Es wird langsam zum Usus, dass wir immer wieder auf die reißerischen Schlagzeilen diverser Medien hinweisen, die mit penetranter Regelmäßigkeit den Weltuntergang heraufbeschwören. So nun auch bei den aktuellen Meldungen zum Asteroiden „2002 AJ129“. Vor diesem „potenziell gefährlichen“ Brocken soll die NASA angeblich warnen, manche Medien schreiben von einem „apokalyptischen Monsterasteroiden“. Was ist denn da nun dran?

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Beispiel einer „Weltuntergangsmeldung“:

Screenshot: Yahoo Nachrichten

Viel Lärm um nichts

Die Angst vor einem Weltuntergang gehört quasi zu den Urängsten der Menschen. All zu leichtfertig wird dieses Thema immer wieder gerne als Clickbait hergenommen, selbst wenn de facto überhaupt nichts passieren wird, und dies auch absolut klar ist!

Auch wenn in dem Artikel ganz am Ende relativiert wird, und man schreibt, dass es derzeit keine Hinweise gebe, dass der Asteroid die Erde treffen wird, bleibt oft genug nur die Überschrift mit der dramatischen künstlerischen Darstellung des Asteroiden im Kopf hängen. Dies führt dann unter anderem dazu, dass in verschiedenen Gruppen auf Facebook sich Nutzer ängstlich austauschen, manchmal sogar fast in Panik verfallen; es beunruhigt und verängstigt sie, und diese Angst ist – im Gegensatz zu der angeblichen Gefahr – real!

Immerhin geht es bei dieser „Weltuntergangsankündigung“ um einen Asteroiden, also einen Himmelskörper, der wirklich existiert, wo im Kern der Geschichte also noch ein Fünkchen Wahrheit vorhanden ist. Was aber nicht heißt, dass ein ähnliches Weltuntergangs-Clickbait-Medienspektakel nicht auch für komplette Fantasiegeschichten, wie den angeblichen Planeten „Nibiru“ veranstaltet würde, das hatten wir erst Ende 2017, als es um den religiösen Endzeit-Fanatiker David Meade ging.

Die Gefahr ist nicht real

Betrachten wir einmal die Fakten: Es handelt sich bei dem aktuellen Fall um den Asteroiden „2002 AJ129“. Dieser wurde, wie der Name erkennen läst, bereits im Jahre 2002 vom Near Earth Asteroid Tracking Project (NEAR) entdeckt, also vor rund 16 Jahren. Das sind 16 Jahre, in denen der Asteroid eingehend beobachtet wurde, in denen wir immer mehr über seine Flugbahn erfahren konnten, und wegen denen wir nun sehr genaue Angaben über diese Bahn machen können. Ergebnis: Er wird definitiv nicht mit der Erde kollidieren.

2002 AJ129 wird am 4. Februar 2018 zwar „nah“ an der Erde vorbeifliegen, aber „nah“ ist hier in astronomischen Maßstäben zu sehen: Der geringste Abstand wird 4,2 Millionen Kilometer betragen. Dies ist mehr als der 10-fache Abstand der Erde zum Mond, also definitiv außerhalb jeglicher Gefahrenzone.

Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA hat dieses anschauliche YouTube-Video veröffentlicht, das die Flugbahn genau zeigt:


Video: NASA/JPL-Caltech

Gemessen an den Maßstäben unseres Sonnensystems ist das in der Tat „nah“, aber immer noch viel zu weit, als dass wir irgendetwas davon mitbekommen würden.

Aber warum dann laut NASA „potenziell gefährlich“?

In der Tat befindet sich der Asteroid auf der Liste der „potenziell gefährlichen“ Objekte. Dort werden allerdings schlicht und einfach Himmelskörper gelistet, die eine gewisse Größe aufweisen und deren Umlaufbahn weniger als 7,5 Millionen Kilometer an der Erde vorbeiführt. Beide Kriterien sind erfüllt, daher steht er eben dort drauf.

Dies zeigt jedoch umso mehr, dass man gerade bei wissenschaftlichen Angaben oft einen gewissen Kontext mitliefern muss, um Missverständnisse und Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Denn obwohl er auf dieser Liste steht, hat er laut den Angaben von Paul Chodas vom Zentrum für die Erforschung erdnaher Objekte keinerlei Chance, die Erde am 4. Februar oder überhaupt in den nächsten 100 Jahren zu treffen.

Wir kennen mittlerweile über 15.000 erdnahe Objekte, aber keines davon ist eine wirkliche Gefahr für die Erde. Es wäre also vielleicht mal an der Zeit, dass die Medien etwas entspannter über solche Vorbeiflüge berichten würden. Man könnte zum Beispiel etwas über die Forschung schreiben, warum solche Asteroiden super interessant sind, wenn wir etwas über unser Sonnensystem lernen wollen. Aber das brächte wahrscheinlich nicht so viele Klicks…

Autor: Rüdiger, mimikama.at

Quellen

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