Endgültig haben mir eine Menge Mitmenschen bewiesen, was für Arschlöcher sie sind. Und das ist echt noch nett ausgedrückt.

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Tagelang haben wir uns das angeschaut, wir haben freundlich darauf hingewiesen, dass es in unseren Augen nur moderat sauber ist, eine Kinderleiche als Bild eines Krieges zu instrumentalisieren.

Dafür haben wir einiges an Spott eingesteckt, ja jemand, der sich selbst “Journalist” schimpft, nannte mich vor ein paar Tagen einen Clown in einem direkten Kommentarverkehr. Doch ernsthaft, was hat diese Deutlichkeit der Bilder bewirkt? Was haben all diejenigen mit ihrer Dampfhammermethode erreicht? Wurden wirklich die Personen, welche mit den drastischen Bildern erreicht werden sollten geweckt?

Schwachsinn! Dummer Unfug! Nichts wurde erreicht, es wurde nur das Gegenteil erreicht. Diejenigen, welche sich durch diese Bilder aufgeweckt fühlen sollten, haben aufgrund der Allgegenwärtigkeit zum Gegenschlag ausgeholt. Am liebsten würde ich dem Herrn “Journalisten” aus meiner persönlichen Diskussion gern antworten: Du Clown! So werden Deine geteilten Bilder jetzt verwurstet. Ist es das, was Du erreichen wolltest?

Aber ich mache es nicht, denn ich habe mich mit Anstand aus der einseitig polemisch geführten Diskussion verabschiedet. Dieses Niveau der Diskussionskultur wollte ich zu dem Zeitpunkt der Diskussion nicht an den Tag legen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich kein “Journalist” bin.

Die Reaktion auf die Allgegenwärtigkeit

Am Ende ist es mir auch egal, wie sehr mich dieser Herr beschimpft hat, bis auf ein wenig gekränkte Eitelkeit ist mir nichts widerfahren. Was mich jedoch so wirklich ankackt, sind die aktuellen Reaktionen so mancher Zeitgenossen. Ernsthaft! Mir ballen sich die Fäuste in den Taschen, wenn ich lese, dass es Personen gibt, welche sich öffentlich darüber freuen, dass es ja jetzt einen Flüchtling weniger gäbe.

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Da ist es eine Seite mit Namen “Berlin wehrt sich”, die eindeutige Worte findet. Ich will die Worte nicht wiedergeben, ich will sie nicht über meine Tastatur fahren lassen, denn ich will mir auch morgen noch in die Augen schauen können.

Berlin wehrt sich. Was ein Dreck. Was soll das? Was für ein Pfosten ergötzt sich daran – und animiert andere zur Ergötzung – dass ein Kleinkind den Tod findet? Speiübel könnte mir werden, doch das wird mir nicht. Denn es sollte mir dabei nicht übel werden, es sollte mich nicht krank machen, sondern es sollte mich eher gesund und stark machen. Stark darin, gegen genau solche Veröffentlichungen den Kampf aufzunehmen und bis zum Ende zu führen.

In Insiderkreisen munkelt man, ein Benjamin S. stecke als Admin hinter dieser Seite. Benjamin S., ich habe mir sein Facebookprofil angeschaut. Ja, durchaus wahrscheinlich, dass er dahinter steckt. Zumindest weiß ich auch, dass er Besuch von der Polizei bekommen wird – die Polizei Berlin hat es direkt als Kommentar unter das Bild geschrieben. So muss!

Kann man das noch steigern?

Na super, ja das kann man. Ich glaube, die widerwärtigste Veröffentlichung schaffte eine Facebookseite namens Arschkeks 2.0. Da ist Name Programm, jawollo!

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Ey Arschkeks, geh mal ein paar Monate bei der Tagespresse oder dem Postillon in Lehre, bevor du meinst, eine Art Satire betreiben zu müssen. Das was Du da gemacht hast, ist provokativer Mist. Und dann noch cool das eigene Logo aufs Bild pappen.

Dass ist einfach nur Scheiße.

Facebook wird aktiv

Quatsch, natürlich nicht. Im Ernst: hat irgendjemand wirklich erwartet, dass Facebook nun konsequent den verstorbenen Aylan schützt? Hat wirklich wer geglaubt, dass Facebook die Verballhornung eines der schlimmsten Schicksale der Gegenwart abstraft?

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So true!  Facebook, Du bist echt arm.  Nix geschieht, es ist augenscheinlich scheißegal, wie auf den Persönlichkeitsrechten eines toten Menschen getrampelt, gerotzt und auch gekotzt wird. Wer das als gültigen Gemeinschaftsstandard ansieht, hat meinen Respekt komplett verspielt.

Edit, Update irgendwas um 01 Uhr nochwas:
Facebook hat zumindest im Fall Berlin wehrt sich reagiert. Der Arschkeks ist dennoch immer nochgeschissen, und den finde ich ebenso schlimm.

Ich habe im Zuge dieser Diskussion einen alten Kollegen (den Matthäus) angeschrieben, weil ich seiner Meinung sehr vertraue. Er schrieb mir zurück:

Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus, und auch wenn das Gesicht des Kindes nicht sichtbar und somit eine Identifizierung nicht möglich ist, geht das doch zu weit.

Und überhaupt …

Seit gut einer Woche kämpfe ich hier, dass die Persönlichkeitsrechte eines toten Kindes gewahrt werden. Die Ergebnisse: Beschimpfungen von Menschen, mit denen man eigentlich auf einer Seite steht. Man bekommt Messer in den Rücken gestochen von Print- und TV Medien, die ebenso den Zweck über die Mittel stellen. Und was hat es bewirkt? Die ständige Präsenz der Bilder hat die abscheulichsten Kreaturen der Spezies Mensch dazu animiert, noch mehr auf die Persönlichkeitsrechte eine verstorbenen Kindes zu treten.

Ich habe versagt.

Mein Rant: Rant [to rant = schimpfen]ist eine Subkategorie des Bloggens. Der Rant ist das persönliche und ungeschminkte Wort des Autors. Subjektiv und streitbar. Ein Rant ist nicht das Hauptthema des Blogs, ein Rant will auch nicht zu ernst genommen werden. Ein Rant darf auch unbeachtet bleiben, aber er ist da.

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