Eine schwarze Arielle? Warum du die Geschichte nicht verstehst, wenn dich das stört!

Von | 15. Juli 2019, 10:34

Arielle bekommt, wie so viele Disney-Filme, eine Realverfilmung… und die Hauptdarstellerin sieht so gar nicht wie die Zeichentrickfilm-Vorlage aus.

Es gibt anscheinend so einige Menschen, die es stört, dass Arielle nun von der dunkelhäutigen Sängerin und Schauspielerin Halle Bailey verkörpert wird. Unter dem Hashtag #NotMyAriel wird sich teilweise furchtbar darüber aufgeregt, dass Arielle, die Meerjungfrau, unbedingt blasse Haut und rote Haare haben muss!

Bezüglich des „weiblichen James Bond“, der in einem Tweet erwähnt wird, sei nur kurz erwähnt: Das ist falsch. Bond (gespielt von Daniel Craig) quittiert seinen Dienst, eine jüngere, dunkelhäutige Agentin bekommt seine berühmte Agentennummer „007“. Bond ist allerdings immer noch Bond und wird auch die Hauptrolle im nächsten James Bond-Film sein.

Aber zurück zur schwarzen Arielle: Schauen wir doch mal genau nach, warum es Unsinn ist, sich darüber aufzuregen.

Disney und die Märchen

Mit Zeichentrickversionen von Märchen ist Disney (neben Mickey Maus natürlich) berühmt geworden. Doch wenn wir die Originalversionen von Märchen mit den Disneyversionen vergleichen, wird uns schnell auffallen, dass Disney sich eigentlich fast nie an die Originalgeschichte hielt, sondern eigene, kinderfreundliche Versionen fertigte.

Fangen wir an mit Schneewittchen: In Grimms Märchen musste die Schwiegermutter am Ende in eisernen, rotglühenden Schuhen tanzen, bis sie tot umfiel.
Oder Der Froschkönig: Jener verwandelte sich nicht etwa durch einen Kuss zu einem Prinzen, sondern weil die Prinzessin den Frosch angeekelt an die Wand warf, um ihn zu töten.
Oder Dornröschen: Keine Erweckung durch einen Prinzenkuss! Der Prinz vergewaltigte sie im Schlaf, sie bekam Zwillinge, die Tochter saugte der Mutter den vergifteten Dorn aus dem Finger. Dornröschen treibt den Prinzen auf, seine neue Frau wird eifersüchtig und kocht die Zwillinge zum Abendessen.

Oder Arielle: Die bekannteste Version stammt von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1837, diese war schon recht kinderfreundlich geschrieben.
Ältere Versionen hingegen sind da handfester: Arielle wird die Zunge herausgeschnitten, zudem schmerzt jeder ihrer Schritte, als ob sie über Glasscherben geht. Außerdem bekommt sie den Prinzen nicht, kann auch keine Meerjungfrau mehr werden, bevor sie nicht den Prinzen tötet, bringt das nicht übers Herz, stirbt und wird zu Meeresschaum.
Sie kann allerdings in den Himmel kommen, wenn sie als Geist 300 Jahre lang Seefahrern in Not hilft… was dann auch der Grund für die Legende ist, dass Meerjungfrauen Seefahrern helfen.

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Worum geht es denn wirklich?

Zuvorderst sei gesagt, dass das Aussehen von Meerjungfrauen nie genau definiert wird, zur damaligen Zeit wurden sie meist mit heller Haut und blonden Haaren dargestellt. Dass Arielle in der Disney-Version rote Haare bekommen hat, ist ein Seitenhieb auf einen Glauben, der bereits im Mittelalter vorherrschte: Menschen mit roten Haaren haben keine Seele. Und im Originalmärchen möchte Arielle unter anderem auch ein Mensch werden, damit sie eine Seele bekommt, die sei aber nur möglich, wenn ein Prinz sich in sie verliebt.

Das Aussehen ist in der Geschichte vollkommen irrelevant!
Es geht darum, dass jemand seine Art, seine Herkunft aus Liebe aufgibt! Es geht darum, dass Grenzen überwunden werden! Dass es vollkommen egal ist, wie jemand aussieht oder wo jemand herkommt!

Eine dunkelhäutige Arielle wird dies wahrscheinlich sogar noch deutlicher machen, besonders wenn der Prinz hellhäutig sein wird. Es ist nicht nur eine schöne Geschichte (zumindest in der Disney-Version), sondern es ist auch eine Lehre: Liebe kümmert sich nicht um Haut- oder Haarfarbe.

Menschen, die sich also darüber aufregen, dass Arielle nun anders aussieht als in der 30 Jahre alten Zeichentrick-Version, haben die Botschaft der Geschichte niemals verstanden!

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