Sind die Warnungen vor Rapsöl gerechtfertigt?

Sind die Warnungen vor Rapsöl gerechtfertigt? (Faktencheck)

Von | 24. Januar 2020, 11:37

Ein weit verbreiteter Artikel behauptet, dass Rapsöl das Gehirn schädige und Demenz verursache.

Das Wichtigste zum Thema Rapsöl in Kürze:

  1. Rapsöl sei gentechnisch modifiziert und in allen Belangen schädlich
  2. Es werden allerdings nur unbewiesene und irreführende Behauptungen aufgestellt
  3. Letztendlich werden nur eigene (teure) Produkte beworben

So soll laut dem Artikel der Seite „Gesundmagazin„, zu dem wir viele Anfragen bekamen, Rapsöl gar nicht mehr natürlich sein, gehirnschädigend sei und Demenz verursachen. Deswegen wollen wir an dieser Stelle einen Blick auf das Rapsöl werfen und uns einige Behauptungen ansehen.

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Behauptung: Rapsöl ist genetisch modifiziert, es gibt kein biologisches Rapsöl mehr

Der englische Name von Rapsöl ist „Canola Oil“. Das ist tatsächlich ein Markenname und steht für „Canadian oil, low acid“, auf Deutsch: „Kanadisches Öl, wenig Säure“.

Das klingt nicht nur besser als „Rape Oil“ (Rape bedeutet im Englischen sowohl Raps als auch Vergewaltigung), sondern hat auch einen Hintergrund: Bis in die 1970er-Jahre enthielt Rapsöl hohe Anteile der der bitter schmeckenden Erucasäure, welche schädlich für den Organismus von Mensch und Tier ist, weswegen Rapsöl vornehmlich als Lampenöl verwendet wurde.

Jenes Canola Oil wurde in Kanada entwickelt und trägt nicht nur dort, sondern auch in weiten Teilen Amerikas und Australien diesen Namen, wird aber allgemein einfach nur Rapsöl genannt. Es handelt sich um eine sogenannte 00-Raps Züchtung, welche keine Eruscasäure und nur einen sehr geringen oder gar keinen Glucosinolatgehalt mehr haben.

Zwischenfazit:

Die Empörung der Seite, dass es kein natürliches Rapsöl mehr gäbe, ist mehr als ungerechtfertigt, es sei denn, man will sich unbedingt vergiften, da das ursprüngliche Rapsöl für den Verzehr nur sehr bedingt bis gar nicht geeignet war.

Auch ist die Behauptung, dass Canola-Öl im Labor entstanden sei, falsch: Zwar wurde in den 1970er-Jahren die ersten gentechnischen Versuche an Bakterien vorgenommen, die Forschung an gentechnsich veränderten Pflanzen begann jedoch erst in den 80ern, und es sollte bis 1996 dauern, bis gentechnisch veränderte Pflanzen auch auf den Markt kamen.

Der im Artikel erwähnte Dr. Baldur Steffanson, der als „Vater des Canola Oils“ gilt, „bastelte“ also mitnichten in einem Labor den Raps, sondern nutzte quasi die Gentechnik der Natur: Er züchtete!

Warum soll Rapsöl Alzheimer verursachen?

Woher diese Behauptung kommt, lässt der Artikel des Gesundmagazins vollkommen offen, doch auf diesen Punkt möchten wir gerne genau eingehen, denn tatsächlich gibt es diese Behauptung aufgrund einer Studie.

In dieser Studie stellten die Autoren fest, dass es bei der Mittelmeerbevölkerung, im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen, weniger Alzheimer-Erkrankungen gäbe, außerdem ist dort Olivenöl das Hauptfett in der Ernährung. Olivenöl hat eine sehr ähnliche Zusammensetzung wie Rapsöl. wobei Rapsöl aber sehr viel günstiger ist, also wollten sie die Hypothese überprüfen, ob Rapsöl ähnliche gesundheitliche Vorteile hat.

In dem Experiment nutzten sie gentechnisch veränderte Mäuse, die darauf gezüchtet wurden, bestimmte Marker für Alzheimer besser erkennbar zu machen. In den Ergebnissen zeigte sich, dass die Mäusegruppe, welche Futter mit Rapsöl bekam, sich in Labyrinthen leicht unterschiedlich verhielten: Sie wechselten bei Weggabelungen weniger oft die Richtung als die Mäusegruppe mit normalem Futter.

Insgesamt wurden sechs Messungen und drei verschiedene Tests durchgeführt, bei einem der Tests verhielten sich die Rapsöl-Mäuse unterschiedlich, genau genommen 20 Prozent unterschiedlich, was die Autoren als „signifikante Defizite des Arbeitsgedächtnisses“ beschrieben.

Interessant an der Studie:
Die Autoren verwendeten sowohl 2015 als auch 2017 (die obige Studie) dieselben transgenen Mäuse. In der Studie von 2015 war ihr Alter mit sieben bis acht Monate angegeben, in der Alzheimer-Studie hatten sie somit schon ein recht fortgeschrittenes Alter, was sich auch auf die Messergebnisse auswirken kann. Zumindest wurde in der Alzheimer-Studie das Alter der Mäuse nicht angegeben.

Zwschenfazit:

Aus der Studie lässt sich nur mit viel Fantasie schließen, dass Rapsöl Alzheimer auslöse. Die Versuchsmäuse waren nicht nur genetisch verändert, sondern auch noch mit unbekanntem Alter. Die Schlüsse, welche damals so maches Boulevard-Blatt und Seite zog, sind sehr an den Haaren herbeigezogen: Zwar konnten auch in den Messungen einige Unterschiede festgestellt werden, jedoch die 1:1 Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen, inkl. der festen Behauptung, dass Rapsöl Alzheimer auslöse, ist reiner Sensationsjournalismus.

Verschiedene Behauptungen

Im restlichen Artikel werden verschiedene Behauptungen getroffen, auf die man nicht einzeln eingehen muss, strichprobenartig zeigt sich aber, dass dort sehr viel Unwahrheit steht, um das eigene Produkt am Ende des Artikels zu bewerben.

Der Schwefel im Rapsöl: Jener soll Canola leicht ranzig machen, was zu Allergien führen kann. Jedoch wird Schwefel nur für die Düngung verwendet, Im Rapsöl selbst findet es sich überhaupt nicht! Rapsöl besteht aus Raps, verschiedenen Fettsäuren und Vitamin E.

Raps verbraucht Vitamin E? Ebenfalls Unsinn, da Rapsöl ja Vitamin E enthält, es wird also dem Organismus zugeführt, nicht verbraucht

Rapsöl erhöht das Risiko für Lungenkrebs? Diese Behauptung stützt sich auf eine Studie von 2002 über Frauen in China, die mit lokal hergestelltem Raps- und Leinenöl kochten und den Kochdämpfen längere Zeit ausgesetzt waren. Die Ergebnisse können aber nicht allgemein auf die Nutzung von Rapsöl angewandt werden.

Raps verderbe schnell, man wisse daher nicht, ob man ranzige Erucasäure esse: Der Vorteil des heutigen Rapsöl ist ja gerade, dass es kein oder nur einen verschwindend geringen Anteil an Erucasäure enthält, dies ist also vollkommen aus der Luft gegriffen.

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Fazit

Der Artikel von „gesundmagazin“ wirft im Prinzip nur mit haltlosen Behauptungen um sich, um letztendlich diverse Produkte wie Bio-Kokosöl und Reishi-Pilze zu bewerben. Die Kauflinks führen nicht nur zu Amazon (natürlich mit Affiliate-Link), sondern auch zum berüchtigten „Kopp-Verlag„, bekannt für seine Buchauswahl über Esoterik, „alternative“ Heilmethoden und Verschwörungstheorien.

Artikelbild: Shutterstock / Von Maya Kruchankova
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