Sexting – also das Versenden und Tauschen von erotischen Fotos per Handy – ist für viele Jugendliche schon alltäglich. Wir erklären, warum Sexting nie vollkommen „safe“ ist und wie man sich trotzdem schützen kann.

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Sexting – also das Versenden und Tauschen von erotischen Fotos per Handy – ist für viele Jugendliche schon alltäglich
Sexting kann sehr unangenehme Folgen haben, wenn intime Fotos ungefragt weiterverbreitet werden und im Internet landen. (c) Pro Juventute_flickr.com

Sexting – was ist das?

Der Begriff „Sexting“ setzt sich zusammen aus „Sex“ und „Texting“ (englisch für das Senden von SMS) und bezeichnet das Tauschen und Verbreiten von erotischen Fotos und Videos per Handy. Freizügige Aufnahmen können mit der Handykamera in Sekundenschnelle erstellt und mit wenigen Klicks über Soziale Netzwerke oder Messenger verbreitet werden. Sexting ist vor allem bei Jugendlichen sehr beliebt: Ab einem Alter von etwa 15 Jahren gehört der erotische Schnappschuss als Liebesbeweis für den/die Partner/in oder als Freundschaftsgeste für den/die besten Freund/in fast schon zum Alltag. Einer aktuellen Studie aus Australien zufolge hat mehr als die Hälfte aller 16- bis 19-jährigen Schüler/innen schon einmal eine eindeutige Sexting-Nachricht erhalten, ein Viertel hat selbst schon mal „gesextet“.


Warum ist Sexting bei Jugendlichen so beliebt?

Das Experimentieren mit der eigenen Sexualität sowie der Wunsch nach Austausch und dem Vergleich mit Gleichaltrigen gehören zum Erwachsenwerden dazu. Einer belgischen Studie zufolge stellt Sexting für Jugendliche eine technologiegestützte Form des Flirtens dar. Auch der Freundeskreis spielt beim Sexting eine wichtig Rolle: Gilt Sexting dort als „cool“ und wird Druck ausgeübt, fällt es den meisten Jugendlichen oft schwer, „Nein“ zu sagen. Weitere Gründe für Sexting sind die Suche nach Aufmerksamkeit, die Kontaktanbahnung zu potenziellen Partner/innen oder die Herstellung von Intimität in einer (Fern-)Beziehung.

Einvernehmliches Sexting unter Jugendlichen sollte daher genau wie einvernehmlicher Sex als normaler Bestandteil des Erwachsenwerdens anerkannt und nicht tabuisiert werden. Problematisch wird Sexting erst dann, wenn freizügige Bilder nicht-einvernehmlich an Dritte weitergeleitet werden oder intime Inhalte im Internet veröffentlicht werden. Hier gilt es, bereits im Vorfeld ein Bewusstsein für mögliche Risiken zu schaffen und Strategien zur Vermeidung dieser Gefahren aufzuzeigen.


Warum ist Sexting nicht „safe“?

In vielen Fällen verläuft Sexting unter Jugendlichen vollkommen unproblematisch. Sexting kann aber sehr unangenehme und langwierige Folgen für alle Beteiligten haben, wenn freizügige Fotos oder Filme (öffentlich) im Internet landen. Wenn Beziehungen oder Freundschaften in die Brüche gehen, werden intime Inhalte oft aus Rache, Enttäuschung oder Neid ungefragt in Sozialen Netzwerken oder Messenger-Apps weiterverbreitet. Die Abgebildeten haben dann praktisch keine Kontrolle mehr darüber, wer diese zu Gesicht bekommt. Nacktfotos oder andere sexuell orientierte Inhalte wieder aus dem Netz zu bekommen, ist sehr schwierig, oft auch unmöglich. Auch zu massivem Cyber-Mobbing kann es kommen, wenn intime Inhalte einmal im Internet kursieren. Manchmal nutzen Ex-Partner/innen Sextings aus „glücklicheren Zeiten“ auch zur Erpressung: So wird etwa gedroht, alte Nacktfotos zu veröffentlichen, wenn keine neuen geschickt werden.

Achtung: Auch Foto-Anwendungen wie Snapchat, die versendete Inhalte automatisch nach dem Empfang löschen, machen Sexting nicht sicherer! Mit speziellen Apps können auch hier Screenshots von Fotos oder Nachrichten erstellt werden, welche dann zeitlich unbegrenzt gespeichert und verbreitet werden können.


Die Verbreitung von Nacktfotos kann strafbar sein!

Was die meisten Jugendlichen außerdem nicht wissen: Erotische Fotos von Minderjährigen gelten als Kinderpornografie und sind daher illegal (§ 207a StGB – Pornografische Darstellungen Minderjähriger). Die Veröffentlichung und Verbreitung kann rechtliche Folgen haben.


Sexting: Tipps zum Schutz der Privatsphäre

Sexting birgt viele Risiken und sollte daher nicht sorglos betrieben werden. Wirkliches „Safer Sexting“ gibt es nicht! Wir haben trotzdem einige Tipps zusammengestellt, wie man die eigene Privatsphäre beim Versenden von Nacktbildern oder anderen erotischen Inhalten bestmöglich schützen kann:

  • Empfänger/in mit Bedacht auswählen. Der wohl wichtigste Tipp: Erotische Fotos sollten nur dann verschickt werden, wenn ein entsprechendes Vertrauensverhältnis zum Empfänger/zur Empfängerin besteht.
  • Das Gesicht nicht zeigen. Erotische Bilder sollten am besten so angefertigt werden, dass man selbst nicht eindeutig auf dem Foto zu erkennen ist. Entweder man lässt den Kopf bzw. das Gesicht auf dem Bild ganz weg oder man zeigt nur der Hinterkopf. Bildbearbeitungs-Apps bieten auch die Möglichkeit, Gesichter mit Schnurrbärten, falschem Make-Up oder Wimpern künstlerisch zu „verfremden“.
  • Nicht immer ist weniger mehr. Ein Foto kann auch dann erotisch wirken, wenn nicht alle intimen Körperstellen komplett unbedeckt gezeigt werden. Z.B. können die Arme oder Kleidungsstücke so vor dem Körper drapiert werden, dass nicht alles zu sehen ist – der Rest bleibt der Fantasie überlassen bzw. in der Privatsphäre des/der Abgebildeten.
  • Exzessives Sexting vermeiden. Verschickt man intime Bilder nur zu besonderen Anlässen an den/die Liebste/n, haben diese womöglich eine größere Wirkung, als wenn ständig gesextet wird. Der Bonus dabei: Es sind weniger heikle Bilder im Umlauf.
  • „Beweisstücke“ löschen. Vor allem Nacktfotos sollten regelmäßig wieder vom Handy gelöscht werden – am besten mit dem/der Partner/in gemeinsam. Das schützt vor neugierigen Blicken, falls das Smartphone einmal unbeobachtet herumliegen sollte, gestohlen wird oder verloren geht.
  • Metadaten der Fotos entfernen. Vor allem wenn sie mit dem Handy aufgenommen wurden, enthalten Fotos viele Informationen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind (Meta- oder Exif-Daten). Selbst wenn die Person auf dem Bild nicht zu erkennen ist, kann anhand dieser Daten unter Umständen zurückverfolgt werden, wer das Foto geknipst hat. Daher sollten diese sensiblen Informationen sicherheitshalber gelöscht werden, bevor das Bild versendet oder in Netz gestellt wird. Und so geht’s:
    Windows: Rechtsklick auf das Bild > Eigenschaften > Reiter „Details“ auswählen > ganz unten auf „Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen“ klicken
    Mac: Hier können die Metadaten leider nur mit speziellen Tools, wie z.B. ImageOptim entfernt werden.
    Direkt am Smartphone: Sowohl für iOs und Android sind zahlreiche kostenlose Apps zur Entfernung der Metadaten in den jeweiligen App-Stores erhältlich.
  • Wenn, dann nur sicher speichern. Wenn intime Fotos gespeichert werden sollen, dann am besten nur auf einer externen Festplatte oder einem USB-Stick – und nicht im Internet bzw. in Cloud-Speicherdiensten wie iCloud, Dropbox & Co., da hier die Daten nie 100 Prozent sicher sind.
  • Auf synchronisierte Geräte achten. Aufpassen sollte man auf jeden Fall, wenn der/die Empfängerin mehrere mobile Endgeräte verwendet, die miteinander synchronisiert werden (z.B. ein Smartphone und ein Tablet). Dann könnte es nämlich passieren, dass ein per Messenger auf das Handy versendetes Sexting gleichzeitig auch am Tablet angezeigt wird – und dieses gerade von einem anderen Familienmitglied verwendet wird.

Vielen Dank an unseren Kooperationspartner Saferinternet für diesen Artikel.

Saferinternet.at unterstützt vor allem Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende beim sicheren, kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.

Die Initiative wird im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen des Safer Internet Programms umgesetzt.

Saferinternet.at bildet gemeinsam mit der Stopline (Meldestelle gegen Kinderpornografie und nationalsozialistische Wiedebetätigung) und 147 Rat auf Draht (Telefonhilfe für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen) das „Safer Internet Centre Austria“. Es ist der österreichische Partner im Safer Internet Netzwerk der EU (Insafe).

Saferinternet im Web: http://www.saferinternet.at/
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