Wetterphänomene sind so faszinierend wie manchmal unheimlich. Nun scheint es etwas Neues zu geben, wenn man einem Facebook-Posting glauben darf: Helle, kerzengerade Lichtstrahlen, die aussehen, als ob ein Ufo etwas hochbeamen will.

Doch was genau geht da vor?

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Übersetzt steht in dem Status:

„Ein seltsames Phänomen ereignet sich in den letzten Tagen rund um den Erdball. Diese Lichtstrahlen wurden in Italien, Florida und Mexiko fotografiert.“

Seit wann gibt es diese Fotos?

Die ersten Fotos dieser Art tauchten bereits 2009 auf, aber erst 2012 wurde die Menge der Fotos dieser Art größer, wie hier z.B. ein Foto aus Japan, 2012:

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Was haben alle Fotos gemeinsam?

Auf dem ersten Blick sieht man auf einigen Fotos Blitze, aber auch auf den anderen Bildern hat man immer einen dunklen Gewitterhimmel. Hängt dieses Phänomen also mit dem Wetter zusammen?

Werfen wir mal einen genaueren Blick auf die Fotos!

Als Beispiel nehmen wir das vermutlich erste Bild dieser Art, welches 2009 von Hector Silieza aufgenommen wurde:

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Auch hier sehen wir wieder einen Blitz schwach neben dem „Lichtstrahl“. Außerdem scheint das Foto auf der linken Seite leicht verschwommen zu sein. Merkwürdigerweise sagt niemand, dass man den Strahl direkt gesehen hat, sondern er wird immer erst auf den Fotos entdeckt. Also ist es gar kein Wetterphänomen, sondern ein Foto-Phänomen?

Der „Rolling Shutter“-Effekt

Allgemein wird gerne angenommen, dass sämtliche Kameras jeden Teil eines Bildes in exakt derselben Millisekunde aufnehmen. Dies ist allerdings nicht bei allen Kameras so.
Digitalkameras mit Bildwandlern in CMOS-Sensor-Technik und Kameras mit Schlitzverschluss tasten beim Knippsen das Motiv von links nach rechts spaltenweise oder von oben nach unten zeilenweise ab. Dies geschieht zwar sehr schnell, aber wenn sich just in dem Moment, in dem man den Auslöser drückt, sich an dem Motiv etwas ändert, dann kann es zu teilweise kuriosen Bildfehlern kommen.

Bei diesem Bild z.B. kann man diesen Effekt gut erkennen: Das sich bewegende Auto erscheint verzerrt, der unbewegte Rückspiegel indessen ist klar zu sehen.

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Bildquelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Nun kommen wir noch einmal zurück zu unserem Beispielbild.
Wir haben also gelernt, dass einige Digitalkameras ein Bild zeilen- oder spaltenweise aufnehmen. Man merke sich dies für die Erklärung:

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Als Hector Silieza den Auslöser drückte, wackelte die Kamera anscheinend ein wenig, was erklärt, warum das Foto auf der linken Seite ein wenig verschwommen ist. Das zeigt uns gleichzeitig, dass er eine Kamera verwendete, welche das Motiv spaltenweise von links nach rechts aufnimmt.

Als der „Abtaster“ in der Mitte des Bildes in etwa war, erhellte der Blitz für sehr kurze Zeit den Himmel, wodurch für wenige Spalten der Himmel heller erscheint.

Hier ein weiteres Beispiel, bei dem der Himmel durch den Blitz etwas länger erhellt wurde, wodurch der „Lichtstrahl“ weichere Ränder bekommen hat.

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Fassen wir zusammen

Es handelt sich nicht um ein unheimliches Wetterphänomen, schon gar nicht um UFOs, die etwas hochbeamen oder um eine göttliche Erscheinung. Auch sind diese Bilder nicht „die letzten Tage“ entstanden, sondern tauchen seit 2009 im Internet auf, eine größere Aufmerksamkeit bekamen sie aber erst ab 2012.
Der Effekt entsteht durch die Technik, die manche (Digital-)Kameras benutzen, um ein Objekt aufzunehmen, verbunden mit einer plötzlichen Licht-Veränderung, während das Bild aufgenommen wird.

Bevor ihr euch also bei Gewitter auf die Straße stellt und „Beam mich rauf, Scotty!“ brüllt, erkundigt euch lieber vorher, welche Technik eure Kamera verwendet. 😉

Quelle: Dancehall Reggae Videos

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