogs von in Brasilien geschützten Tieren und Pflanzen wird Reisenden geraten, keine Tiere oder Pflanzen/Pflanzensamen zu kaufen, zu sammeln oder auszuführen. Unabhängig davon ist auch die Einfuhr von Pflanzen und Tieren nach Deutschland, die nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt sind, unzulässig  bzw. nur mit einer entsprechenden Einfuhrgenehmigung erlaubt. Nähere Informationen zur Einfuhr finden sich auf der Internetseite www.bfn.de oder aber direkt beim

Bundesamt für Naturschutz/Abt. Z.3
Konstantinstr. 110
53179 Bonn
Tel: +49228/8491-4444
Fax: +49228/8491-1039
PBox-CitesMA@BfN.de

Fazit:

Emerson Damasceno hat seinen eigenen Hund unter der Aussage, ihn vor Hautkrebs schützen zu wollen, tätowiert. Fernanda Soares sieht darin die Tierschutzrechte verletzt und hat öffentlich darauf hingewiesen, dass sie darin Tierquälerei sieht. Damasceno hat sich aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Die PUC Minas hat sich von dem Vorfall distanziert.

Die Frage, wie weit Modetrends oder persönliche Interessen auf unsere tierischen Freunde übertragen werden dürfen, ist alles andere als objektiv zu betrachten, doch sagt mir mein Menschenverstand, dass ein Tier kein Mensch ist und mit der psychischen, sowie physischen “Belastung” einer Tätowierung psychologisch nicht so umgehen kann oder wird, wie ein Mensch, der sich aus freien Stücken dazu entschließt.

Quellen: the Holidog Times, Jornal da Cidade, Jornal da Cidade Teil 2, WELT, derStandard, Auswärtiges Amt