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Das Internet und die sozialen Netzwerke sind ein Verteilerposten vielerlei Informationen. Das ist gut und richtig so, denn so sind diese frei zugänglich und leicht erreichbar für alle. Jedoch finden sich zwischen diesen vielen Informationen auch immer wieder Falschmeldungen.

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Hass, Verleumdungen, Drohungen und Fälschungen gehören leider immer wieder zum Alltag im Netz. Ziel dieser Verleumdungen oder Drohungen sind dabei immer wieder Einzelpersonen, so wie beispielsweise jüngst bekannt wurde, dass der Würzburger Anwalt Chan-Jo Jun, der den syrischen Flüchtling Anas Modamani gegen Facebook vertreten hat, aufgrund von Morddrohungen gegenüber seiner Familie in dem Fall nicht weiter aktiv sein wird.

Außer diesen üblen Drohungen finden sich im Netz und den sozialen Netzwerken zudem häufig auch Schmutzkampagnen oder gefälschte, sowie frei erfundene Zitate, welche zumeist Politikern auf sogenannten Sharepics untergemogelt werden.

Eines der bekanntesten Sharepics mit einem erfundenen Zitat betraf im Dezember 2016 die Politikerin Renate Künast, jedoch bereits wesentlich früher tauchten Sharepics mit angeblichen Zitaten der Hamburger Politikerin Stefanie von Berg auf.

Stefanie von Berg ist eine in die Hamburgische Bürgerschaft gewählte Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Im Netz kursieren zwei Bilder mit Aussagen, die ihr zugeordnet werden und die immer noch vereinzelt auftauchen.

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Umso mehr freut es uns an dieser Stelle, mit Frau von Berg über diese Sharepics, die Folgen solcher Pics und auch den mühsamen Kampf um eine Richtigstellung zu sprechen.

Frau von Berg, dieses Sharepic dürfte Ihnen durchaus bekannt sein. Wann sind sie zum ersten Mal auf dieses Bild aufmerksam gemacht worden (und was waren die ersten Reaktionen der Menschen)?

Anfang Januar 2016 erhielt ich persönliche Nachrichten auf Facebook s mit größtenteils sehr beleidigenden Inhalten. Auslöser war ganz offensichtlich dieses Bild, denn es wurde immer mitgesendet. In einigen Nachrichten wurde auch sachlich nachgefragt, ob ich das gesagt habe und warum ich dieser Meinung sei. Ich habe größtenteils auf diese Fragen geantwortet. Zur gleichen Zeit ging eine Welle auf Twitter und per Mail los – auch über Twitter und per Mail erhielt ich viele Beleidigungen und Bedrohungen. Bis heute hat das nicht aufgehört – dieses Sharepic taucht immer wieder auf.

Aus welchem Anlass heraus ist dieser verdrehte Satz entstanden?

In einer Rede in der Hamburgischen Bürgerschaft im November 2015 – in der es eigentlich um die Beschulung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen ging – äußerte ich mich über die Zukunft deutscher Großstädte. Ich führte aus, dass es laut Studien in 20 bis 30 Jahren in deutschen Großstädten keine ethnischen Mehrheiten mehr gäbe, dass wir vielmehr zu einer superkulturellen Gesellschaft würden. Nachdem in den Reihen der AfD Unruhe entstand, fügte ich den Satz hinzu, „Und das ist gut so!“ Etwa zwei Wochen später stellte die AfD-Fraktion Hamburg den Ausschnitt der Rede auf ihrer Facebook-Seite ein. Überschrift des Posts war „Grüne Politikerin lässt Maske fallen“ – meine Aussage wurde dann von der AfD-Fraktion verdreht zu dem im Sharepic genannten Satz.

Kennen sie den Ersteller dieses Sharepics überhaupt – und falls ja: haben Sie sich jemals mit diesem in Verbindung gesetzt

Ich kenne den Ersteller nicht und habe mich daher auch nicht mit ihm in Verbindung setzen können.

Haben sie eine Anzeige erstattet / überlegt, eine Anzeige zu erstatten? (Falls ja: was ist daraus geworden, falls nein: warum nicht?)

Da ich zu dieser Zeit bereits sechs Wochen Shitstorm hinter mir hatte, der immer neue Ausmaße annahm und mir zudem ein Medienanwalt sagte, da könne man eh nichts machen, habe ich nichts weiter unternommen.

Welche Konsequenzen hatte dieses Sharepic für Sie? Gab es bestimmte Anfeindungen oder Drohungen?

Dieses Sharepic hat den Shitstorm erheblich angeheizt und ihm dann noch einmal eine gewaltige Wucht verliehen. Es hat dazu geführt, dass ich nach wie vor Anfeindungen, Beleidigungen und Bedrohungen erhalte.

Wie haben Ihre Bekannten auf das Bild reagiert?

Meine Bekannten sind nicht auf den Seiten im Netz unterwegs, auf denen dieses Bild offensichtlich kursiert (Facebookseiten von rechten Gruppierungen, AfD-Facebookseiten, PI News etc.). Ich bin von Bekannten nie darauf angesprochen worden.

Hat das Bild ihren Ruf in irgendeiner Weise nachhaltig geschädigt?

Ja, da es mich als Deutschenhasserin hinstellt. Ich bin jedoch leidglich Befürworterin einer vielfältigen, liberalen Gesellschaft, weil ich weiß, dass wir alle davon profitieren können in einer globalisierten Welt – wenn wir die Voraussetzungen für Integration schaffen. Diese Auffassung ist völlig verzerrt worden.

Haben sie aktuell noch häufig mit diesem Bild zu tun.

Ich habe nicht mehr so häufig mit diesem Bild zu tun wie noch im letzten Jahr – aber es taucht, wie gesagt, immer wieder auf. Die sozialen Medien vergessen nicht.

Sehr geehrte Frau Berg, vielen Dank für Ihre Antworten. Wir wünschen Ihnen auch weiterhin alles Gute im Kampf gegen die verdrehten Sharepics.

Vorschaubild (c) Daniela Möllenhoff