Seit 5 Jahren wird die Geschichte als aktuell dargestellt
Seit 5 Jahren wird die Geschichte als aktuell dargestellt

Manche Ereignisse sind so skurril, dass sie auch Jahre später noch kursieren und als aktuell dargestellt werden.

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Ein Beispiel dafür ist jenes rothaarige Baby, welches tatsächlich von seinem Vater auf einer Online-Plattform zum Verkauf angeboten wurde.

„Vater verkauft sein Baby, weil es rote Haare hat“

…titelt der Artikel. Konkret geht es darum, dass ein Vater auf einer französischen Plattform für Kleinanzeigen sein Baby für 100 Euro (im Artikel heißt es 1000 Euro) verkaufen möchte, da die Eltern lieber ein blondes Kind gehabt hätten, das Baby aber rothaarig sei.

Stimmt das? Ja, aber…

…dies ist ein gutes Beispiel, wie man wegen Klicks das Leben eines Kindes unangenehm gestalten kann.

Ist das aktuell?

Dazu gehen wir mal auf Quellensuche. Eine französische Webseite, von der die „Oh my Mag“ augenscheinlich das Video übernahm und eindeutschte, macht zumindest den Eindruck. Die Seite „waouh.tv“ beschrieb im Juni 2018 jenen Fall und lieferte dazu noch Screenshots der Kleinanzeige, auf der man zwar das Datum der Anzeige sieht, der 9. Mai, allerdings keine Jahreszahl.

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

Anzeige vom Mai, Artikel vom Juli… macht also den Eindruck, dass es ein knappes Jahr her sei, oder?

Falsch! Diese Anzeige erschien nämlich tatsächlich bereits 2014 auf dem französischen Anzeigeportal, die Seite „gentside.com“ berichtete damals darüber. Interessant dabei, dass auf der Seite auch der Anzeigentext zu lesen ist, der letzte Satz der Anzeige lautet sinngemäß, dass das Baby im guten Zustand ist, auch wenn er es öfter auf den Kopf fallen ließ, abschließend mit „lol“ (laughing out loud = laut lachend).

Ernsthafte Anzeige?

Aus der Art, wie das Baby eher wie ein Gegenstand als wie ein menschliches Wesen beschrieben ist (es stand unter der Rubrik „Möbel“), dazu noch gepaart mit geschmacklosen Scherzen und einer Abneigung mancher Menschen gegen Rothaarige (was der Autor persönlich überhaupt nicht nachempfinden kann und nie verstehen wird), kann man davon ausgehen, dass der Anzeigenersteller wohl „witzig“ sein wollte und damit das absolute Gegenteil erreichte.
2016 berichtete die französische Webseite „Jetaimemaman“ auch noch einmal über diese Anzeige, machte das Baby aber wenigstens unkenntlich und wusste zu berichten, dass gegen den Ersteller der Anzeige polizeilich ermittelt wurde.

Ein Sammelsurium an kuriosen Anzeigen

Die Plattform „Le Bon Coin„, in Frankreich bekannt für ungewöhnliche Kleinanzeigen, gerät nicht zum ersten Mal deswegen in die Schlagzeilen. Bereits 2012 versuchte ein Vater, sein Baby dort vermeintlich zu verkaufen. Hintergrund der damaligen Geschichte war, dass es „eine falsche Hautfarbe“ habe… tatsächlich kam der Mann dahinter, dass seine Frau ihn betrogen hat und das Kind von einem anderen Mann war.

Lasst doch das Kind in Ruhe!

Liebe Klatsch- Tratsch- und Clickbaitseiten,

Es ist für euch nicht einfach, aktuelle Ereignisse zu finden, die viele Klicks erzeugen. Jenes Kind jedoch ist mittlerweile mindestens 5 Jahre alt. Es geht vielleicht gerade in den Kindergarten oder in die Vorschule.

Warum also bitte zerrt ihr das Bild jenes Babys unverpixelt durch die Medien? Habt ihr schonmal dran gedacht, dass es vielleicht darauf angesprochen wird? Dass es gehänselt werden wird, weil der Papa es im Internet verkaufen wollte?

Sind euch eure Klicks denn um so viel wichtiger als das Wohlergehen eines kleinen Kindes?

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