Am letzten Sonntag habe ich mich dazu hinreißen lassen, in die Tiefen des Kaninchenbaus zu kriechen.

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Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon früher an den oberen Gängen des Baus herumgeschnuppert hätte und letztendlich auch eine grobe Karte der Höhlen hatte, aber durch einen dummen (und auch ungewollten) Zufall bin ich dann nun tatsächlich komplett in die Grube gefallen.

Schuld an dieser Situation ist ein Tweet auf Twitter, welcher von einem Softwareentwickler mit dem Namen Creed Haymond veröffentlicht wurde. Er hat mit dieser Metapher im Grunde genau meinen Nerv getroffen:

Ja, verdammt! Ich habe die rote Pill …. äh den roten USB Stick gewählt. Um die Dramaturgie auf dem eigenen Sofa zu erhöhen, habe ich für die Installation des neuen Betriebssystems sogar einen roten USB Stick gewählt!

Ubuntu!

Ja, ich habe mir den Kaninchenbau eigentlich erst im Sicherheitsmodus gönnen und Ubuntu parallel neben meinem Windows 10 laufen lassen wollen. Aber immerhin: ich habe mich ganz mutig gegen die 16.04 LTS Version entschieden und die frische 17.10 Artful Aardvark von Oktober gewählt.

Ok …. Stoppstopp werden einige nun rufen. Wovon spricht der Mann? Also: Ich habe aufgrund des Tweets und der Lust auf Veränderung mir ein Betriebssystem mit dem Namen Ubuntu installiert. Um es ganz einfach zu erklären: Es handelt sich bei Ubuntu um eine Linux-Distribution.

Aber Linux ist doch nur was für Geeks und Nerds!!!!

Und genau mit dieser These möchte ich mich ein wenig auseinandersetzen, denn ich halte Ubuntu tatsächlich für eine vernünftig nutzbare Alternative, man muss jedoch auch ein wenig Können mitbringen. Ja, es ist ein Kaninchenbau, aber es macht Spaß!

Dennoch!

Ohne gewisse Vorkenntnisse, gerade im Bereich einer Eingabekonsole, sollte man als unerfahrener Nutzer durchaus aktuell noch Abstand von einem Komplettumstieg nehmen und eher auf einer Parallelinstallation üben. Windowsnutzer, die im wahrsten Sinne des Wortes „Nutzer“ sind, könnten an manchen Stellen an Hürden stoßen, die ohne Hintergrundkenntnisse schwer zu überwinden sind. Ubuntu hat da zwar viel aufgeholt, aber eben nicht überall.

Das Tolle an der ganzen Sache: Man muss eben (eigentlich) nicht auf Windows verzichten, wenn man Angst hat. Ubuntu bringt einen entsprechenden Loader mit, so dass man es beispielsweise vom USB Stick geladen ausprobieren kann. Ebenso kann man aber auch beide Betriebssysteme parallel laufen lassen. Doch an dieser Stelle muss ich gestehen: Meine Windows 10 Version hat das Partitionieren nicht so gewollt und mich auf meinem Rechner geärgert. Insofern bin ich gefallen… und mein Versuch, parallel beide Systeme laufen zu lassen, ist gescheitert. Ebenso sollte man, wenn man noch nie etwas von Partitionieren gehört hat, dringend die Finger davon lassen!

Am Ende habe ich mich also privat von Windows auf meinem Notebook verabschieden müssen (zugegeben: Auf meinem Daddel-Rechner hätte ich mich das nicht getraut), mich hat die Partitionierung unfreiwillig zerrissen. Windows 10 fühlte sich angegriffen und meldete beim Start Fehler. Also: Runter damit. Dank Cloud & Box fiel es mir nicht schwer.

Also, zu Ubuntu müsste man wissen: Es ist schon recht nutzerfreundlich aufgebaut und besitzt eine intuitiv einfach zu nutzende, grafische Oberfläche.

Ebenso muss man in den Supportversionen unterscheiden: Ubuntu bietet alle paar Monate (in der Regel alle 6) eine neue Version an, die dann zumindest 9 Monate lang mit Sicherheitspatches versehen wird. Wer auf Nummer Sicher gehen will, wählt zur Installation jedoch immer die aktuellste LTS Version. LTS steht für Long Term Support und bedeutet, dass diese Installation dementsprechend 5 Jahre lang Updates bekommt. Für konservative Ubuntunutzer natürlich super.

Wie gesagt, ich bin eher der progressive Typ und da ich sowieso nie 5 Jahre an einem Betriebssystem rumkaue, habe ich mich für die aktuelle und nur kurzzeitig supportete Version 17.10 entschieden.

T+48

Mittleriweile nutze ich also seit über 48 Stunden privat primär Ubuntu. Kein Sicherheitsnetz. Kein doppelter Boden. Ich musste mir tatsächlich ohne große Vorplanung meine alte Arbeitsumgebung auf der Linuxdistribution nachbilden.

Es geht. Irgendwie. Wie eingangs erwähnt: Zum Nachbilden muss man Vorkenntnisse haben. Die Bedienung ist glücklicherweise in vielen Fällen ähnlich zu Windows, die deutsche Übersetzung schon recht gut (dank dieser ist eine Installation auch unproblematisch, Partitionieren sollte man jedoch nur, wenn man weiß, was man tut), insofern ist vieles an der Bedienung intuitiv. Die Darstellung hat mich zudem immer schon ein wenig an das macOS erinnert.

Doch wie gesagt, jetzt sitze ich da. Natürlich habe ich auf meiner alten Windowsinstallation auch Programme mit teuren Lizenzen besessen. Ärgerlich. Grundsätzlich ist es möglich, Windowsprogramme auf Ubuntu laufen zu lassen, Wine sei dank.

Wine (Wine INot an Emulator) ist ein Programm, mit dem man Windows-Software unter Linux laufen lassen kann. Man benötigt keine Windows-Installation auf seinem Computer, um mit Wine Programme starten zu können, die für Windows programmiert wurden.

Ja, es ist möglich, Windows-Software so zu starten. Obschon ich sagen muss: einige frieren häufiger ein, so dass sie einmal nutzbar sind, dann aber neu gestartet werden müssen. Ein wenig mühsam, grundsätzlich aber für einfache Strukturen machbar. Ich habe Wine noch nicht mit komplexeren Games ausprobiert, bemerke aber bei bestimmten Grafikprogrammen bereits die Grenzen, so dass ich hier bereits alternativ GIMP installiert habe.

Alternativen

Ich glaube, je mehr ich das Betriebssystem nutze, es geht am Ende immer mehr um Alternativen. Natürlich gibt es eine Vielzahl an Software, die für mehrere Betriebssysteme zu laden ist (der VLC Player, Thunderbird, ja generell die gängigen Browser), doch viele liebgewonnene Marotten und Programme gibt es einfach nicht speziell für Ubuntu.

Aber! Aber es gibt eben die Alternativen. Es gibt Programme, die ähnlich oder gleichartig funtionieren, wie die bisher genutzen Tools oder eben mit ein wenig Umgewöhnung auch ihre Funktion erfüllen. Für Umsteiger nicht immer erfreulich und wer sich ungerne umgewöhnt, sollte an dieser Stelle generell mit einem Umstieg hadern.

Was aber glücklicherweise super funktioniert hat: Der Ubuntu Kalender hat problemlos alle Termine aus meinem Windows, Google oder Facebook Account importiert. Ferner hatten auch Google Chrome sowie Firefox keine Probleme mit der Übernahme von  Daten aus den bestehenden Accounts.

Lediglich Thunderbird benötigte einen Eingriff bei der Übernahme der vorhandenen Accountdaten. Dank IMAP ist es heutzutage zwar nicht mehr zwingend notwendig, alle Mails zu portieren, aber wenn man mehrere Accounts besitzt und die einzelen Serverdaten nicht kennt, kann das problematisch werden.

Da leider das recht einfach nutzbare Tool MozBackup seine Funktion über die Betriebssysteme heraus so nicht erfüllen kann, muss man ein wenig nachhelfen. Aber hierfür gibt es einen guten Tipp, wie man von einer noch bestehenden und auch zugreifbaren Windows-Installation die Thunderbird Profile auf die noch junge Ubuntu-Installation bekommt.

Hier hilft erneut das Ubuntu-Wiki:

Die Profile von Firefox und Thunderbird liegen je nach Betriebssystem und Version an verschiedenen Orten:

Thunderbird – Lage des Profil-Ordners

Windows 8, 7, VistaC:\Benutzer\%Benutzername%\AppData\Roaming\Thunderbird\Profiles

Windows XPC:\Dokumente und Einstellungen\%Benutzername%\Anwendungsdaten\Thunderbird\Profiles

Ubuntu~/.thunderbird

Der Ordner, in dem die Daten aufbewahrt werden, heißt immer xxxxxxxx.default. Diese 8-stellige Zahlen- und Buchstabenkombination wird vom Programm bei der Installation erzeugt. Der dabei auftretende Zufallscharakter stellt ein Sicherheitsmerkmal dar.

Man kopiert also alle Dateien aus dem xxxxxxxx.default der Windows-Installation auf einen Datenträger. Man sucht daraufhin in der Ubuntu-Installation nach der oben genannten Lage der Thunderbird-Installation und öffnet dort den xxxxxxxx.default Ordner. Dort kopiert man die Daten vom Datenträger hinein und beim nächsten Aufruf von Thunderbird sind alle Daten identisch zur kopierten Version.

Leider

Bisher hat sich alles immer noch ganz toll angehört, doch man muss auch eingestehen, dass man immer wieder mit Linuxbefehlen auf der Eingabekonsole konfrontiert werden kann. Leider ist bei der Nachbildung meiner gewünschten Funktionen immer wieder der Griff auf „sudo“ oder „apt-get“ in der Konsole notwendig gewesen (wenn auch erstaunlich selten), doch an manchen Stellen musste man auf diese manuellen Installationsmethoden zurückgreifen.

Ich sag mal, uns „real-digital-natives“, also uns Kindern von Norton Commander oder DOS 4.0 sind eingetippte Befehle nicht fremd, aber eben jenen, die in dieser Generation keinen Kontakt mit PCs hatten, könnte das befremdlich sein (muss nicht).

48 Stunden

Da ich derzeit tatsächlich erst bei 48 Stunden Primärnutzung stehe, beende ich meinen Erlebnisreport an dieser Stelle. Zusammenfassender Eindruck:

Ja, Ubuntu hat mein 2009er Notebook wieder echt schnell gemacht. Gleichzeitig ist das Lüftergeräusch, das seit der Win10 Installation ein stetiger Begleiter war, kaum mehr vorhanden. Diese Ressourcenschonung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Gebiete. Für ältere Geräte ist der Umstieg auf Ubuntu definitiv eine lange Lebenserweiterung!

Ebenso darf man nicht vergessen, dass Ubuntu klassischerweise gratis ist. Also, wer keine Windows Lizenz besitzt, kommt hier super bei weg.

Ich hadere derzeit aber noch mit dem Gaming, würde dies gerne jedoch nochmal vertiefen und dazu BITTE gerne Nutzererfahrungen einfließen lassen.

Generell: wenn es Erweiterungen zu diesem Inhalt gibt, immer her damit! Und ganz speziell würde es mich freuen, wenn es hierzu einen zweiten Teil geben könnte, der sich auf Gaming unter Ubuntu bezieht.

Beiträge dazu gerne an andre@mimikama.at

Grundlagen:

Ubuntu (mit Download)

Ubuntu Wiki

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