Ein Vorfall, drei verschiedene Ausführungen! Sehr interessant ist dabei zu beobachten, dass je nach Schwerpunktlage sich ein anderes Bild der Situation ergibt. Und am Ende liegt zwischen Satire und Ausländerfeindlichkeit eine ganz andere Erklärung.


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Letztendlich hohe Aufmerksamkeit wuchs, als die “Rheinische Tagespost” titelte: „SINGEN SIE DOCH GEFÄLLIGST DEUTSCH!“ – KÖLNER BUHEN SÄNGERIN ADELE VON DER BÜHNE”. Dies geschah am 02. März 2016.

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Inhaltlich geht es darum, dass die Sängerin Adele während eines Konzertauftrittes in Köln ausgebuht und beschimpft worden sein soll:

Wie jetzt bekannt geworden ist, wurde am Samstag auch das Konzert der Künstlerin „Adele“ in der Lanxess-Arena kurzfristig abgebrochen. Hunderte Kölner hatten zuvor lautstark gegen die Sängerin protestiert, das Konzert mit Buh-Rufen, Sprechchören und Handyklingeln gestört.

Der Stein des Anstoßes: Offenbar verstanden viele der Gäste die auf englisch gehaltene Ansprache der Künstlerin nicht. „Reden Sie doch bitte Deutsch“, sollen einige aus dem Publikum gerufen haben.  Auch die englischen Songs stießen auf Unverständnis.

Bei der Rheinischen Tagespost handelt es sich jedoch um eine Satireseite, insofern kann man recht deutlich sagen: das ist so nicht passiert. So zumindest nicht.

Alles Satire?

Nein, nicht ganz. Wechselt man den Namen aus, so muss man leider feststellen: das ist so ähnlich tatsächlich geschehen! Und zwar dem Cembalisten Mahan Esfahani. Der Express titelte am 01. März, also einen Tag vor dem Satireartikel: Philharmonie Konzert-Eklat! Publikum brüllt: „Reden Sie gefälligst Deutsch!“

Dieser Artikel bezieht sich auf einen Auftritt des Künstlers vom 28. Februar in der Kölner Philharmonie. Dort kam es nach angaben des Express also tatsächlich zu derartigen Äußerungen:

Als er dann „Piano Phase“ von Steve Reich aus dem Jahr 1967 auf Englisch ankündigte, war’s mit der Ruhe vorbei: Ein Teil des Publikums reagierte total unangemessen, wurde laut und verließ das Konzert. Einige Rufe wie „reden Sie doch gefälligst Deutsch!“ waren zu hören!

Fremdenfeindliches Deutschland? Alles Ausländerhasser? Nein, das wohl eher kaum. Jedoch lässt uns an dieser Stelle der Express ohne weitere Erklärung allein.

Fremdenfeindlich? Nein.

Verrohung der Sitten nennt es die Welt. Unter dem Titel “Beispiel der Verrohung heutiger Konzertbesucher” schrieb erklärte die Welt am 01. März 2016:

Kommt also jetzt nach dem Kölner Grapschen das Kölner Klatschen? Sicher nicht. Der kleine Eklat hat weniger mit Ausländerfeindlichkeit zu tun als mit einer zunehmenden Verrohung der Sitten im scheinbar so geschützten Konzertsaal.

Was war passiert? In der Kölner Philharmonie gibt es schon lange eine vorwiegend von Senioren besuchte Reihe mit Kammerorchestern am Sonntagnachmittag.

Recht deutlich erfährt man aus der Darstellung in der Welt, dass man hier nicht gezielt fremdenfeindlich handelte, sondern dass generell der Ton unter den Besuchern roher und für ein Konzerthaus unangemessener geworden ist.

Wenn es nicht symptomatisch für ein sich änderndes Verhalten an diesem eigentlich heiligen Ort wäre. Immer mehr Besucher nehmen keinerlei Rücksicht mehr auf die Künstler und die anderen im Saal. Da fallen Wasserflaschen um, Telefone klingen und piepen, Mails werden geprüft, man spricht ungeniert mit dem Partner – so wie zu Hause bei Kommentaren vor dem Fernseher.

3 Artikel – 3 Schwerpunkte

Am Ende haben sie jedoch Eines gemeinsam: sie zeigen das flegelhafte Verhalten einiger Konzertbesucher, welches man durchaus zurecht kritisieren darf.

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