Diese Postkarte aus dem Jahre 1937 stiftet Verwirrung unter den Betrachtern – Gibt es solche Monsterinsekten wirklich?

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Wir erhielten einige Anfragen zu diesem Foto, auf welchem ein Mann zu sehen ist, der einen scheinbar riesenhaften Grashüpfer erlegt hat.

Stolz wird das geschossene Tier der Kamera präsentiert.

Auf dem Foto vermerkt steht:

Grasshopper shot near Miles City Mont. ©1937 Coles Studio Glasgow Mont

Und so sieht das Verwirrung stiftende Foto aus:

26238777_328919844297156_7533120263758542364_n

Kann es denn stimmen, dass es in Montana (USA) tatsächlich derart große Grashüpfer gegeben hat?

Natürlich nicht! Es handelt sich um eine Fotomontage!

Unsere Kollegen von Snopes haben dieses Foto ebenfalls überprüft und stellten Folgendes fest – bei diesem Foto handelt es sich ursprünglich um eine Postkarte, die 1935 von Frank D. “Pop” Conard als spaßige Idee auf den Markt gebracht wurde.

Die Kansas Historical Society schreibt dazu:

When a swarm of grasshoppers descended on Garden City in 1935, Frank D. “Pop” Conard had a vision. The photographer made a montage of giant insects with humans and sold the postcards like “hotcakes.” “The idea,” Conard said, “came to me after a flight of grasshoppers swarmed into Garden City attracted by the lights, and it was impossible to fill an automobile gasoline tank at filling stations that night. I went home to sleep, but awoke at 3:00 a.m. and all I could think about was grasshoppers. By morning I had the idea of having fun with the grasshoppers, and took my pictures and superimposed the hoppers with humans. I didn’t do it for adverse impressions of Kansas, but as an exaggerated joke.” A master retoucher, Conard continued to print “hopper whoppers” until his retirement in 1963. Grasshoppers were enlarged to battle a man, fit on the bed of a pickup, and hold up a train.

The picture postcard presented the possibility to inventive photographers to extend the traditional tall-tale to the photographic plate, and what is more, to devise entirely new forms that were possible only through photography. It brought into being visual effects that tall-tale tellers through the centuries had seen only in their fertile imaginations.

“They say pictures don’t lie,” explained Conard, “but from the sale of these postcards-the fastest selling novelty cards on the market it seems that Kansas people like a little funny, untruth.”

Als ein Schwarm Grashüpfer Garden City 1935 überfiel, hatte Frank D. “Pop” Conard eine Vision. Der Fotograf fertigte Montagen von riesigen Insekten mit Menschen an und verkaufte diese als Postkarten wie “heiße Kuchen” an. “Die Idee”, sagte Conard, “kam mir, als ein Schwarm Grashüpfer nach Garden City kam, angezogen vom Licht war es mir diese Nacht unmöglich den Benzinbehälter meines Automobiles an der Tankstelle aufzufüllen. Ich ging nach Hause um zu schlafen, doch wachte um 3:00 Uhr morgens auf und konnte an nichts anderes denken, als an die Grashüpfer. Bei Tagesanbruch hatte ich die Idee, mir einen Spaß mit den Grashüpfern zu erlauben, nahm meine Fotos und kopierte die Grashüpfer mit den Menschen ineinander. Ich habe es nicht getan, um ein schlechtes Licht auf Kansas zu werfen, sondern um einen übertriebenen Scherz daraus zu machen.” Als Meister-Retoucher führte Conard bis zu seiner Pensionierung 1963 die Drucke der “hopper whoppers” fort. So wurden Grashüpfer soweit vergrößert, um mit einem Mann zu kämpfen, um auf die Ladefläche eines Pickup zu passen und einen Karren zu ziehen.

26841004_306889949833598_6301023321365939454_o

Also, diese Postkarten gibt es tatsächlich, jedoch sind solche riesenhaften Insekten die Idee eines Künstlers, die voll eingeschlagen hat.

Nichts desto trotz könnte man dieses Bild auch als Fake entlarven, indem man eine wissenschaftliche Komponente heranzieht.

Denn biologisch betrachtet, könnten Grashüpfer in dieser Größe gar nicht überleben.

Wer jetzt aufschreit, es gab doch prähistorische Rieseninsekten!! – der hat auch Recht, jedoch gilt in unserem Zeitalter als Faustregel für Gliedertiere (Insekten, Spinnen, Hundertfüssler etc. ), alles, was dicker ist als eine Fleischwurst, wäre beim aktuellen Sauerstoffgehalt von 20% nicht überlebensfähig.

Da auch Grashüpfer weitestgehend passiv durch Diffusion über Tracheen atmen, würde dieses Atmungssystem bei mehr als 2-3 cm (ZENTIMETER !!! ) Tracheenlänge nur noch sehr begrenzt funktionieren.

Im Karbon (Erdzeitalter) lag der Sauerstoffgehalt aber bei 35%, weswegen es damals auch möglich war, Hundertfüsslern von über einem Meter, Libellen mit über 70 cm Spannweite und anderen kuscheligen Tierchen zu begegnen… früher war eben doch nicht alles besser!

„Die Effizienz der Atmung über ein Tracheensystem ist durch die Diffusionsgeschwindigkeit des Sauerstoffs begrenzt, was ein Grund für die relativ geringe Größe tracheenatmender Tiere ist.“

Trachee

Ergebnis:

Bei diesem Bild handelt es sich um eine Postkarte aus den 1930ern, die als Scherz gemeint war.

Biologisch betrachtet können Insekten wie Grashüpfer auch gar nicht mehr so groß werden, da das Atmungssystem diese Tiere nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgen würde.

Und allen, die ein besonders gutes Auge haben, ist wohl sowieso schon aufgefallen, dass ein Grashüpfer dieser Größe einen Schatten über die Beine des Mannes werfen müsste…

Trotzdem eine tolle Idee, um sein Geld damit zu verdienen!

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal, via Patreon, via Steady