Artikelbild: Shutterstock / Von Darkdiamond67

Rast dieser XXL-Asteroid auf die Erde zu?

Von | 8. August 2019, 9:36

Panikmache in den Medien: Asteroid trifft (mal wieder) die Erde! Nicht.

Am 10.08.2019 wird der Asteroid 2006QQ23 in einem Abstand von 0,049 AU (ca. 7,33 Millionen km) an der Erde vorbeifliegen. Davon wissen wir seit relativ kurz nach der Entdeckung des Asteroiden im Jahre 2006. Da dieses Datum nun herannaht, tauchen wie zu erwarten war, entsprechende Schlagzeilen in den Medien auf.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist bei jedem spannenden Ereignis, das mit Asteroiden zu tun hat, mit Weltuntergangs-Schlagzeilen zu rechnen. Was daran so kritikwürdig ist, haben wir hier, dort und auch dort schon beschrieben.

“570 Meter! Monster-Asteroid nähert sich der Erde” (news.de)

“Die NASA hat einen gefährlichen Asteroiden entdeckt, der schon im nächsten Monat auf die Erde treffen könnte. Die Chance zu einer solchen Weltuntergangs-Katastrophe bestehen zumindest.” (futurezone.at)

“Asteroid rast am Wochenende an der Erde vorbei: Nasa sieht ihn als Bedrohung” (derwesten.de)

“Seit 2001 ist ein Asteroid der Erde nicht mehr so nahe gekommen: In der Größe des Empire State Buildings rast am 10. August 2019 ein XXL-Asteroid an der Erde vorbei. Esa und Nasa warnen vor dem Himmelskörper.” (express.de)

Nicht nur sind die Schlagzeilen unglaublich reißerisch, auch sind beispielsweise in dem kurzen Teasertext des Express, welchen wir hier zitiert haben, gleich zwei Fehler: Erst vor ein paar Tagen passierte uns ein Asteroid in einer Entfernung kleiner als der Abstand Erde – Mond. Und weder die NASA noch die ESA warnen vor dem Asteroiden.

Trotzdem sind auch in Videos spektakuläre (CGI-) Bilder zu sehen, die mit der Realität allerdings allerdings überhaupt nichts zu tun haben. Hier steht, auch was die Untertitel angeht, Sensation vor Information.

Die Fakten

Der Asteroid ist seit 2006 bekannt, man kennt seine Bahn durch eine Beobachtungsspanne von 12 Jahren recht genau. Das Objekt ist ca. 570 m groß und gehört aufgrund der Art seiner Umlaufbahn zu der Gruppe der Aten-Asteroide, die die Erdbahn kreuzen können. Beispielsweise in der Datenbank des NEO Coordination Centres finden sich Details:

Screenshot: ESA

Screenshot: ESA

Im Small Body Database Browser des Jet Propulsion Laboratory der NASA lassen sich seine Bahndaten und Begegnungen mit Planeten für die Vergangenheit und Zukunft einsehen.

Aufgrund der Tatsache, dass seine absolute Helligkeit (H) größer als 22 ist, und dass er der Erde näher als 0,05 AU (die ca. 19-fache Entfernung Erde – Mond) kommt, wird er in der Gruppe der “potenziell gefährlichen Objekte” (potentially hazardous objects) geführt. Das heißt allerdings nur, dass die Asteroiden die theoretische Möglichkeit hätten, die Erde zu treffen.

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Wirkliche Risikokandidaten werden im Sentry-System des JPL Center for NEO Studies (CNEOS) erfasst und extrem genau beobachtet. Aber auch unter den ganzen dort gelisteten Asteroiden, zu denen unser 2006QQ23 noch nicht einmal gehört, gibt es keinen, der uns in absehbarer Zukunft gefährlich werden kann. Eine Einordnung in bestimmte Kandidatengruppen ist daher noch lange keine Warnung.

Das Bild

Natürlich braucht so ein spektakulärer Brocken auch ein spektakuläres Bild, um in den Medien präsentiert zu werden. Bislang gab es hier immer eine kreative Szene eines Weltuntergangs-Einschlags à la “Deep Impact”.

Diesmal jedoch taucht ein – zumindest für Astronomieinteressierte – alter Bekannter auf:

Screenshot: Berliner Kurier

Screenshot: Berliner Kurier

Es handelt sich dabei um die Illustration von Martin Kornmesser, der als Grafikdesigner beim  ESA/NASA Hubble European Space Agency Information Centre (HEIC) in Garching arbeitet. Dieses Werk stellt eigentlich Oumuamua dar, den ersten und einzigen bisher interstellaren Asteroiden, der jemals entdeckt wurde: Ein Objekt, das nicht aus unserem Sonnensystem stammt.

Florian Freistetter hat dem (Durch-)Reisenden eine Folge seiner Sternengeschichten gewidmet: Sternengeschichten Folge 349: ‘Oumuamua – Der interstellare Asteroid

Quellen:
Nasa: JPL Small-Body Database Browser
ESA: 2006QQ23 
Nasa: NEO Basics

Artikelbild: Shutterstock / Von Darkdiamond67

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