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Fastfood-Essen von Burgerketten sind nicht unbedingt das Gesündeste. Darüber können wir uns schon einmal einig sein, oder? Nun wird allerdings seit Mitte März 2016 ein Facebook-Beitrag geteilt, der uns augenscheinlich die Wahrheit über die Pommes bei McDonalds verrät!


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Ja, es ist abermals das Anonymous.Kollektiv (#fakeanonymous), welches hier ruft: “Ein einziger Giftcocktail in Kartoffelstäbchenform”. Wir haben uns den Beitrag und die Rezeptur auch noch einmal genauer angeschaut. Leckeres Fastfood oder die fettigen Finger des Teufels?

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So schreibt „Anonymous.Kollektiv“ im Teaser:

„Giftcocktail: Warum du aufhören solltest bei McDonald’s zu essen!
Kartoffeln, Frittieröl und Salz: Mehr braucht es nicht, um Pommes herzustellen – eigentlich. Denn das, was der Fast-Food-Riese McDonald’s unter seine Pommes mischt, hat viel mehr etwas mit einem Versuchslabor, statt mit knusprig-kross gebratenen Kartoffelstiften zu tun.“

Quellensuche

Darauf gehen wir mal nur kurz ein, da uns die Fakten mehr interessieren. Das mittlerweile berühmt-berüchtigte Anonymous.Kollektiv aka „Fake Anonymous“ postete am 17. März 2016 einen längeren Text auf dem russischen sozialen Netzwerk vk.com. Jedoch sind sie nicht einmal die Urheber des Textes, sondern haben ihn (natürlich ohne Quellenangabe) von einem Artikel des Blogs „Wunderweib“ kopiert. Diese wiederrum scheinen sämtliche Informationen von einem Artikel des „Stern“ zu haben, der wenige Stunden zuvor genau dasselbe Thema, nur mit anderem Text, behandelte.

Vorweg: Der Artikel des „Stern“ hat am Schluss noch einen wichtigen Zusatz, auf den wir noch eingehen werden.

Die Behauptungen

Konkret geht es um die Inhaltsstoffe der Pommes, welche einen „Giftcocktail“ bilden würden. Von den 12 aufgezählten Stoffen wird auf drei besonders eingegangen: Tertiär-Butylhydrochinon, Polydimethylsiloxan und Dinatriumhydrogenphosphat. Ein Blick auf die US-Seite von McDonalds zeigt, dass sich jene Stoffe auch tatsächlich in Pommes befinden:

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Schauen wir uns also diese Zusatzstoffe mal genauer an.

Tertiär-Butylhydrochinon

Die Behauptung:

„Ein Antioxidationsmittel, das in den USA unter anderem für die Herstellung von Biodiesel verwendet wird.“

Tertiär-Butylhydrochinon (TBHQ) findet sich besonders in den USA in vielen fettreichen Lebensmitteln zu finden und ist ein Konservierungsmittel. McDonalds verwendet den Stoff in seinem hydrierten Sojabohnenöl (vegetarisch), um die Pommes zu frittieren. Und jenes Sojabohnenöl wird in den USA auch verstärkt zur Herstellung von Biodiesel-Kraftstoff verwendet.

Hier wird also über zwei Bande gespielt, um die Meldung reißerischer zu machen:
Ein zugelassener Lebensmittelstoff in einem Öl, welches auch für die Herstellung von Diesel verwendet wird. Man isst also nicht etwa Sprit, sondern man fährt mit einem Lebensmittel-Zusatz.

Polydimethylsiloxan

Die Behauptung:

„Es soll vor dem Überschäumen von kochendem Frittieröl schützen. Tatsächlich schützt es in der Realität vor Geschlechtskrankheiten und ungewolltem Nachwuchs. P. dient auch zur Gleitbeschichtung von Kondomen und als Inhaltsstoff von Arzneimitteln.“

Als einfachstes Silikonöl findet sich dieser Stoff in einer Vielzahl von Arzneimitteln, z.B. gegen Blähungen, und technischen Anwendungen, z.B. als Schmierstoff in Kondomen. Die Behauptung suggeriert, dass die Äußerung von McDonalds, es solle vor dem Überschäumen des Öls schützen, nicht wahr sei. Als Lebensmittelzusatz E900 zugelassen ist es farblos und ungiftig, auch chemische Reaktionen lassen sich mit dem Stoff nur schwer erzielen, er gilt als „träge“. Genau jene Trägheit ist dann auch ideal für das Frittieröl. Im Übrigen findet sich E900 auch in Konfitüren, Marmeladen und konserviertem Obst und Gemüse.

Dinatriumhydrogenphosphat

Die Behauptung:

„…….“

Richtig. Der Stoff wird zwar aufgezählt, aber nichts dazu behauptet. Das liegt daran, dass der so gefährlich klingende Stoff einfach nur ein Natrium-Salz der Phosphorsäure ist. Als Lebensmittelzusatz E450a hält es unter anderem den pH-Wert eines Lebensmittels konstant.

Wie krebserregend sind die Stoffe?

Die Zusatzstoffe sind als Lebensmittelzusätze zugelassen, aber das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht eventuell gänzlich ungiftig sind. Aber: das Gift macht hier, wie in so vielen Fällen, die Menge aus. Die Stoffe sind teilweise ungiftig, teilweise nur in sehr viel höheren Dosen giftig und/oder krebserregend. Wenn man also vorhat, sich für die nächsten Monate nur von Pommes zu ernähren, und zwar kiloweise am Tag, kann man sich tatsächlich darüber Sorgen machen. Dann hat man aber auch ein paar ganz andere Probleme. In den Mengen, in denen sich jene Stoffe in der üblichen Handelsgröße einer Portion Pommes finden, sind sie aber ungiftig.

Ich will die Stoffe trotzdem nicht mitessen! Was nun?

Dann raten wir dazu, nicht bei McDonalds zu essen… in den USA. Denn nun kommen wir zu dem angekündigten letzten Absatz des „Stern“, der sowohl bei „Wunderweib“ als auch bei „Anonymous.Kollektiv“ geflissentlich weggelassen wurde:

„Anmerkung: Die Zutatenliste bezieht sich auf die Zusammensetzung der Pommes frites in den USA.“

Und wie schaut es mit den Pommes in Deutschland aus?

Tatsächlich sind die oben genannten Zusatzstoffe alle in der EU zugelassen. McDonalds Deutschland jedoch verwendet eine andere Rezeptur für ihre Pommes als in den USA, da hier die Regulierung über Zusatzstoffe weitaus strenger ist.

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Gut zu wissen. Und hier finden sich auch Aufzählungen sämtlicher Bestandteile der Lebensmittel von McDonalds Deutschland:

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Wie man erkennen kann, findet sich in den deutschen McDonalds nur das Natrium-Salz Dinatriumhydrogenphosphat und das Silikonöl Polydimethylsiloxan in der Rezeptur wieder. Viele Zusätze der US-Pommes finden sich da nicht wieder, womit wir zur letzten Behauptung kommen:

„Eine unerfreuliche Nachricht für Veganer: Die Pommes frites von McDonald’s sind alles andere als vegan. Während Pommes früher in Rindertalg frittiert wurden, gleicht man diesen aromatischen Verlust heute mit der Zugabe von natürlichem Rindfleischaroma aus.“

Lt. der US-Rezeptur findet sich dort „Natural Beef Flavour“, also natürlicher Rindergeschmack. Jener ist allerdings kein „echtes“ Rind, sondern besteht tatsächlich nur aus Weizen- und Milchderivaten. Für Veganer wäre das also vielleicht wirklich nichts, Vegetarier dürften mit dem Milchanteil weniger ein Problem haben.

Aber auch hier gilt: Diesen Zusatz gibt es nur in den USA. In Deutschland findet sich jener Zusatz nicht, also dürfen Veganer weiterhin ohne schlechtes Gewissen Pommes essen.

Fazit:

Als Grundlage für eine Diät sind Pommes jetzt nicht unbedingt die erste Wahl. Oder die Letzte. Dass zuviel Fett ungesund ist, ist unbestritten, auch zuviel Chemie ist nicht sonderlich bekömmlich. Mit dem reißerischen Artikel von „Wunderweib“, der vom „Anonymous.Kollektiv“ ungefragt copypasted wurde, wird allerdings nur unnötig Fastfood-Bashing betrieben, indem wild mit chemischen Namen um sich geworfen wird, Zusammenhänge über die Verwendung der Stoffe ungenügend beschrieben werden und verheimlicht, dass es sich um die US-Rezeptur handelt.

Nein, wir wurden nicht von McDonalds für diesen Artikel bezahlt. Wir wollten euch damit nur ein wenig Lebensmittelchemie erklären. Ob ihr schlussendlich zu McDonalds geht, zum nächsten Dönerstand oder euch ein belegtes Brot mitnehmt, sei natürlich euch überlassen. Aber lasst euch nicht von gefährlich klingenden chemischen Namen beeindrucken. Nötigenfalls kann jeder die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln googlen und sich genauer informieren. Oder uns fragen.

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Autor: Ralf, mimikama.at