Sehnsucht, Romantik, ein Hauch von Flirt, eine abenteuerbehaftete Brieffreundschaft: So beginnt der Romance Scam.

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Scam – was ist das? Scam leitet sich von “scamming” ab. Der Begriff „scamming“ (= betrügen) bedeutet, dass Ihnen völlig unbekannte Menschen über diverse Kanäle wie z. B. E-Mail oder Messenger Kontakt aufnehmen. Ziel ist es, das Vertrauen des Empfängers zu gewinnen, ihn unter Druck zu setzen und schließlich zu Geld zu kommen. So ein Schriftwechsel mit Scammern kann sich über Monate ziehen und dabei wird das Opfer mit allen möglichen Mitteln manipuliert. Diese Manipulation dauert so lange an, bis das Vertrauensverhältnis so groß ist, dass man bereit ist, für irgendwelchen Dinge Geld zu überweisen.

Wir haben einen 7 Seiten langen Schriftwechsel mit einem Scammer vorliegen, in dem man wunderbar die Methoden und Werkzeuge der Scammer herauslesen kann. Ebenso erkennt man daran sehr deutlich, wie lange (!) so ein Schriftwechsel andauert, bis überhaupt mal die Bitte um Geld auf den Tisch kommt. Ein Scammer bereitet sehr sorgfältig und vor allem langsam seinen Betrug vor. Vertrauen spielt dabei eine große Rolle.

Wahllose Kontaktaufnahme

Es kann im Grunde jeden treffen. Natürlich sind jene E-Mail Adressen stärker betroffen, die man im Internet an jeder noch so unsicheren Stelle preisgibt (daher hat es sich immer ausgezahlt, sich zusätzlich eine “Mülleimeradresse” anzulegen, die man anonym gestaltet), jedoch sind mittlerweile auch oftmals schon Hauptadressen betroffen, da diese auf Adresslisten stehen, die lang durch die Bank im Internet gehandelt werden. Wer zum Beispiel auf gewissen Gewinnspielseiten seine Adresse preisgegeben hat, hat auch zugestimmt, dass diese weitergegeben werden dürfen. Am Ende muss man sich nicht wundern, wenn diese irgendwann an undurchsichtige Stellen verkauft werden.

Dem Scammer ist es am Ende völlig egal, wer auf dieser Liste steht, es wird lediglich nach Geschlecht unterschieden. Denn gerade wenn es um den Romance Scam geht, ist bei der Kontaktaufnahme die Wahl des Geschlechts, für welches man sich ausgibt, sehr wichtig. (Orange=Köder, grau=Scammer)

Vielen Dank für die Freundschaftsanfrage, da ich aber kein englisch spreche hat es leider keinen Sinn. Auch habe ich nur echte Freunde auf Facebook. Freundliche Grüße aus [********]

Okay, kein Problem, meine Liebe, aber ich kann mit dir in Deutsch zu deinem Verständnis sprechen, weil ich auch aus Berlin Deutschland komme, aber ich bin dort als ich noch sehr jung war, aber jetzt in Dundee Schottland lebe, hoffe ich, dass es uns nichts ausmacht, so weiterzumachen können wir mehr über uns selbst erfahren?

Ok, dann können wir es ja mal versuchen, ich bin aber eine „Frau“ ich lebe seit 6 Jahren auf dieser wunderschönen Insel. Ich bin in Hamburg geboren, habe da 36 Jahre gelebt, bin dann nach [******] gezogen und habe da bis 2012 gelebt. Ich sende herzliche Grüße nach Schottland, da ist es jetzt bestimmt sehr, sehr kalt, wir haben hier schönes Wetter, leider mit sehr viel Wind.

Wow, das ist nett, du bist wundervoll, ich kann sehen, dass du gerne viel reist. Ich vermisse wirklich meine Stadt Berlin, die ich verließ, als ich sehr jung war nach dem Tod meiner beiden Eltern, aber jetzt will ich zurück nach Deutschland. Ich denke, dass ich gut in meinem Heimatland bin, weil ich in Deutschland geboren wurde.

Falsche Komplimente

Ebenfalls wird recht schnell die eigene (frei erfundene) Persönlichkeit umschrieben, so dass der Empfänger ein wenig “Appetit” auf einen Schriftwechsel bekommt. Ebenso wird auch sehr häufig ein Betroffenheitsgefühl aufgebaut, der Scammer gibt sich gerne als liebender Witwer, der auf tragische Weise seine Frau/Familie verloren hat. Auch in dem uns vorliegenden Fall ist das so:

Oh ja danke für deine freundliche Antwort meine Liebe: Gut für meine Arbeit ich bin in Textil und Stoff Produkt und der dem Hund auf meinem Profil gehört mir ich liebe meinen Hund so sehr, er ist halt derjenige, der immer mir Gesellschaft hält seitdem ich habe meine Familie verloren. Sein Name ist Puffy

Das Du Deine Familie verloren hast tut mir wirklich sehr, sehr leid. Wie ist es passiert und wann. Es muss schrecklich sein einen geliebten Menschen zu verlieren. Ich liebe meine Kater auch sehr, er heißt **** und ist ein ganz lieber Kerl.

Nun, es hört sich gut an zu hören, dass du einen schönen und liebenswerten Hund hast, ich bin Single ohne Kind, ich habe meine Frau vor 3 Jahren verloren, sie starb an tödlichem Autounfall mit unserem ungeborenen 4 Monate alten Kind, es war so peinlich für mich meine Liebe, ich lebe seit 3 Jahren alleine mit meinem Hund.

Der „Vertrauenswürdige”

Eine ganz wichtige Komponente in dem ganzen Schriftwechsel: Wenn der Scammer angezweifelt wird, dann beweist er seine Identität sehr gerne mit einem Foto. Auf diesem Bild sieht man dann eine vertrauenserweckende und freundliche Person. Nicht übertrieben gutaussehend, nicht „häßlich”, sondern glaubwürdig. So auch in unserem Fall:

Okay, ich werde dir ein Foto von mir schicken, aber kannst du mir bitte sagen, wer dein Freund ist, von dem du gesagt hast, dass ich auch hier schreibe?

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Es gibt keinen Freund in meinem Profil, Du sagst immer „mein Freund“ zu mir. Da ich aber eine Frau bin, hört es sich sehr eigenartig an. Vielen Dank für das nette Foto, wenn es wirklich aktuell ist musst Du Dich ja nicht verstecken. Ich schließe jetzt meine Computer und wünsche Dir eine gut Nacht.

Okay, mein wunderschöner Engel, dann werde ich dir wünschen, dass der Mond immer voll und hell ist und du immer cool und richtig bist. wo immer du hingehst, um das Licht auszuschalten, erinnere dich daran, dass ich dir eine gute Nacht wünsche eine erfolgreiche Nachtruhe und einen angenehmen Schlaf, mein schöner Engel

Nimmt man dieses Bild und verfrachtet es in die Bilderrückwärtssuche bei Google, so enttarnt sich an dieser Stelle schon der Scam: die Suchergebnisse belegen, dass es sich um ein Foto handelt, welches gerne im Zuge eines Romance Scam Schriftwechsels eingesetzt wird.

Das bittere Ende

Man darf an dieser Stelle nicht vergessen: So ein Schriftwechsel zieht sich über einen langen Zeitraum! Ein Scammer fällt nicht direkt am ersten Tag mit der Tür ins Haus, sondern bereitet den Betrug lange und behutsam vor. Er baut ein Vertrauensverhältnis auf, konstruiert eine Persönlichkeit und ihr Umfeld, so dass alles real wirkt.

Am Ende bitten die Betrüger um Geld, die Eröffnung eines gemeinsamen Kontos, den Versand von Päckchen oder um Ausweiskopien. Das machen sie meist jedoch erst dann, wenn sie wissen, dass ihre Opfer ihnen VERTRAUEN. Erst sind es kleine Geldbeträge, um die sie bitten. Die Gründe dafür klingen plausibel, denn im Laufe des vorangegangenen Schriftwechsels haben sie die Thematik bereits (ohne Geldbitte) angesprochen und die Opfer fühlen sich „im Bilde”.

Damit bricht so ein Schriftwechsel übrigens nicht direkt ab, sondern geht unter Umständen erst richtig los: Merkt der Scammer, dass Geld zu holen ist, wird er es wieder versuchen! Die Geldbeträge erhöhen sich, der emotionale Druck wird auch verstärkt. Die Polizei warnt hierbei: Da die Täter ihren Opfern über eine längere Zeit ein sehr inniges und vertrauensvolles Verhältnis vorspielen, sind die Opfer nach einem Betrug emotional stark erschüttert. Gleichzeitig beenden die Täter den Betrug erst, wenn sie merken, dass das Opfer kein Geld mehr schickt – im Zweifelsfall nehmen sie den finanziellen Ruin ihres Opfers billigend in Kauf. Eine weitere Gefahr kann auch darin bestehen, dass die Täter ihre Opfer bitten, Geld oder Waren in Empfang zu nehmen und weiter zu versenden. Sowohl das Geld wie auch die Waren stammen hierbei ausnahmslos aus anderen kriminellen Handlungen und die Opfer machen sich wegen des Verdachts der Geldwäsche strafbar!

Die Polizei rät übrigens:

Wie verhalte ich mich, wenn ich betrogen wurde?

  • Brechen Sie den Kontakt ab und nutzen Sie die Möglichkeiten, einen Betrüger zu blockieren.
  • Falls Sie bereits auf Forderungen der Betrüger eingegangen sind, werden diese sehr hartnäckig sein: Ignorieren Sie daher konsequent weitere Versuche der Kontaktaufnahme.
  • Sichern Sie den gesamten Schriftverkehr mit den Betrügern und heben Sie sämtliche Überweisungsbelege etc. auf.
  • Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Polizei und erstatten Sie Strafanzeige.
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