"Ramadan statt Ostern": Verschwörungstheorien und Corona-Fake-News

„Ramadan statt Ostern“: Verschwörungstheorien und Corona-Fake-News

Von | 10. April 2020, 14:03

Falschnachrichten nehmen während der Corona-Krise immer mehr zu. Einige davon wurden nun von einer Journalistin näher betrachtet.

„Ramadan statt Ostern“: Verschwörungstheorien und Corona-Fake-News – Das Wichtigste zu Beginn:

Die Masse an Informationen während der Corona-Krise stellt für viele Menschen eine Herausforderung dar. Die Journalistin Ingrid Brodnig sammelt sämtliche Falschnachrichten sowie auch deren Entkräftungen.

Fake News während der Corona-Krise

Ingrid Brodnig, Journalistin und Social-Media-Profi, machte es sich zur Aufgabe, Fake News und deren Entkräftung genauer zu betrachten.
Grundsätzlich bemerkt sie eine Veränderung innerhalb der Art der Gerüchte und Falschmeldungen. Von Kettenbriefen zu Beginn der Coronakrise bis hin zu klassischen Verschwörungstheorien, wie sie nun häufig vorzufinden sind. Verfechter dieser Theorien seien laut der Expertin Trittbrettfahrer, welche die aktuelle Lage nutzen, um ihre Ansichten in Umlauf zu bringen.

Brodnig sammelt sämtliche Falschnachrichten sowie auch deren Entkräftungen. Einige davon wurden für diesen Bericht herausgepickt.

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Ramadan – Ja, Ostern – Nein

Das christliche Ostern fällt aufgrund der Ausgangsbeschränkungen mehr oder weniger aus. Gemeinsames Feiern mit der Familie oder gemeinsame Kirchengänge sind heuer anläßlich des Osterfests nicht möglich.

Angeblich würde dies für den Ramadan nicht gelten. So wird behauptet, dass in Dortmund eine große Feier mit dem Namen „Festi Ramadan“ stattfinde. Derart falsche Behauptungen schüren die Wut über muslimische Bürger.

„Das ist Unsinn“, so Brodnig. „Schon vor Wochen wurde diese Feier abgesagt. Diese veraltete Behauptung kursiert aber weiterhin im Netz. Immer wieder werden falsche Behauptungen aufgestellt, dass muslimische Bürgerinnen angeblich besser behandelt würden als der Rest. Und aktuell gibt es diese Art des Gerüchts auch mit Coronavirus-Bezug.“

So gibt es jährlich pünktlich vor Ostern den Aufreger, dass Schoko-Osterhasen „Schmunzelhasen“ heißen würden. Und jedes Jahr wieder wird hier ein Zusammenhang mit einem „Kniefall vor dem Islam“ hergestellt, denn warum sonst sollte die Süßigkeit nicht „Schoko-Osterhase“ heißen?

Dass der „Schmunzelhase“ bereits seit 1973 diesen Namen trägt, scheint niemanden zu interessieren.

Impfgegner zu Zeiten des Coronavirus

Auch hier werden alte Behauptungen wieder aus dem Hut gezogen. In vielen Posts und Mails wird derzeit die These verbreitet, dass es Viren grundsätzlich nicht gebe.

Brodnig hat hierzu ein Beispiel: „Hat jemand von euch schon einmal einen Virus gesehen? Oder kennt jemand von euch einen Arzt oder Wissenschafter, der so einen Virus schon mal wissenschaftlich nachgewiesen hat?“
Dass Viren schlichtweg eine Erfindung seien, ist laut Brodnig eine „recht alte Behauptung in der vehementen Impfgegnerszene. Hier wird eine riesige Verschwörung seitens der Medizin suggeriert.“

Expertenzitate falsch interpretiert

Irreführende Interpretationen erweisen sich als sehr gefährlich. Derzeit kursiert eine solche Behauptung zur normalen Grippeimfpung im Netz, nach der diese das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, erhöht.

Rüdiger Dahlke, Esoteriker und Arzt, verbreitete auf Facebook die Information, dass Menschen über 65, die eine Grippeimpfung bekommen hätten, in Großbritannien in die Gruppe der Höchstgefährdeten eingestuft würden.

Dahinter steckt, dass ein staatlicher Gesundheitsbeauftragter bekanntgab, dass Menschen ab 65 Jahren die Grippeimpfung gratis zu Verfügung gestellt bekämen. Derzeit gehe man davon aus, dass Menschen in diesem Alter zur Corona-Risikogruppe gehören. Diese Aussage wurde falsch interpretiert.

„Hier wird ohne Beleg Angst vor der Grippeimpfung genährt“, erklärt Brodnig. „Auch das britische Gesundheitsministerium widerspricht dieser Darstellung.“

Facebook hat hier bereits reagiert und unter dem besagten Posting den Faktencheck der Deutschen Presseagentur eingeblendet.

5G-Verschwörungstheorie

Das 5G-Netz steht auch in der Corona-Krise unter Beschuss. Nun kursiert das Gerücht, dass 5G COVID-19 begünstigen oder sogar auslösen würde. Dafür gibt es keinerlei Belege. Auch spricht dagegen, dass COVID-19 auch in Ländern verbreitet ist, in denen der 5G-Ausbau noch nicht sehr fortgeschritten ist, wie etwa in Frankreich.

In Großbritannien wurden bereits Mobilfunkmasten in Brand gesteckt, was vermuten lässt, dass die abstrusen Theorien Menschen zu derartigen Taten verleitet.

„Man sollte Verschwörungstheorien ernst nehmen, weil sie Feindbilder kreieren und potenziell einzelne zum Handeln bewegen“, so Brodnig.

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Unsicherheit als Nährboden für wirre Theorien

Die Menschen sind aufgrund der Corona-Krise mit Massen an Informationen konfrontiert. Sich hier die relevanten und verifizierten Nachrichten herauszupicken, stellt eine Herausforderung für viele dar. Gerade in Phasen der Unsicherheit, wie sie eben aktuell vorherrscht, würden besonders viele „steile Thesen“ verbreitet.

Laut Brodnig ist deutlich zu erkennen: „Anhänger unterschiedlicher Verschwörungstheorien nutzen das Coronavirus, um auf ihr Anliegen hinzuweisen; mal sind angeblich Impfungen schuld, mal ist es 5G. Die aktuelle Phase der Unsicherheit hilft anscheinend auch den Fans solcher Thesen bei der Verbreitung.“

Passend dazu:
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Quelle: Der Standard
Artikelbild: Shutterstock / Von Suzanne Tucker
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