Durch die Medien rauscht derzeit eine Meldung, über die sich besonders in Ostdeutschland empört wird: eine sogenannte „Reisewarnung“ der kanadischen Regierung, die vor Gewalt extremistischer Jugendgruppen warnt.

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Was jedoch dort ausgesagt, muss man sich genau anschauen. Handelt es sich hier wirklich um eine Reisewarnung?

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Quelle: travel.gc.ca

Wörtlich steht dort:

„Extremistische Jugendbanden sind eine Bedrohung, insbesondere in kleineren städtischen Gebieten und in Teilen des ehemaligen Ostdeutschlands. Bandenmitglieder sind dafür bekannt, Personen wegen ihrer Rasse oder „fremdländischem Aussehen“ zu belästigen oder anzugreifen.“

Und dementsprechend wir auch darüber auf verschiedenen Seiten berichtet:

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Quelle: spiegel.de

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Quelle: handelsblatt.com

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Quelle: vice.com

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Ist diese Warnung gerechtfertigt?

Die Statistiken lügen nicht: So lag im ersten Halbjahr 2015 die Anzahl der rechtsextremen Gewalttaten auf dem Niveau des gesamten Vorjahres. Auch die teilweise von Gewalt begleiteten Pegida-Demos entgehen natürlich dem Ausland nicht. Fundiert das jedoch eine “Reisewarnung”?

Handelt es sich also explizit um eine Reisewarnung?

Dann werfen wir doch noch einmal einen genauen Blick auf die Website der kanadischen Regierung:

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„Es ist für Deutschland kein landesweiter Ratschlag in Kraft. Es gelten die normalen Sicherheitsvorkehrungen“.

Richtige Reisewarnungen findet man gleich beim Aufruf des Tabs „Advisories“, wie man hier am Beispiel von Zimbabwe sieht:

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Der von allen Medien als „Reisewarnung“ betitelte Abschnitt ist streng genommen keine Reisewarnung, sondern, wie man am Tab „Security“ schon erahnen kann, nichts weiter als ein Sicherheitshinweis.

Durch dieses Missverständnis wird sich eigentlich grundlos aufgeregt. „Das entspricht nicht der Realität und ist extrem rufschädigend“, so Michael Kretschmer, Generalsekretär der sächsischen CDU, aber hat nicht im Kopf, dass ein solcher Sicherheitshinweis in den USA und Kanada weitaus entspannter gelesen wird, als es aus unserer Sicht wirkt. Die kanadische Regierung muss allerdings auf die derzeitigen Probleme in Ostdeutschland zumindest hinweisen (nicht warnen), um hinterher, falls es zu einem Übergriff auf einen kanadischen Staatsbürger kommen sollte, sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, dass man nichts davon gewusst hätte.

Fazit:

Keine Reisewarnung, sondern ein Sicherheitshinweis, der der Form halber auf jenen Seiten stehen muss, auch wenn ein Politiker behauptet, dass dies nicht der Realität entspräche.
(Ost-)Deutschland wird jetzt bestimmt nicht wegen einem Satz der kanadischen Regierung gemieden, die östlichen Bundesländer sind dadurch auch nicht gebrandmarkt.

So kann ein Wort alleine schon eine unnötige „Empörung“ auslösen.

Autor: Ralf, mimikama.at

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