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Zwei der absurdesten Narrative der letzten Jahre sind zurückgekehrt. Sie wurden in einer neuen Story miteinander kombiniert!

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Es ist eine der wichtigsten Aussagen unserer Vorträge und Auftritte: Verstehe, wie Falschmeldungen funktionieren, wie sie aufgebaut werden und kenne Narrative, aus denen dann immer wieder neue Geschichten entstehen. Es sind wiederkehrende Erzählmuster, die immer wieder dieselbe Geschichte transportieren.

Diese Geschichten besitzen eine leichte Dynamik, so dass sie immer wieder leicht mutieren, jedoch in ihrer Grundstruktur identisch sind. Am letzten Freitag tauchte auf Facebook dann eine sehr interessante Kombination aus zwei Narrativen auf, die man zunächst einmal in ihrer vollen Länge genießen sollte:

Freier Journalist filmt nachts am Flughafen
Dieser war insgesamt in 8 oder 9 Nächten am Flughafen Leipzig/Halle (er in bestimmt über 20 Nächten). Er ist mit dem Auto, meist abseits der A9 über einen Feldweg, zur Südwestseite des Flugfeldes gerumpelt, über den Zaun und hat aus gedeckter Position, den Wahnsinn beobachtet. Es ist immer das gleiche Spiel, kurz nach 22 Uhr landet der letzte reguläre Flieger aus Antalya, dann ist eine halbe Stunde Ruhe und dann gehts los… erst noch dezent… von 0 bis 2 Uhr ist dann Rush Hour, aller 4 Minuten landet eine Maschine, am östlichen Ende der Rollbahn, stehen etliche Sattelschlepper bereit. Aus den („DHL“)-Flugzeugen, steigen dunkel pigmentierte und bärtige aus und direkt hinten in die LKW’s ein. 1-2mal sind wir einem Sattelschlepper hinterher gefahren, dass geht nur bis zu einem bestimmten Punkt, an welchem nachts, mitten in der Pampa plötzlich überall massenweise „Polizei“ zu finden ist. Jedoch stimmt Polizei in keinster Weise. Die fahren ein kleines Stück, mitten in die Einöde bei Großkugel auf ein Feld.
Da ist eine alte, schon Jahre leer stehende Lagerhalle. Dort fahren sie rein und laden die ganze Besatzung in andere LKW’s um, welche dann Richtung Mansfelder Land fahren, dort wo die still gelegten Tagebauwerke liegen. Die anderen, fahren leer zum Flughafen zurück um die nächsten zu holen. 40-50, manchmal über 60 Flieger, landen jede Nacht nur allein hier und das seit über 2 Jahren. Wir haben unzählige Fotos und Videos gemacht, ein 16 GB-Speicherkarte voll mit Beweismaterial (nicht nur davon, sondern auch Sachen von Greueltaten in Schweden und Frankreich-„Die Hölle von Calais“… dem zentralen Sammellager im Sudan usw.)… die Speicherkarte hat Jens…und Jens ist (wie auch andere von uns) seit über einem halben Jahr verschollen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Tore aufgehen.

Abgesehen von jeglichen fehlenden Beweisen, wie eingangs bereits beschrieben, handelt es sich hierbei um eine pure Behauptung, die aus zwei Komponenten besteht.

Narrativ 1: Flüchtlinge werden zu tausenden heimlich eingeflogen

Im August 2016 tauchte eine unglaubwürdige Geschichte auf einem Blog mit dem Namen “Austria-Netz” auf. Diese Geschichte besagte, dass Flüchtlinge klammheimlich zu tausenden nach Deutschland gebracht werden. Diese landen angeblich jede Nacht im drei – fünf Minutentakt am Köln Bonner Flughafen. Draußen vor den Toren warten dann angeblich bereits die Busse des Bundesamtes für Migration.

Der Blog Austria-Netz war(!) bekannt für verschiedene Geschichten, die teilweise so irre waren, dass man schon darüber lachen konnte. So nahm die Webseite beispielsweise das Coverbild eines Hardcorepornos und behauptete, jenes Bild würde demnächst in Deutschland im Auftrag der Regierung an Bahnhöfen und Bushaltestellen hängen, um deutsche Frauen darauf einzustimmen, was sie erwarten wird (hier zu lesen, sehr amüsant).

Somit war in diesem Kontext eigentlich recht klar, dass die Geschichten von Austria-Netz stark konstruiert waren. So auch die Story um die Migranten, welche angeblich zu tausenden jede Nacht am Köln Bonner Flughafen eintreffen würden. Was für uns als Fake klar war, hatte der Kopp-Verlag am 08. August 2016 nochmals veröffentlicht und somit dieser erfundenen Geschichte ungeahnten Rückenwind verliehen (hier unser Artikel dazu).

In dieser Neuveröffentlichung hieß es [sic:] “Das berichten mehrere Informanten Kopp Online die das Treiben an deutschen Flughäfen beobachten.”, sowie auch “Ein anderer Leser berichtet Kopp Online:”. Der Verlag stützte sich seinerzeit auf Lesermeldungen, deren Identität nicht genannt wurde.

Die Vorwürfe gegenüber dem Flughafen und den angeblichen Nachtflügen waren so groß (auch auf politischer Ebene wurde via Twitter agiert), dass auf der offiziellen Facebookseite des Flughafens eine Pressemeldung erschien, welche deutlich irgendwelche Spekulationen verneinte.

Man hätte meinen können, danach sei Schluss mit dieser Geschichte gewesen, doch dem ist nicht so! Dasselbe Narrativ tauchte im Sommer 2017 erneut auf. Völlig identische Geschichte: Migranten werden in der Nacht zu Tausenden eingeschleust. Nur diesmal nicht mit Flugzeugen, sondern mit Bussen. Und nicht am Köln Bonner Flughafen, sondern über den Brenner (hier unser entsprechender Artikel).

Auch diesmal zog das Narrativ weite Kreise, so dass sich das österreichische Bundesinnenministerium in der Situation sah, auf Twitter ein klares Statement abliefern zu müssen.

Man bemerkt mittlerweile deutlich die Parallelen, auch zu dem aktuellen Fall, in dem dasselbe Narrativ auf den Flughafen Leipzig/Halle gemünzt wird.

Narrativ 2: Bevölkerungsaustausch

Aber die aktuelle Statusmeldung beinhaltet noch eine zweite Geschichte: Migranten werden zu abertausenden in unterirdische Anlagen gebracht. Diese echt verrückte Geschichte wurde seinerzeit ebenfalls im Jahr 2016 unter dem Titel „Eine Whistleblowerin packt aus: Die Vorbereitungen für einen Völkermord in Deutschland 2017” verbreitet. Mittlerweile geben selbst einzelne Blogs zu, dass sie einem Fake aufgesessen sind. Der ursprüngliche Beitrag, bzw. der gesamte Blog wurde übrigens mittlerweile gelöscht, lediglich die daraufhin erstellten Copy&Paste Clone sind noch zu finden.

Bei dieser konstruierten Geschichte wird sich übrigens am Narrativ des Bevölkerungsaustausches bedient. Die Bilder einer geheimen, unterirdisch wartenden Armee werden hier gezeichnet, eine Angst wird aufgebaut.

Unser aktueller Fall bezüglich der Landungen am Flughafen Leipzig/Halle spielt nun genau mit diesem Bild. Die geheimen Bunkeranlagen bekommen ein neues Gesicht: Es sind auf einmal leer stehende Lagerhallen und stillgelegte Tagebauwerke im Mansfelder Land, wo Migranten quasi stationiert sein sollen. Man erkennt hier deutlich die Parallelen zu der Fakegeschichte aus dem Jahr 2016.

Verschwundener Journalist?

An dieser Stelle ist jedoch auch ein neues erzählerisches Element eingeflossen: Jener freie Journalist, der über einen längeren Zeitraum alles beobachtet habe, ist nach Aussage der Statusmeldung mitsamt aller Beweise verschwunden und nicht mehr auffindbar. Der Mann mit dem Namen „Jens” sei einfach mit allen Beweisen, die er übrigens auch in Frankreich, Schweden und Sudan aufgenommen habe, weg.

Leider lässt sich nur schwer verifizieren, wer der gemeinte „Jens” ist, da ohne einen Nachnamen hier keine eindeutige Identifikation der Person möglich ist.

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