Silvester mit seinem Vierbeiner

Silvester mit Hund!

Von | 10. Dezember 2018, 13:38

Da wir im Mimikama Büro unseren “Fake-Jäger”-Hund Pauli haben, ist das auch ein Thema für uns. Und wir dachten uns: Warum nicht gleich auch an andere Hundebesitzer weitergeben?

Wir haben mit der Tierarztpraxis Anke Meeuw Rücksprache gehalten und zu diesem Thema folgende Information bekommen:

Silvester mit Hund! Was nun? Wie mit Raketen und Böllern umgehen?

Unsere Hunde haben ein viermal besseres Gehör als wir Menschen, daher lösen so laute Geräusche für die Tiere sowieso Stress aus. Dazu kommen noch die vielen bunten Lichter. Hunde können nicht begreifen, woher die Knallerei kommt – und warum alle Menschen plötzlich jubeln. Vielen Hunden macht das einfach nur große Angst.

Was kann man tun?

Wichtig ist es, das Tier nicht übermäßig zu beruhigen oder zu streicheln, da das die Angst noch verstärkt („Herrchen muss mich beruhigen, also stimmt hier wirklich etwas nicht!). Trösten ist jedoch ausdrücklich erlaubt.

Pauli. Der Bürohund von mimikama :-)

Pauli. Der Bürohund von mimikama 🙂

Silvester-Checkliste für Hunde

  • Hund immer an der Leine lassen, denn Knaller können Beine machen.
  • Abends eine große Portion fressen lassen – ein voller Magen hat weniger Angst.
  • Zimmer abdunkeln (Rollos runter, Vorhänge zu)
  • Gassirunden kurz halten; letzte Runde so gegen 20 Uhr
  • Sicher sitzende Kommandos abfragen – das gibt Sicherheit.
  • Sozial Support: Streicheln, Körperkontakt und Beruhigung sind ausdrücklich erlaubt.
  • Bei großen Angsthasen: rechtzeitig zum Tierarzt, um Medikamente zu holen (mit dem Tier)
  • Bei kleineren Angsthasen: Eierlikör – nach Absprache mit dem Tierarzt (kein Scherz!)
  • Auf keinen Fall Acepromazin (Handelsnamen Calmivet, Prequillan, Relaquine, Sedalin, Tranquigel, Tranquiline, Vetranquil) verabreichen.
  • Ohren mit Watte verschließen, wenn der Hund das zulässt.
  • Selber ruhig bleiben – Angst überträgt sich!
  • Aufs Land fahren und der Knallerei entgehen.
  • Den Hund nicht alleine lassen!
  • Ruhige, regelmäßige Geräusche oder Musik (wie beim Welpen) beruhigen
  • Tellington-Touch

Dr. Ute Blaschke-Berthold von Cumcane hat das ein weniger näher beleuchtet:

„Nun, zuerst stellt sich die Frage: WAS ist Trösten? Wie sieht es aus? Ist es ein typisch menschliches Verhalten – oder hat es Wurzeln im Tierreich?

In der Verhaltensbiologie gibt es für das Phänomen des Tröstens einen Fachausdruck, Social Support! Das bedeutet “Soziale Unterstützung” und ist eines der Kriterien für kooperatives Verhalten in Gruppen. Menschen zeigen dieses Verhalten, aber auch viele andere Tiere, die in Gruppen leben, sind dazu fähig, geben und holen sich Social Support. Social Support bedeutet, Gruppenmitgliedern in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung zu helfen. Körperliche Nähe und Zuwendung durch Bindungspartner senken Blutdruck, Herzfrequenz und Spiegel der Stresshormone und helfen, beängstigende Situationen besser zu bewältigen.

Würde Social Support zu einer Verschlimmerung von Angstzuständen führen, hätte sich dieses sozio-positive Verhalten im Verlauf der Entwicklungsgeschichte nicht erhalten können! Keine Gruppe kann es brauchen, dass ihre Mitglieder immer ängstlicher werden.

Hundehalter sollten sich am Wissen über Sozialverhalten orientieren und ihren Tieren ausreichend Social Support geben, um ihnen durch die stressende Silvesterzeit zu helfen. Alles, was den Hund wirklich entspannt, ist Social Support und damit erlaubt. Ignorieren oder gar Wegschicken beschädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund und sind darüberhinaus auch noch nicht sozial! “ (CR: Dr. Blaschke-Berthold)

Es empfiehlt sich, mit dem Hund an einen ruhigeren Ort zu gehen und ihn dort Kunststücke, Befehle – die er beherrscht – ausführen zu lassen, während es knallt. Das vermittelt dem Tier Sicherheit und zeigt ihm, das es sich um keine gefährliche Situation handelt („Wenn ich hier „Sitz“ und „Platz“ machen soll, kann das alles nicht so schlimm sein!“).

Beruhigungsmittel halte ich grundsätzlich und ohne tierärztliche Untersuchung und Anweisung nicht für so sinnvoll, da das die Angst eventuell noch verstärken kann.

Hilfreich kann bei sehr ängstlichen Hunden auch der Tellington-Touch (TTouch) sein: Kreisförmige Bewegungen auf der Haut und Ohrausstreichen wirken beruhigend. Touch-Kreise werden mit den Fingerspitzen oder mit dem Handballen aufgeführt. Man bewegt die Hand in einem 1 1/4 Kreis, verschiebt dann die Hand und beginnt einen neuen Kreis (wirkt auch beim Menschen).

Sollte Ihr Hund bei Stress nicht zum Durchfall neigen, können Sie ihm auch nachmittags noch mal Futter zum Sattessen geben (ein voller Magen wirkt auch beruhigend).

Man kann den Hund auch in ein gesondertes, etwas dunkleres Zimmer bringen und dort Musik mit einem gleichmäßigen Rhythmus laufen lassen (gleiches Prinzip wie bei Welpen und dem Wecker!).

Wenn ein Hund so panisch reagiert, dass er unter sich macht, jault, vor Angst erstarrt, sich lieber vor ein Auto wirft oder aus dem Fenster springt, dann braucht man mehr Hilfe. Solche Hunde brauchen Medikamente.

Sollte es ohne Medikamente nicht funktionieren, gibt es die Möglichkeit, eine Paste mit dem Wirkstoff Dexmedetomedin oder ein Benzodiazepin einzusetzen. Bitte beachten Sie jedoch, dass damit schon 3 – 4 Tage vorher begonnen werden muss. Aus Tierschutzgründen lehnen wir den Einsatz von Azepromazin (Sedalin, Vetranquil ect.) ab. Die Tiere nehmen unter diesem Wirkstoff alle Dinge noch wahr, können aber nicht mehr darauf reagieren, was die Angst sehr verstärken kann. Der Hund ist nur äußerlich ruhig.

AZEPROMAZIN gehört NIEMALS in einen ängstlichen Hund!

Für die weniger großen Angsthasen gibt es Tryptophan – für einen Hund kann man das  noch bis zum 31.12. besorgen.

Damit zu unseren Hauskatzen.

Im Grunde gilt alles, was für Hunde gilt, auch für unsere Katzen. Allerdings haben die  erfahrungsgemäß weniger Probleme mit Silvester.

Freigänger sollten jedoch vom 31.12. mittags bis 01.01. abends keinen Ausgang bekommen, damit sie nicht mitten in die Knallerei geraten oder durch Blindgänger gefährdet werden.

Auch Katzen hilft ein ruhiges Zimmer mit Musik und Social Support. Tryptophan hilft bei Katzen recht gut. Jedoch muß man schon 5 – 7 Tage vor Silvester damit anfangen.

Ein Wort zu Bachblüten und anderen Globuli: Diese können durch den Placebo By proxy Effekt („Frauchen gibt mir was und ist guter Dinge, dann bin ich das auch …“) durchaus nützlich sein. Eine pharmakologische Wirkung haben diese Mittel allerdings nicht.

Dann lieber die kleine Menge Eierlikör vom Löffel für den ängstlichen Hund, aber auch das bitte nur nach Absprache mit dem Tierarzt.

Das Wichtigste zum Schluß:

Bleiben Sie selber ruhig und gelassen, und zeigen Sie Ihrem Haustier, dass keine Gefahr besteht! Wer Haustiere hat, sollte sie an Silvester nicht alleine lassen, ganz besonders, wenn sie Angst haben – denn das liegt in unserer Verantwortung.
Mit diesen Tipps sollte man Silvester entspannt angehen können. In diesem Sinne: Einen Guten Rutsch ins neue Jahr!

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